Forchheim
Rätsel

Fund aus dem Kreis Forchheim: "Es ist ein Menschenaffen-Fossil"

Der Forchheimer Hans Kuntze ist überzeugt, in Großenohe einen Fund aus dem Oligozän-Zeitalter gemacht zu haben. Das könnte eine Sensation sein.
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Der Forchheimer Hans Kuntze ist überzeugt, dass sein Fossil-Fund aus Großenohe einen Menschenaffen zeigt. Als Beleg dienen dem 84-Jährigen vor allem die Zahnspuren (links unten). Foto: Barbara Herbst
Der Forchheimer Hans Kuntze ist überzeugt, dass sein Fossil-Fund aus Großenohe einen Menschenaffen zeigt. Als Beleg dienen dem 84-Jährigen vor allem die Zahnspuren (links unten). Foto: Barbara Herbst
Zahllose archäologische und fossile Funde hat Hans Kuntze in den vergangenen 50 Jahren studiert. Doch selten hat ihn ein Objekt so elektrisiert, wie jener Stein, den er vor wenigen Tagen bei den Drei Zinnen in Großenohe (Gemeinde Hiltpoltstein) entdeckte.

Der 84-jährige Oberschlesier, der seinen Lebensabend in Forchheim verbringt, hat über die Hälfte seines Lebens der Paläontologie und der Archäologie gewidmet. Diese Leidenschaft entwickelte er in den 60er Jahren, als sich Kuntze beruflich als Ingenieur für Farben und Lacke in Persien aufhielt.

Dort begann der "paläontologische Autodidakt" (wie er sich selbst nennt) zu forschen und zu sammeln. Er engagierte sich fortan in Fossilienvereinen, hielt Vorträge und veröffentlichte das Buch "Unbekannte Funde der Vorzeit", in dem er seine "Forschungsberichte über älteste Kunst auf Steinen und Ton" vorlegte.

Was Hans Kuntze am 28. März bei seinem Spaziergang in Großenohe entdeckte, ist für ihn "eine Sensation". Ihm stach ein Stein ins Auge, den jemand zum Bau einer Feuerstelle verwendet hatte. Vor allem die Zahnspuren in dem 10 mal 16 Zentimeter großen Stein ließen den 84-Jährigen aufmerken. "Es ist ein Menschenaffen-Fossil. Diese Art lebte im Oligozän vor 30 bis 40 Millionen Jahren", so sein Befund, nachdem er den Stein gereinigt und näher examiniert hatte.

Hätte der Forchheimer Finder Recht, "dann wäre das tatsächlich eine Sensation", sagt die Paläontologin Gertrud Rößner, "denn dann wäre der erste Menschenaffe in Europa gefunden worden" (bislang gilt Afrika als ältester Fundort). Doch die Konservatorin für fossile Säugetier in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, ist weit entfernt, die Einschätzung aus Forchheim zu teilen.

Zum einen, weil sie ja nur ein Foto und nicht das Fossil selbst gesehen habe, sagt Gertrud Rößner. Außerdem genüge die Anspielung von Hans Kuntze auf die Zahnmorphologie keineswegs als Beweis für seine These: Um sie zu bestätigen, müssten die Zahn-Abdrücke "sehr sehr gut sein", sagt die Wissenschaftlerin aus München. "Und man müsste Ausgüsse herstellen und sie mit bestehenden Funden vergleichen."


Wagemutige Idee

Hans Kuntze dagegen zweifelt nicht daran, dass das, was sich auf dem Stein abbildet, "ein menschliches Gebiss ist". Und er ist sich auch sicher, "von der Gebissformel auf die Zeit schließen" zu können. In der Vergangenheit habe er wiederholt Auseinandersetzungen mit Wissenschaftlern gehabt, die seine Erkenntnisse nicht geteilt hätten, bedauert der 84-Jährige. "Funde zeigen immer wieder eine Wahrheit, die geistig bei uns nicht vorhanden ist." Zudem sei die "Meinungsmacht der Wissenschaftler" oft einfach zu groß, um bestimmte Einsichten zuzulassen. Gertrud Rößner dagegen betont, dass Wissenschaftler offen sein müssten - "auch für wagemutige Ideen". Andererseits sei Vorsicht geboten. Gerade der Wunsch, etwas Seltenes zu finden , verführe erfahrungsgemäß immer wieder dazu, "dass zu schnell Schlüsse gezogen werden". Fossile seien "Launen der Natur, die unter besonderen Bedingungen entstehen", gibt die Paläontologin zu bedenken. Aber um einen Fund wie den aus dem Landkreis Forchheim einordnen zu können, müsste er von einem Primaten-Spezialist untersucht werden, sagt Rößner.

Hätte der Forchheimer Privatsammler tatsächlich ein Menschenaffenfossil aus dem Oligozän aufgespürt, "dann würde dadurch das gesamte Bild über die Menschenaffen und wie sie sich verbreitet haben, umgeworfen." Gertrud Rößner hebt die "Bedeutung von Privatsammlern" hervor: "Sie erfüllen einen wichtigen Job. Und jedes neue Fossil kann unsere Sichtweise verändern. Doch dafür muss man sehr genaue Daten liefern, etwa über das Bodenprofil, aus dem das Fossil stammt. Ansonsten ist die Fossilbestimmung nutzlos."

Ob Hans Kuntze bereit ist, das Fossil weiter zu erforschen, ist unwahrscheinlich. Zu oft schon in seinem Leben habe er Wissenschaftlern Fossilien angeboten - "alle haben abgesagt". Er verspüre kein Bedürfnis, Recht zu haben, sagt Kuntze: "Ich habe die Natur genommen, wie sie ist. Ich habe das Stück nicht geformt, ich stelle es zur Diskussion. Ich bin wunschlos - im Gegensatz zur Wissenschaft."

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