Gräfenberg
Beschluss

Gräfenberg übernimmt wieder das Hallenbad

Der Gräfenberger Stadtrat weigert sich, die Defizite des Hallenbads zu übernehmen.
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"Das Wasser ist einwandfrei", sagt Bürgermeister Nekolla zum Gräfenberger Hallenbad.  Foto: Petra Malbrich
"Das Wasser ist einwandfrei", sagt Bürgermeister Nekolla zum Gräfenberger Hallenbad. Foto: Petra Malbrich
Ein einziger Satz genügte, um die Nachricht zu kommunizieren: Die Stadt Gräfenberg übernimmt wieder das Hallenbad. Überrascht war davon Mirko Helbig, der Betreiber des Hallenbads. Denn das geplante Gespräch, in dem die Entscheidung eigentlich fallen sollte, hat noch nicht stattgefunden. Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) und der Gräfenberger Stadtrat hatten Helbig aber auch so verstanden: Entweder die Stadt übernimmt das Defizit aus dem öffentlichen Badebetrieb oder der Betreiber gibt das Hallenbad auf.


Neun Euro pro Stunde

Der Stadtrat aber lehnte es ab, das Defizit zu übernehmen. Helbig wollte dann mit seinem Personal noch einmal reden und sich beim Bürgermeister melden. Das hatte er bis zur jüngsten Sitzung des Stadtrats allerdings noch nicht getan. Der Haushalt musste aber aufgestellt werden und in diesem Zusammenhang auch die Zukunft des Hallenbads einkalkuliert werden.

Derzeit wird das Hallenbad von Mirko Helbig betrieben. Die einzige Bedingung von der Stadt an die privaten Betreiber war, neben dem Schulschwimmen, das täglich von 8 Uhr bis 13 Uhr dort stattfindet, auch wöchentlich zwei Mal öffentliche Badezeit zu gewährleisten. Insgesamt ging es dabei um neun Stunden. "Ein Badegast im öffentlichen Betrieb verursacht Kosten in Höhe von acht Euro. Ich müsste dann neun Euro pro Stunde verlangen, doch dann kommt niemand mehr", sagt Helbig.

Den Stadtrat bat er daraufhin, das entsprechende Defizit zu tragen. Bislang hat er das Defizit durch die eigenen Kurse ausgeglichen. Für diese Kurse zahlt jeder Teilnehmer aber zwischen 11 Euro und 13 Euro pro Stunde.
Das Bad hätte Helbig weiter betreiben, wenn er die öffentlichen Badestunden nicht mehr anbieten müsste oder die Stadt das dabei auflaufende Defizit übernommen würde. Beides lehnte der Stadtrat ab. Das Vertrauen fehle, so fasste Bürgermeister Nekolla die Stimmung zusammen. Im vergangenen August, kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, war Helbig schon einmal auf die Stadt zugegangen zu.

Er hatte die Kosten für das Schulschwimmen um 40 Prozent erhöht. Er sicherte auch zu, den von beiden Seiten erarbeiteten Erbpachtvertrag für das Bad und die Turnhalle zu unterzeichnen. Der Vertragsabschluss kam aber nie zustande. Nun versprach Helbig laut Nekolla der Stadt, den Vertrag zu unterschreiben, wenn das Defizit für die öffentlichen Badestunden übernommen werden.


Fader Beigeschmack

Das Vertrauen der Stadt in Helbig aber war aufgebraucht. Aber auch Helbig war nicht immer glücklich mit dem Verhalten zurück. Dass er als Schwimmbadbauer bei der Vergabe der Freibadsanierung vergessen wurde, hinterließ bei ihm auch einen faden Beigeschmack.

Wenn die Stadt nun wieder das Hallenbad übernehmen will,muss sie eine Ablöse an Helbig bezahlen. 63 000 Euro wurden für die Schwimmhalle in den Haushalt eingeplant. Dem stehen 30 000 Euro Einnahmen aus dem Schulschwimmen gegenüber. "Als ich das bereits geschlossene, defizitäre Bad übernommen habe, musste ich viel Geld für die Renovierung reinstecken", sagt Helbig. Kosten im Wert eines Zweifamilienhauses seien da aufgelaufen.

Für ihn, der seine Brötchen mit dem Bau von Schwimmbädern verdient, sei das machbar gewesen. Richtig viel Geld kostete aber die Schwimmbad- und Lüftungstechnik, die sich für den Badegast nicht sichtbar im Technikraum im Keller befinden. "Von Montag bis Sonntag muss von 8 Uhr bis 21 Uhr jede Stunde 78 Euro erwirtschaftet werden, um die Unkosten zu decken", sagt Helbig.

Er will nicht verheimlichen, dass seiner Ansicht nach weitere drastische Sanierungsmaßnahmen notwendig seien, um das Bad in einen technisch sicheren Zustand zu bringen. So müsse das Becken neu ausgefugt werden, da sich jede Woche Kinder die Füße aufschneiden. "Das Wasser ist jedenfalls einwandfrei", sagte Nekolla.
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