Den linken Arm hoch erhoben als Zeichen zum neuen Einsatz - diese Geste kennen die Musiker des großen Orchesters der Otto-Friedrich-Universität seit langem an ihrem Leiter Michael Goldbach. Und sie achten gewissenhaft auf seine Körpersprache.
Einem Dirigenten schauen die Musiker normalerweise auf die Hände. Denn sie sind sein Werkzeug, um einen Klangkörper zu steuern. Anders bei Goldbach. Bei ihm darf man selbst die Füße nicht aus dem Blick lassen. Zumindest wenn es um Walzer geht. Mit einem zierlichen Wechselschritt wippt er zum Einsatz, als Dvoraks Prager Walzer erklingt. Mit viel Temperament und viel Herzblut wird er gespielt, wie man unschwer der Konzertmeisterin Susanne Rödel ansieht.
Scheinbar gegen seine Gewohnheit hat der Universitätsmusikdirektor ein ganz leichtfüßiges Programm zusammengestellt. Wohlwissend, dass gerade die leichte Muse nicht leicht zu interpretieren ist. Ein bunter Strauß zur Landesgartenschau hieß denn auch seine "Aufgabe", die er und sein Ensemble in der Titelvariation "ein Strauß zum Annafest" auch den Forchheimern boten. Mit Bravour.
Doch statt wie gedacht unter freiem Himmel im Pfalzhof im Saal. Eine Absprache mit dem Wettergott, so vermutete Astrid Haas von der Gesellschaft zur Förderung von Kultur in Forchheim, habe Goldbach getroffen, um bei seinem letzten Konzert nochmals im von ihm so geschätzten Kolpingsaal auftreten zu können.
Dafür brachten die jungen Musiker aber viel Sonnenschein und Heiterkeit mit. Ihr Quäntchen, nein, eindeutig ein großes Quantum, trägt dazu auch die Schauspielerin Meike Hess bei. Vom leicht marktschreierischen Ankündigungston wechselt sie in ein urtümlich übertriebenes Fränkisch. Und animiert dabei zum Beispiel die Herren, doch die Damen zur "Annenbolgga" aufzufordern.

Ein Hoch aufs Fränkische


Das rotweiße Rechen-Gefühl pflegt sie mit Hingabe und zur Erheiterung des Publikums. Vor allem dann, wenn sie leicht haarsträubende Verbindungen zwischen dem dargebotenen Stück und der fränkischen Identität herbeizaubert.
Leicht war das beim ersten Programmpunkt. Bei dem zwei Bamberger Studenten, Philipp Schäffner und Johannes Ebert, auf Barocktrompeten den Venezianer Vivaldi interpretierten. Nürnberg war zu seiner Zeit eine Hochburg des Blasinstrumentenbaus.
Für Brahms ungarische Tänze bemühte sie den Bamberger Reiter, der, so wirf gemutmaßt, wahrscheinlich den ungarischen König Stephan darstellt. Mindestens mit einem Lächeln auf den Lippen ließen sich Dirigent, Musiker und die Zuschauer in das Spanien Bizets entführen, hatte doch Hess kess behauptet: "In jeder Fränkin steckt eine Carmen, wenn auch manchmal recht versteckt."
Bei einem Ensemble, das an der Strenge von Oratorien geschult ist, hätte man die Begeisterung für so manchen musikalischen Gassenhauer - bitte im ehrenden Sinn - so nicht erwartet. So wenig wie von einem Heavy-Metaler eine schmeichelnd klangschöne Komposition mit dem Titel "Hortus Magicus". Der junge Mann heißt Armin Haas und ist einer von Goldbachs Schülern.