Der 21. Juli 1967 war sonnig und heiß. Ein idealer Badetag. Wie viele andere lag auch Herbert Baume im Streitberger Freibad und den älteren Mann, der ohne sich vorher abzukühlen ins Wasser stieg, kannte Baume aus den Zeitungen: "Es war Thomas Dehler", sagt Baume.
Schon wenig später trieb Dehler leblos im Wasser. "Er hatte sich nach dem Umziehen gleich in das eiskalte Wasser begeben", erzählt Baume und vermutet, das er sehr erhitzt war. Weil die Autos damals noch keine Klimaanlage hatten.
Der damalige Bademeister hätte dann gleich den Rettungsdienst gerufen, doch es war bereits zu spät. Später wurde dann Herzversagen als Todesursache festgestellt.
Nun erinnert eine Gedenktafel an Dehler. Den Mitbegründer der bayerischen FDP, dem ehemaligen Bundesjustizminister und Mitautor des Grundgesetzes. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die 20. Nachfolgerin Dehlers im Amt des Bundesjustizministers, Amtsnachfolgerin als Bundesjustizministerin, enthüllte die Gedenktafel bei einem Festakt im Streitberger Freibad.

"Fränkischer Sturkopf"


Die Idee für eine Gedenktafel, die an Dehler und das tragische Ereignis erinnert, hatte der Vorsitzende des Fördervereins Familienschwimmbad Streitberg, Georg Körfgen. Er und der Forchheimer FDP-Bundestagsabgeordneten Sebastian Körber waren sich schnell darüber einig, dass Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die geeignete Festrednerin wäre.
In ihrer Laudatio erinnerte sie an einen Artikels des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", in dem Dehler als "fränkischer Feuerkopf" bezeichnet worden ist. "Streitberg muss bekannter werden und mir ist es eine ganz große Freude heute hier zu sein", sagte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.
Sie selbst hat Dehler nicht mehr kennengelernt und ist erst zehn Jahre nach dessen Tod in die FDP eingetreten. Da das Streiberger Bad offensichtlich eines von Dehlers Lieblingsplätzen gewesen ist, freue sie sich außerdem, das nun an diesem Ort eine Gedenktafel an ihren Vorgänger auch als Bayerischer FDP-Vorsitzender erinnert. Auch Streitbergs Bürgermeister Helmut Traut wies in seiner Rede darauf hin, dass Thomas Dehler, der in Bamberg wohnte, Stammgast in dem Familienschwimmbad gewesen ist.
Als Dehler schließlich tot war, hat Herbert Baume umgehend die ansässige Lokalzeitung angerufen: "Die Redakteure dort haben es gar nicht glauben wollen und meinten, sie wären einer Ente aufgesessen", sagt der 73-Jährige.
Ein weiterer Zeitzeuge ist der heutige Wiesenthaler Marktgemeinderat Gerhard Kraus:"Wir waren bei schönen Wetter jeden Tag nach der Schule im Bad."

Im Holzsarg herausgetragen


Kraus steht es noch heute genau vor Augen, wie Dehler im Holzsarg aus dem Freibad getragen wurde. Und er kann sich auch noch daran erinnern, wie Dehler plötzlich leblos im Wasser lag. "Das ging alles so schnell", sagt er. Der Bayreuther FDP-Landtagsabgeordnete und FDP-Bezirksvorsitzende Thomas Hacker nannte Dehler einen "kantigen Politiker", dessen Erinnerung nicht verblassen dürfe. Nach der Feierstunde trug sich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schließlich noch ins Goldene Buch des Marktes Wiesenthal ein.