Es ging um Erinnerungskultur, um Recht und Vertrauen und um die Frage der Ehre. Selten verlief eine Stadtratssitzung so aufgewühlt, wie bei der Entscheidung darüber, ob die Familie Stumpf auf dem ehemaligen Synagogengrundstück bauen darf oder nicht. Der Oberbürgermeister als Betroffener mußte den Saal verlassen. So blieb Franz Stumpf eine Diskussion erspart, die teils Tiefgang hatte aber bisweilen auch in die Untiefen persönlicher Anfeindungen abtrifftete.
Am Ende rang sich eine große Mehrheit von 25 gegen zehn Stimmen zu der Verwaltungs-Formulierung durch, dass der Stadtrat "eine adäquate bauliche Nutzung in Aussicht stellt". Die Die Familie Stumpf darf also bauen. Die Stadt halte sich bei der Genehmigung dieser Bauvoranfrage aber alle Wege offen, wie das Grundstück ansonsten gestaltet werde, hatte Bürgermeister Franz Streit zuvor um Vertrauen geworben. Die baurechtliche Seite sei die eine, der gesellschaftliche Auftrag zur Erinnerung die andere, gab Annette Prechtel von den Grünen zu Bedenken. Hier ein Haus zu errichten wäre kulturlos. "Hier wurde eine Lücke gesprengt, diese Lücke muss erlebbar bleiben - insbesondere für Schulklassen", betonte Prechtel. Franz Streit erinnerte: "Es besteht ein Rechtsanspruch auf eine baurechtliche Genehmigung - darüber kann man sich nicht hinwegsetzen. Reinhold Otzelberger (SPD) warnte vor einer leichtfertigen Entscheidung. Der im Juli gefasste Beschluss des Bauausschusses (der hatte die Bauvoranfrage genehmigt) müsse aufgehoben werden, um dann in eine angemessene Diskussion einzutreten. "Eine gute Lösung braucht Zeit".
Man könne über vieles reden, nur nicht über ein Bauverbot, betonte Sebastian Platzek (FDP). Eines stehe fest: "Man hat hier ein Grundstück, das bebaut werden darf". Platzek, der Anwalt ist, warnte: "Man kann nicht einen rechtmäßigen Beschluss gegen einen rechtswidrigen austauschen." Was die Details der Bebauung betreffe, könne man ja durch aus mit dem Antragsteller reden.

"Tiefbraune Vergangenheit"


Manfred Hümmer (FW) appellierte an die Ehre Stumpfs. Dieser sei nicht nur Antragsteller sondern auch Dienstherr der Stadt - und habe die Verantwortung, wie Forchheim mit seiner "tiefbraunen Vergangenheit" umgehe, betonte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler . Auch Hümmer forderte eine Beschlussaufhebung und Neudiskussion. CSU-Fraktionsführer Udo Schönfelder hingegen erklärte, dass einer Bebauung nichts im Wege stehe und unterfütterte dies mit einer diesbezüglichen Stellungnahme der Israelitischen Kultusgemeinde. Annette Prechtel von den Grünen hingegen meinte: "Wir brauchen die Instanz der Israelitischen Kultusgemeinde nicht" und fragte: "Müßten wir's nicht selber besser wissen?"
Ulrich Schürr (Junge Bürger) stellte klar, dass ein würdiges Gedenken unumstößlich sei. Über eine adäquate Nutzung könne man aber mit dem Eigentümer reden. Eduard Nöth (CSU) bat darum dem Oberbürgermeister zu vertrauen. Sein Fraktionskollege Hans Werner Eisen fand dazu ein bemerkenswertes Abschlusswort aus der Bergpredigt: "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen" (Matthäus Evangelium, Kapitel 7) .