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Ebermannstadt
Kabarett

"Hobbala", wer fährt denn da?

Sven Bach unterhielt die Gäste des "Kleinkunstzuges" auf einer Fahrt durch das Wiesenttal. Besonders viele Lacher erntete er mit seiner Sprachanalyse des fränkischen Universalwörtchens "Hobbala".
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Sven Bach hatte Spaß im Kleinkunstzug. Fotos: Elisabeth Görner
Sven Bach hatte Spaß im Kleinkunstzug. Fotos: Elisabeth Görner
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Eisenbahnbegeisterte Männer, romantisch veranlagte Frauen und Kabarettfreunde beiderlei Geschlechts trafen sich kürzlich am Bahnhof in Ebermannstadt, wo die Tenderlok 64 491 schon auf sie wartete - zischend und die Räder in weißen Dampf gehüllt. Der "Kleinkunstzug", den Organisator Uli Bahr seit sechs Jahren immer wieder auf die Reise schickt, machte sich mit vielen Gästen und dem Mundartakrobaten Sven Bach auf den Weg nach Behringersmühle, an der Wiesent entlang und an der Ruine Neideck vorbei.
Der gebürtige Nürnberger Bach gab vor der Abfahrt eine kleine Kostprobe seines Könnens, unterwegs durften sich die Fahrgäste an einem Drei-Gänge-Menü laben, denn das eigentliche Programm findet statt, während der Zug im Zielbahnhof steht.
"Kranklach'n is' g'sund!" lautete der scheinbar widersprüchliche Titel von Bachs Darbietung im "Kleinkunstzug" der Museumsbahn, und tatsächlich konnte man sich - bei eventuell vorheriger nicht so guter Verfassung - gesund lachen bei den meist in breitestem Dialekt vorgebrachten Behauptungen und Beispielen: Die Franken haben eine Gehirnwindung mehr - und sind somit Direktdenker. Indirekt oder in Andeutungen zu reden, bringt nichts. Wenn eine Frau sagt: "Der Mülleimer ist schon wieder ziemlich voll", kann die Antwort ihres Mannes durchaus sein: "Ja, jetzt wo Du es sagst, seh ich es auch." Sollte die Frau die Hoffnung haben, dass ihr Mann den Müll entsorgt, so muss sie schon direkt sagen: "Mann, bring amol den Kibel nunder!"
Der berühmt-berüchtigte Unterschied zwischen Mann und Frau, nicht nur in Bezug auf die "Hardware", sondern auch bezüglich der "Software", ist das eine Thema Bachs, ein weiteres: die Franken und andere "Völker" (nördlich von Aschaffenburg) sowie die "exakte Sprachanalyse" des Fränkischen.
Da ist zum Beispiel das Wort "Hobbala" mit seinen verschiedenen Bedeutungen und Funktionen, etwa bei dem Satz "Hobbala, was ist denn da passiert?" Der Franke brauche das "Hobbala" als Anstoß zum Denken. "Wie kann man anfangen zu denken, wenn man nicht darauf aufmerksam gemacht wird, dass man es tun soll?", meinte Bach schmunzelnd.
Aber dieses Wort diene auch dazu, sich kurz und bündig zu entschuldigen. Wenn ein Norddeutscher jemanden angerempelt oder jemandem kräftig auf die Zehen getreten hat, versucht er, den Geschädigten mit einem blumigen "Entschuldigen Sie bitte, es tut mir leid" wieder gnädig zu stimmen - der Franke lässt es bei einem "Hobbala" bewenden und findet das absolut in Ordnung.
Und schließlich könne das "Hobbala" auch alles vorher Gesagte negieren, weshalb fränkische Politiker es da leicht hätten. Bei Beckstein und seinem Spruch über zwei Maß Bier, nach denen man noch Autofahren kann, wenn man sie in sechs oder sieben Stunden getrunken hat, hätten die Leute einfach sein "Hobbala" nicht mehr gehört.
Alles untermalt Sven Bach mit oft ungeheuer komischer Mimik, mit ausladenden Gesten und unterschiedlichsten Stimmlagen. Ab und zu hängt er sich auch seine Quetschn um und singt seine Kommentare zum fränkischen Leben und Verhalten, zum Teil mit vielen Nürnberger "ous", die ihm - nach eigener Aussage - selber so gut gefallen und bei denen sein Gesicht nur noch runder Mund zu sein scheint.
Natürlich durfte gerade im "Kleinkunstzug" die "Eisenbahn als Konstante im Leben des Mannes" nicht unerwähnt bleiben: Schon der erste bewusste Weihnachts- oder Geburtstagswunsch von Jungs sei doch eine Eisenbahn, "und es gab eine Zeit, da haben Kinder noch richtig mit den eigenen Händen gespielt; könnt ihr euch auch noch erinnern?!" Die meisten konnten. Ein junger Mann aus dem Publikum meinte - allerdings bis zu den Ohren grinsend: "Das geht heute auch noch", und gestikulierte wie bei der Game-Boy-Bedienung.
Nach herzlichem Applaus des Publikums - und nach ganz besonderem Anreiz durch Sven Bach, auch noch seine Büchlein zu kaufen ("Bei Gefallen des Programms auch als nettes Geschenk für Freunde - und bei Nicht-Gefallen für die Nachbarin, die man nicht leiden kann") ging es wieder nach Ebermannstadt, wo sich die entspannt-fröhlichen Gäste mit verdächtig vielen "Hobbalas" voneinander verabschiedeten.

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