Forchheim

Haussegen hängt erneut schief

Am Dienstag soll der Planungsausschuss entscheiden, ob das Kolpingshaus eine Kulturhalle wird.
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Bis zum 19. Juni will der Kolping-Verein wissen, ob die Räume am Kolpingsplatz in den nächsten Jahren vermietet werden können. Oder ob die Stadt am Kolpingsplatz nun doch eine Kulturhalle baut.  Foto: Ekkehard Roepert
Bis zum 19. Juni will der Kolping-Verein wissen, ob die Räume am Kolpingsplatz in den nächsten Jahren vermietet werden können. Oder ob die Stadt am Kolpingsplatz nun doch eine Kulturhalle baut. Foto: Ekkehard Roepert
Kulturzentrum Kolpingshaus ja oder nein? Diese Frage sollen die Stadträte am Dienstag im Planungsausschuss beantworten. Die Tagesordnung zumindest sieht vor, aufgrund des Wertgutachtens und der Wirtschaftlichkeitsanalyse über die Zukunft des Gebäudes zu entscheiden. Doch ähnlich wie zuletzt beim Thema Sanierung des Rathauses hängt erneut der Haussegen schief.
Die Stadträte fühlen sich nicht ausreichend informiert und werfen Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) auch bei diesem Projekt vor, ein wichtiges Thema zu verschleppen. Über die Zukunft des Kolpingshauses habe "längere Zeit keine Kommunikation stattgefunden", moniert FW-Stadtrat Manfred Hümmer. "Dadurch hängen auch die Mieter in der Luft."

Der Kolpingshaus-Bauverein hat nun der Stadt die Pistole auf die Brust gesetzt: Herbert Wolfrum, der Vorsitzende des Vereins, will von der Stadt bis zum 19. Juni wissen, ob sie am Kolpingsplatz weiterplant. Denn bis Ende Juni müsse entschieden werden, ob der Mietvertrag mit der Tanzschule im Kolpingshaus verlängert wird oder nicht. Er wünsche sich Klarheit, sagte Wolfrum am Montag.
Im Planungsausschuss dürfte er sie kaum bekommen. "Das Thema ist nicht beschlussreif", stellt Annette Prechtel fest. Die Fraktionssprecherin der Grünen wehrt sich dagegen, dass Kirschstein mehrere Großbaustellen (Kolpingshaus, Rathaus, Isek) miteinander verknüpft. "Da wird ein Gesamtpaket konstruiert und zugleich Zeitdruck aufgebaut. Das Verfahren wird weder den Stadträten gerecht, noch den Bürgern, die ja auch noch beteiligt werden müssen. Wir stolpern von einem Desaster ins andere." Es sei hohe Zeit, die Fraktionen zusammen zu holen, "um die Themen zu klären, die Forchheim für die nächsten 50 Jahre prägen", sagt Prechtel.
Ungeklärt ist aus Sicht der Kolping-Familie die Höhe eines möglichen Erbbauzinses. Daher wundert sich Herbert Wolfrum über die Zahlen, die in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung auftauchen. Dort heißt es: Der Verein habe für das Haus samt Jugendheim einen jährlichen Erbbauzins von 88 400 Euro gefordert. "Das ist falsch", sagt Wolfrum, "Wir haben gar keine Forderungen gestellt. Es wurde überhaupt nicht verhandelt." Oberbürgermeister Uwe Kirschstein hält dagegen: Ursprünglich sei die Wirtschaftlichkeitsanalyse von einem Zins von 13 800 Euro ausgegangen. Doch das Wertgutachten habe eine viel höhere Wirtschaftlichkeit errechnet. Die Zins-Zahl von 88 400 Euro stamme aus dem Gutachten; bei einer Sitzung am 27. März hätten die Verantwortlichen des Kolpingshaus-Bauvereins diese Zahl zustimmend zur Kenntnis genommen.

Herbert Wolfrum weist das von sich: "88 400 Euro sind eine Utopie. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und müssen reinvestieren." Bei so hohen Einnahmen würde womöglich das Finanzamt die Gemeinnützigkeit des Vereines in Frage stellen. "Über 34 000 Euro dagegen können wir reden."

Weil das Kolpingshaus, wie OB Kirschstein sagt, "sehr gute Zahlen erwirtschaftet", sei es sinnvoll, das Haus weiterzuführen. Er wünscht sich daher, dass sich die Politik von dem Projekt Kulturhalle am Kolpingsplatz verabschiedet und einen neuen Standort sucht. "Dabei ist der ehemalige Krankenhaus-Garten nur eine Idee. Doch leider diskutieren wir nicht darüber, stattdessen schreiben wir Pressemitteilungen", sagt Kirschstein.
Trotz der "Fehlinformationen", die Kirschstein nach Einschätzung von Udo Schönfelder in Umlauf gebracht hat, setzt der CSU-Rat darauf, dass die Kulturhalle am Kolpingsplatz doch noch realisiert wird. "Der eigentlich relevante Betrag für den Erbbauzins liegt bei 30 000 bis 40 000 Euro", schätzt Schönfelder. "Es kann nicht sein, dass durch die Verwaltung ein Anspruchsdenken des Kolping-Vereins in den Raum gestellt wird, das so nicht stimmt", kritisiert der CSU-Fraktionsvorsitzende. Und fordert, dass die Stadt nun endlich mit dem Verein verhandelt. "Die Fraktionen hätten ja schon präventiv Gespräche geführt."


Humbug und No-Go

Udo Schönfelder möchte endlich in den Realisierungswettbewerb eintreten. Doch unabhängig davon, ob das gelinge - keinesfalls dürfe es eine Stadthalle im ehemaligen Krankenhausgarten geben: "Das verbaut man sich den Blick. Und die Infrastruktur passt nicht, das ist völliger Humbug."
Ein No-Go sei dieser Standort, sagt auch Manfred Hümmer. Gleichzeitig erinnert er daran, dass die Freien Wähler zur Kulturhalle Kolpingshaus seit langem einen klaren Standpunkt vertreten. Das Betreiber-Konzept sei unzureichend, die Sichtachsen bei 800 Sitzplätzen seien zum Teil verstellt. "So viele Sachen sind ungeklärt." Wenn der Standort Kolpingsplatz vom Tisch sei, werde er einen neuen Standort für eine Stadthalle ins Gespräch bringen, kündigt Hümmer an.

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