Forchheim
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Für Forchheimer wird Europa- zur Ersatzteil-Tour

Mit zwei Micras sind Andi Fießer aus Forchheim und seine Mitstreiter Martin Hagenberg, Thomas Wagner und Patrick Werner nach Kapstadt unterwegs. Am 2. Januar sind sie in Forchheim gestartet, nach acht Wochen wollen sie mit ihrer "Tapetour" am Ziel in Südafrika sein. Regelmäßig berichtet die Crew hier über ihre Erlebnisse.
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Crew-Mitglied Martin Hagenberg ist im Grand Basar in Istanbul bei einem Händler auf Ersatzteilsuche. Fotos: privat
Crew-Mitglied Martin Hagenberg ist im Grand Basar in Istanbul bei einem Händler auf Ersatzteilsuche. Fotos: privat
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Andi Fießer aus Forchheim, Martin Hagenberg, Thomas Wagner und Patrick Werner sind seit 2. Januar nach Kapstadt unterwegs. Die Weltenbummler wollen den Menschen in fernen Ländern auf Augenhöhe begegnen.

4. Januar

"Es ist ein bisschen seltsam zu sehen: Deutsche in so eine uralte Auto ...”, das war Begrüßung eines serbischen Mautbeamten. Bis dahin war es ein langer Tag. Er begann in München am 3. Januar um 8.30 Uhr und endete am 4. Januar gegen Abend in Thessaloniki. Wollten wir nicht nach Lavrio und dort auf ein Frachtschiff nach Israel? Ja - aber daraus wurde nichts.
Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien - das geht zwar schnell, doch kommen wir nicht ganz so voran wie gedacht. Unser ursprünglicher geplanter Ausflug zu einem Freund nach Ljubliana wird kurzerhand gestrichen. Stattdessen organisiert Sascha den perfekten Boxenstopp an einem Autobahnparkplatz nahe der Stadt.
Für jedes Auto gibt's eine Tüte Versorgungsgüter: Schokolade, Krapfen, Milch, Kaffee, Obst und so eine Art Zwiebel-Würstchen-Döner. Zwei Kanister Motoröl für den durstigen Micra hat er ebenfalls dabei. Aus den Tiefen unseres Laderaums können wir ihm eine Kiste seines Lieblingsbiers als Dankeschön mitgeben.
In Serbien erwischt uns dann eine Pechsträhne. Die erste größere Reparatur wird fällig. Der weiße Micra wird langsamer und langsamer. Er läuft nur noch auf zweieinhalb bis drei Töpfen und kommt mit dem bergigen Teil Serbiens nicht so gut zurecht.
Also erstmal anhalten. Alle Kontakte werden geprüft, Zündanlage, Zündverteiler, Zündkabel. Kontakte werden zuerst blankgeputzt, dann alle Kabel mit Spray versehen. Doch schon bei der nächsten Steigung muss der Micra erneut kraftlos aufgeben.
Beim nächsten Halt sind die Zündkerzen dran. Um deren Check drückten wir uns beim ersten Halt, da irgendwie der entsprechende Adapter für die Kerzen-Nuss fehlt. Die Tankstelle vor Ort bietet leider keinen Ersatz.
Micra 2 fährt zwischendurch mit zwei Mann los zur nächsten Tanke, um dort nach Ersatzwerkzeug zu schauen. Inzwischen ersetzen Andi und Martin Zündverteilerkappe und Verteilerläufer durch Neuteile. Auch das linke Vorderlicht wird ersetzt: Jenes war verantwortlich für die letzte unplanmäßige Verzögerung, als es den Grund für eine serbische Polizeikontrolle bot.
Zurück kommen Thomas und Patrick mit fast dem richtigen Werkzeug, und dann geht das Gebastele los. Am Ende sind zwei von vier Kerzen draußen - morgens um halb drei in Serbien. Kerze eins - total verkrustet - wird sogleich ersetzt. Wahrscheinlich hat eine undichte Zylinderkopfdichtung zu viel Öl in den Verbrennungsraum gelassen. Eine Ersatzdichtung haben wir dabei, aktuell nur gar keine Zeit, diese zu wechseln. Daher kommen zunächst auf die Einkaufsliste: Kerzennuss-Adapter und -Verlängerung, eine Drahtbürste zum Kerzen reinigen und Motoröl.
Nach erfolgreicher Reparatur geht es endlich wieder auf die Straße. Allerdings fahren wir nun etwas vorsichtiger bzw. langsamer weiter, um den kleinen Weißen etwas zu schonen und den Ölverbrauch in Grenzen zu halten. Unsere Höchstgeschwindigkeit beträgt - zudem leicht überladen und mit Dachaufbauten - nur 90 bis 100 km/h.
Alles in allem brauchen wir viel zu lange. Hinzu kommt die Information, dass wir für unseren Frachter, der laut Reederei "irgendwann am 5. Januar startet”, bereits am 4. da sein müssen - und zwar am besten vormittags. Grund sind Zollformalitäten.
Bald ist klar, dass wir dieses Schiff von Lavrio (Griechenland) nach Haifa (Israel) nicht schaffen werden. So entscheiden wir uns nach unserem 38-Stunden-Tag, in Thessaloniki erst einmal auszuschlafen. Da die gebuchte Route erst in einer Woche wieder befahren wird, soll es danach Richtung Türkei weitergehen, um von dort Fähr-Optionen zu checken. Der Bosporus ruft, Istanbul ist nicht weit.

5. Januar

Kopierer schlägt Konsul: Erfolgreiche Einreise in die Türkei mit kopiertem Fahrzeugschein.

6. Januar

Gestern Nacht gut in Istanbul angekommen. Micras stehen unter den Kameras des Four Season. Jetzt Blaue Moschee, dann Ersatzteilsuche. Im Grand Basar in Istanbul bekommen wir einiges wie Zündkerzen-Werkzeug-Verlängerung, Öldeckel, Drahtbürste. Etwas Sightseeing darf auch sein - besonders genießen wir die Basare und Märkte, auch bei der Suche nach Ersatzteilen. Der Blauen Moschee statten wir auch einen Besuch ab. Außerdem: Recherche nach Fährverbindungen ab Türkei, die uns weiterbringen.


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