Forchheim
Architektur

Im Barock wurde die Forchheimer Marienkapelle "modernisiert"

Erkenntnisse zur Baugeschichte vermittelte der Holzhistoriker Thomas Eißing am Beispiel von Marienkapelle und Katharinenspital in Forchheim.
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Alte Ansicht des Katharinenspitals und Pfründnerhauses Original: Michael Kotz/Repro: Glas
Alte Ansicht des Katharinenspitals und Pfründnerhauses Original: Michael Kotz/Repro: Glas
Die Marienkapelle und das Katharinenspital kennt in Forchheim jeder, aber was bedeutet in diesem Zusammenhang: Gefügeforschung? Oder was sind Abbundzeichen? Was ist ein Hängewerk?

Ein Bauforscher und Dendrochronologe ("Holzhistoriker") wie Thomas Eißing von der Bamberger Universität kann solche bautechnischen Fachbegriffe nicht nur erklären, sondern durch sie auch die Geschichte dieser die Stadt bis heute prägenden Gebäude lebendig machen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Altstadtfreunde hatte zu seinem Vortrag in das Kellergewölbe der Kaiserpfalz eingeladen. Es war in diesem Jahr die letzte Veranstaltung der Serie "Häusergeschichten", aber es wird schon für das Frühjahr 2017 geplant.


Umstrukturierung

Die Erläuterungen begannen mit dem 14.
Jahrhundert, in dem die Stadt Forchheim vor allem durch den Bau der Stadtburg ("Kaiserpfalz") eine Umstrukturierung erlebte. Trotz schwierigen Zugangs konnte festgestellt werden, dass es sich beim Dach der insgesamt etwa 200 Jahre älteren Marienkapelle um eine so genannte Nut-Feder-Konstruktion (Holzverbindungstechnik) handelt aus der Zeit zwischen den Jahren 1324 und 1326.

Bauforscher können das an "Abbundzeichen" erkennen. Diese Zeichen in Gestalt von Zahlen, Buchstaben oder Symbolen ritzen oder stemmen Zimmerleute in Balken, damit diese schneller und vor allem an der richtigen Stelle in das Bauobjekt eingesetzt werden können, nachdem die Hölzer schon vorher auf der Anlage der Zimmerei bearbeitet worden sind.

Die Holzbeschaffung war damals recht schwierig. Es musste auch Holz, in diesem Fall hauptsächlich Tanne, herbeigeflößt werden. Der heute noch zu sehende Turm ist auf den Resten eines zwischendurch erneuerten Dachreiters (Türmchen) um 1591 aufgebaut worden.


Romanische Ursprünge

Die noch romanischen Fenster der Kapelle lassen von außen nicht auf die barockisierte Innenausstattung schließen. Ein Besuch in dem durch viel Gold erhellten Raum mit dem umstrahlten Marienbildnis lohnt sich.

Von außen fast noch auffälliger als die Kirche des Katharinenspitals ist das dazugehörige so genannte Pfründnerhaus im Fachwerkstil, das heute auch noch den Eingang zur Kirche ermöglicht. Hier spielt der Begriff "Gefüge" eine besondere Rolle. Unter Gefüge- oder auch Ständerbauweise versteht man die Mischung von (meist) festen Stoffen, in diesem Fall Stein (früher Lehm) und Holz, wie man es bei Fachwerkbauten immer erkennen kann. Das von der Schauseite her sehr aufwändig gestaltete Pfründnerhaus löste einen früheren kleineren Bau mit Krankensaal ab.

Geschichtsquellen belegen, dass schon 1563 erste steinerne Pfeiler in der Wiesent ein Spital stützten, das aber 1610 wegen Baufälligkeit abgetragen wurde, einschließlich der marode gewordenen Pfeiler. 1611/12 wurde ein neues, größeres Spital aufgerichtet.


Auf Stein gegründet

Es existieren noch alte Rechnungen eines "Steinbrechers", der neue und vielleicht sogar mehr Stützsäulen als vorher da waren, hergestellt hat.

Die Kirche des Spitals ist jedoch viel älter; Belege nur im Dachwerk weisen auf die Jahre 1424 bis 1426 hin. Ob den Forchheimern die eigentümliche Position des Dachreiters bewusst ist?

Sie ist tatsächlich "falsch"! Das Türmchen ist wohl wegen einer schon um 1500 notwendigen Vergrößerung eines früheren Spitals versetzt worden - von der Mitte des Daches genau am Zusammenstoß von Längs- und Querschiff auf die Spitze des Dachs der mehreckigen Apsis der Katharinenspitalkirche, wie man sie von der Wiesentstraße aus sieht.

Ungewöhnlicherweise ist die Kirche auch "gesüdet": Normalerweise sind alte Kirchen zum Sonnenaufgang hin nach Osten ausgerichtet. Die enge Lage zwischen der Wiesent und dem Mühlengebäude führte wohl zu dieser Ausnahme.

Auch die Katharinenkirche wurde schließlich innen barockisiert und man brauchte um 1711 im Dach ein so genanntes Hängewerk, das eine schwerere Stuckdecke halten konnte.

Baugeschichte scheint recht technisch daherzukommen, aber sie gibt dem heutigen Betrachter die Möglichkeit, die Handwerkskunst vergangener Zeiten und die Kostbarkeit des Bewahrten besser wahrzunehmen und einzuschätzen.
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