Kommt ihr bitte alle mal - Scotty Show!" 17 Uhr, und der Chef ruft wie jeden Tag, der sich dem Ende neigt, seine Kollegen zum Beamer. Jetzt ist "interne Blattabnahme": Alle Mitglieder der Forchheimer Redaktion versammeln sich vor der weißen Wand, der Videoprojektor wird angeschaltet und wirft das Bild der FT-Seiten für den morgigen Tag in den Raum. Dann wird die gesamte Arbeit des Tages gemeinsam bis zur letzten Seite des Sportteils, durchgegangen. Auch ich durfte während meines neunwöchigen Praktikums dabei sein und meine Meinung äußern. Ich weiß jetzt: Bis die Seiten bereit sind für die Beurteilung, ist eine Menge passiert.

Kaffee und etwas Süßes


Es ist früh, kurz nach 9 Uhr. "Guten Morgen!" Wer in die Redaktion kommt, beginnt den Tag mit einer Begrüßung an alle oder die wenigen, die um diese Zeit bereits an ihrem Platz sitzen. Das sind immer die fleißigen Helferinnen in jeder Lage: die zwei Sekretärinnen Regina Wölker und Sabine Weidinger. Kaffee und manchmal etwas Süßes haben die zwei bereits für die anderen auf den Tisch hingestellt. Und links in seinem "Kämmerchen" sitzt bereits der Chef, Michael Memmel, hinter dem Bildschirm. Natürlich auch von ihm gibt es ein freundliches Nicken.
Dann setze ich mich an meinen Platz - zuletzt ganz hinten in der Mitte. Während meiner neun Wochen wechselte ich öfters den Arbeitsplatz. Der Grund: Zeitweilig waren wir drei Praktikanten, und ich als Dritte im Bunde bin erst dazugestoßen, als die festen Praktikantenplätze schon vergeben waren. Also bekam ich immer den Platz, wo ein Kollege gerade im Urlaub oder krank war. Das hatte auch Vorteile: Ich konnte jeden genau bei seiner Arbeit beobachten und ich kam mit allen Kollegen mal länger ins Gespräch und lernte sie so besser kennen. Ja, in der Forchheimer Redaktion darf man auch während der Arbeit reden. Ich habe schon andere Teams kennengelernt, da sitzt jeder für sich allein, stur und ohne Mucks am PC und arbeitet einfach seine Texte ab. Doch hier ist zwischen dem Arbeiten auch mal Luft für eine kleine Anekdote, was für entspannte Stimmung sorgt.

Kritischer Blick aufs Blatt


Nachdem alle eingetrudelt sind, geht's um halb 10 in den Besprechungsraum. Dort macht immer abwechselnd ein Mitarbeiter die sogenannte "Blattkritik". Der Auserwählte stellt die aktuelle Forchheimer FT-Ausgabe vor und gibt zu Themen, Titel und Bildern seine Meinung ab. Die anderen hören zu oder kommentieren ebenfalls. Danach wird auch ein Blick auf die Konkurrenz geworfen.
Wenn der Chef am Ende die neuen Themen verteilt hat, begibt sich jeder zurück an seinen Platz. Einer schnappt sich Fotoapparat und Autoschlüssel, um gleich zu seinem Termin zu düsen, und in der Redaktion beginnt das Tastaturkonzert. Dazwischen klingelt immer wieder das Telefon oder der Geräuschpegel wird aufgelockert durch Witze und Fußballergebnisse des gestrigen Tages. Kleine Sticheleien zwischen Nürnberger, Fürther und Stuttgarter Fans sind erlaubt.
Mittagspause: Wenn die Zeit passt, holt man sich etwas zu essen oder die Praktikanten dürfen mit "den Großen" zusammen zum Fischladen, ins Wirtshaus oder zum Tapas essen. Auch hier lerne ich meine Kollegen besser kennen, von starrer Hierarchie keine Spur. Vielmehr interessieren sich alle ehrlich für das Leben der Praktikanten, egal ob für die gesunde Ernährung der Jugend oder die neue Haarfarbe. Da kommt Familiengefühl auf.
Auch am Arbeitsplatz bemühen sich alle um uns Jungspunde. Manchmal traue ich mich gar nicht die konzentrierten Kollegen mit meinen banalen Fehlern zu stören, nur weil ich mal wieder irgendetwas mit dem Computersystem nicht verstehe. Wenn ich mich aber vorsichtig an mein "Opfer" herangetastet habe, springt dieses sofort hilfsbereit auf, um mir zu helfen.

Die Tür schließen!


"Willst du Schokolade?" Mit einem Lächeln steht die Sekretärin vor einem und bietet mir und den anderen die rettende Nervennahrung an. Nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Leser, die anrufen oder den direkten Weg in die Redaktion nehmen, haben die beiden Frauen ein offenes Ohr. Deshalb von dieser Stelle an die anderen Kollegen: Verärgert sie nicht und macht doch mal die Tür zu, wenn ihr den Raum verlasst!
Wenn ich der Meinung bin, mein Text ist fertig, schiebe ich mit einem bittenden Grinsen meinen Stuhl zum Schreibtisch meines Betreuers Ekkehard Roepert (oben links im Bild). Dann gehen wir den Artikel gemeinsam durch, wenn mein "Mentor" wenigstens einmal über meine viel zu weit hergeholten Metaphern lacht, bin ich zufrieden.
Dann ist auch schon 17 Uhr: "Scotty-Show": "Hm, ich finde, dass die Überschrift nicht so gut zum Bild passt. Was meint ihr?" Jeder darf seine Meinung und Verbesserungsvorschläge abgeben - oder Witzeleien.
Gerade zum Abschluss wird viel gelacht - der Stress verschwindet, das Tagwerk ist vollbracht.