Haidhof
Wissenschaft

In Haidhof hört man den Pulsschlag der Welt

Die seismologische Messstation in Haidhof verbindet Oberfranken mit der großen weiten Welt. Nahe Windkraftanlagen würden die Arbeit der Wissenschaftler enorm stören.
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Auf einem Computerbildschirm kann man seismologische Ausschläge in aller Welt verfolgen. fotos: Galster
Auf einem Computerbildschirm kann man seismologische Ausschläge in aller Welt verfolgen. fotos: Galster
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Unerwartet großen Anklang fanden zwei Termine in Haidhof, die der Fränkische-Schweiz-Verein und der Verein für den Schutz des Naturparks Fränkische Schweiz auf die Beine gestellt hatten. Bereits am Nachmittag scharrten die Besucher mit den Füßen, um die Seismologische Messstation GRA1 besichtigen zu können.
Christian Bönnemann von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe aus Hannover sowie der Physiker Klaus Stammler nahmen sich den Interessenten an. Eine Gruppe begab sich zunächst in den Bunker tief unter der Erde. Dort sind die Seismometer untergebracht, mithin die sensibelsten Teile der Messeinrichtung. Bönnemann und Stammler nahmen die Interessierten anschließend mit in eine Welt, wo es auf Millionstel von Millimeter ankommt.

Fast ein wenig Hörsaalcharakter atmete die anschließende Veranstaltung am Abend im Gasthof Schlossberg. Das Seismologische Zentralobservatorium mit dem Gräfenberg-Array und seine Bedeutung für die Überwachung von Erdbeben und den Nachweis von Kernwaffentests waren die Themen Bönnemann.

In amerikanischer Hand

Anfangs der 60er-Jahre begannen die Amerikaner, die Station in Haidhof zu installieren. Die Bundesanstalt erkannte den wissenschaftlichen Wert der Anlage und übernahm sie vor 36 Jahren.
Die Haidhofer Station GRA1 gilt heute als das Herzstück des Deutschen Seismologischen Regionalnetzes. 250 weitere Messstellen gibt es in Deutschland. Sie überwachen beispielsweise den Salzstock im Atomzwischenlager Gorleben. Und sie erkennen auch, wenn ein Land, wie unlängst Nordkorea, seine Atomwaffen testen sollte.
Den Zuhörern tat sich ein unerwartet breites, international verantwortungsvolles Tätigkeitsfeld auf.
Ob man die Anlage Haidhof auch verlegen könne, wollte eine Zuhörerin wissen. Diese Idee hatten auch schon Windkraft-Befürwortern ins Spiel gebracht.

Bruchteile von Sekunden

"Es würde ein unersetzbarer digitalseismischer Datensatz und die Analyse von Kernexplosionen über 36 Jahre verloren gehen. Die Anlage ist weder verschiebbar noch ersetzbar", ließ Bönnemanns Antwort keinen Spielraum für Interpretationen.

In England müssen zwischen einer seismologische Messstation und einer Windkraftanlage 17,5 Kilometer liegen. Hier in Bayern müssen es nur fünf Kilometer sein.
Sprengungen in Steinbrüchen und ähnliche Erschütterungen störten doch auch nicht, kam ein anderer Einwand. Das sind Ereignisse, die nur Bruchteilen von Sekunden lang sind, klar definiert und abgegrenzt, entgegnete Bönnemann.
Windkrafträder, vor allem in den heutigen Dimensionen seien aber permanente Störfaktoren und damit nicht vergleichbar. Die Arbeit in den Messstationen würde massiv behindert werden


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