Forchheim
Entscheidung

Forchheim: Hier hält ab 2022 die S-Bahn

Der Stadtrat hat die Diskussion um die Varianten des geplanten S-Bahn-Haltes im Forchheimer Norden beendet.
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Das rot-weiße Absperrband markiert das südliche Ende des künftigen S-Bahn-Haltepunktes in Forchheim-Nord östlich der Adalbert-Stifter-Schule.  Foto: Ekkehard Roepert
Das rot-weiße Absperrband markiert das südliche Ende des künftigen S-Bahn-Haltepunktes in Forchheim-Nord östlich der Adalbert-Stifter-Schule. Foto: Ekkehard Roepert
Vor 14 Tagen hatten Bahn-Vertreter bei einer Bürgerversammlung in der Realschule klargemacht: Ab 2022 könnte eine S-Bahn in Forchheim-Nord halten; aber die Stadt sollte sich endlich mal für eine der Varianten entscheiden.

Wie berichtet, schienen von den ursprünglich sieben Planungsvarianten am Ende nur noch zwei plausibel. Am Donnerstag hat sich nun auch der Stadtrat festgelegt: nämlich auf jenen von der Deutschen Bahn favorisierten Haltepunkt, der genau gegenüber der Adalbert-Stifter-Schule liegt.


Bänder als Visualisierungshilfe

Die Beteiligung an den Baukosten wird für die Stadt Forchheim bei lediglich 100 000 Euro liegen. In die einige hundert Meter nördlicher gelegene Variante hätte die Stadt mindestens drei Millionen Euro stecken müssen.
Klarheit brachte am Donnerstag ein Ortstermin: Der städtische Bauhof hatte mit rot-weißen Absperrbändern den Standort der beiden Varianten markiert. Schon vor Ort entschieden die meisten Räte: Der in Richtung Eggolsheim gelegene Standort sei zu abseitig.

Zudem wies René Franz, der Chef des Bauamtes, darauf hin, dass die Stadt einen Großteil der Flächen, die für den Bau des nördlicheren Haltepunktes benötigt würden, erst erwerben müsste. Was nicht nur kostspielig sei, sondern wohl auch umständliche Enteignungsverfahren mit sich brächte.


Doch noch ein zweiter Zugang?

Anita Kern (SPD) plädierte wie die Mehrheit für den Haltepunkt gegenüber der Stifter-Schule. Jedoch forderte sie eine Optimierung, die die Bahn angeboten hatte: Der Bahnsteig könnte an seinem nördlichen Ende mit einem zusätzlichen West-Zugang in Richtung Schulen ausgestattet werden. Dadurch gäbe es eine Alternative zur barrierefreien Bonhoeffer-Unterführung. In diesen West-Zugang müsste die Stadt jedoch rund zwei Millionen Euro investieren. Manfred Hümmer (FW) protestierte: Angesichts fehlender Mittel im Haushalt dürften keine zwei Millionen ausgegeben werden, "um den Schülern 200 bis 300 Meter Weg zu ersparen".

Insgesamt war die Entschlusskraft des Stadtrates aber eindeutig: Udo Schönfelder (CSU) fühlte sich von der nördlichen Variante an das Lied "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" erinnert: "Als wir heute dort draußen im Schnee standen, fehlte nur noch, dass ein Wolf vorbeikommt." Reinhold Otzelberger (SPD) meinte gar: Die nördlichere Variante "wäre ein Fall für das Schwarzbuch der Steuerzahler". Auch Albert Dorn (SPD) sah ein, dass die von den Bürgern im Stadt-Norden favorisierte nördliche Variante nicht in Frage käme. Die Stadt schlucke ohnehin eine "dicke Kröte", wenn sie einen S-Bahn-Halt unterstütze. Denn der diene vor allem den Schülern und werde daher 13 Wochen im Jahr nicht benutzt. "Da können wir nicht auch noch zusätzliche Flächen erwerben", sagte Dorn.

Seine Parteikollegin Lisa Hoffmann brachte erneut die Forderung nach einer Kreis-Beteiligung ins Spiel. "Die wäre freiwillig, wir können sie nicht einplanen", warnte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) vor falschen Hoffnungen.


Hummel zerstört Illusionen

Als Gast-Redner im Stadtrat machte Klaus Hummel, Beauftragter für Nahverkehr, deutlich, warum keine Kreis-Beteiligung zu erwarten ist: "Durch die S-Bahn sparen wir Fahrten, aber wir sparen keine Busse." Daher werde der Landkreis Forchheim kein Geld sparen, im Gegenteil: Möglicherweise würden Zuschüsse ausbleiben. "Wir hätten dann beim Busverkehr mit zusätzlichen Kosten zu rechnen", betonte Hummel.

Am Sinn des südlichen Haltepunktes zweifelte niemand außer Stefan Schick (FDP). Zwischen den verbliebenen Varianten zu wählen sei "wie zwischen Pest und Cholera zu wählen". Schick betonte, das sei seine private Meinung, nicht die der FDP-Fraktion: "Das ist eine Verschwendung von Steuergeldern, ich kann das nicht mehr unterstützen."

Alle anderen Räte plädierten für den südlichen Haltepunkt. Allerdings machten sich Anita Kern (SPD), Annette Prechtel (FGL) und Ulrich Schürr (JB) für die zusätzliche Westanbindung am Nord-Kopf des Bahnhofes stark.


Ende der Debatte

OB Kirschstein hätte die Diskussion darüber auch gerne fortgesetzt. Doch die Mehrheit des Stadtrats plädierte für "Ende der Debatte" und entschied sich mit 27:5 Stimmen für den S-Bahn-Haltepunkt - ohne zusätzlichen Abgang - an der Stifter-Schule.
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