Hetzelsdorf

Hetzelsdorf: Dem Dunkel der Tiefe auf der Spur

Eine Forschungsgruppe der Universität Erlangen-Nürnberg will einen Wanderweg rund um Seidmar, Hetzelsdorf und Haidhof ausweisen. Das Team um Professor Alfons Baier begab sich auf Entdeckungsreise.
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Die Mitglieder der Forschungsgruppe spüren dem Verlauf der Doline nach.  Foto: Franz Galster
Die Mitglieder der Forschungsgruppe spüren dem Verlauf der Doline nach. Foto: Franz Galster
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Es ist spannend, einer wissenschaftlichen Projektgruppe bei ihrer Arbeit an einer Doline auf der Jurahochfläche zwischen Seidmar und Hetzelsdorf zuzuschauen. Alfons Baier vom Lehrstuhl für angewandte Geologie der Universität Erlangen-Nürnberg leitet die Forschungsarbeiten der Gruppe von sieben Studenten.
Die Doline soll Teil eines Dolinenweges rund um Seidmar werden, der nach bisherigem Stand vier Dolinen zwischen Seidmar, Hetzelsdorf und Haidhof einschließt. Initiator des interessanten Projektes ist Helmut Pfefferle, Vorstand des Tourismusvereins "Rund ums Walberla". Es wurde in die lokale Entwicklungsstrategie für die Leader-Förderperiode 2014 bis 2020 im Rahmen der Förderung des ländlichen Raumes aufgenommen und bedeutet eine Erweiterung des "Kulturwanderweges Fränkische Schweiz".


Gehemnisvolle Geländemulden

Die Karsthochfläche des Jura ist gebietsweise von
Lösungstrichtern, den Dolinen, übersät. Dolinen sind flache, trichterförmige Geländemulden mit unterirdischem Abfluss. Ihr Durchmesser reicht von wenigen Metern bis zu einigen Hektometern und entsprechender Tiefe. Übergänge gibt es zu den steilwandigen Karstschloten ("Jamas").
Jetzt steht die Forschergruppe vor einer mächtigen Vertiefung am "Wiesenweg" in der Hetzelsdorfer Flur, die von Wanderern meist gar nicht wahrgenommen wird und teilweise durch Hecken und Bäume verdeckt ist. Baier erläutert, dass Dolinen häufig zusammengebrochene Höhlen seien. Zur Bildung müssten große Kalkmengen durch Niederschlagswasser gelöst werden. Das setzt voraus, dass sie ein großes Einzugsgebiet an Oberflächenwasser haben.
Der Karst besitzt nur eine geringe Reinigungskraft und lässt durch seine poröse Struktur das Wasser schnell in das Grund- und ins Quellwasser gelangen. Es fehlt, im Gegensatz zu anderen Regionen, die Filterfunktion einer Kies- oder Sandschicht. Insofern zeigt sich das Gebiet besonders sensibel gegenüber Verschmutzung, Überdüngung der benachbarten Felder oder Ausbringen von Gülle zur falschen Zeit.


Die Quellen schützen

Noch extremer stellt sich die Situation dar, wenn solche Ver tiefungen zur Ablagerung von Problemmüll benutzt werden, der sich im Wasser löst. "Die Schadstoffe kann man nicht sehen oder riechen, aber sie sind mitunter im Wasser enthalten und gesundheitsgefährdend", erläutert Baier. Deshalb ist es für das Team auch interessant, Quellen in der Nähe auf ihre Qualität hin zu untersuchen und mögliche Auswirkungen zu analysieren.
Bei einer ersten Wasserprobe zeigte sich Baier aber sehr zufrieden mit der Wasserqualität. "Dieses Gebiet ist wie ein weißer Fleck und für uns etwas ganz Neues", sagt der Experte. Etwa 50 Prozent der Niederschläge gelangen durch den Karst in das Grundwasser und bilden so auch gewaltige Wasserreserven. Damit werden heute ganze Städte versorgt.
Der Vorgang ist wasserwirtschaftlich sehr interessant. Unterdessen steigen die Studenten in die Tiefe der Doline hinab. Einer von ihnen, Tobias Winhart, gräbt mit einem Handspaten an einem schmalen Höhleneingang. Gerne möchten die Forscher mehr erfahren über das Entwässerungssystem und die Beschaffenheit im Erdinneren.


Riesige unterirdische Krater

Mit einer Kamera machen sie Aufnahmen, ein Begehen ist nicht möglich. Die Tiefen der Erde behalten hier ihre Geheimnisse für sich. Dahinter könnten sich mehrere Höhlen anschließen. An anderen Orten auf dem Jura versinkt schon einmal ein Haus wegen des porösen Karstes oder die Autobahn sackt plötzlich ab, wie an der Autobahn 9 geschehen.
Die Trägerschaft für das Dolinenprojekt liegt beim Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. Es gibt viel zu tun: Dolinen müssen entbuscht beziehungsweise freigelegt, Verunreinigungen der Trichtersohle müssen entfernt werden. Tafeln, die aufgestellt werden sollen, werden viel erzählen über ein relativ unbekanntes, aber faszinierendes Thema.
Begehungen sind nicht vorgesehen, denn die geheimnisvolle Unterwelt soll geschützt bleiben.
Touristen erhalten über Routen wie den Wanderweg "Kulturerlebnis Fränkische Schweiz" die Möglichkeit der Besichtigung. Einheimische und Gäste lernen auf diese Weise die Schönheit und Vielfalt der Hochfläche des Jura näher kennen.

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