Ebermannstadt
Freisprechungsfeier

Freizeitbäuerin als Musterbeispiel für Landwirtschaftsausbildung

"Eine Werbung für die Landwirtschaft" nannte Hans Vetter, Leiter des Prüfungsausschusses" das Ergebnis der diesjährigen Freisprechungsfeier.
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Monika Kohlmann aus Hetzles im Landkreis Forchheim mit ihrem Lieblingsschlepper. Alle Fotos: Franz Galster
Monika Kohlmann aus Hetzles im Landkreis Forchheim mit ihrem Lieblingsschlepper. Alle Fotos: Franz Galster
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Eingeladen hatte das Berufsbildungsamt des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg. Es deckt in den Landkreisen Bamberg, Coburg, Forchheim, Kronach und Lichtenfels die Ausbildung für den westlichen Teil Oberfrankens ab.

63 Prüflinge konnten am Wochenende im Brauerei-Gasthof Sonne in Ebermannstadt ihre Zeugnisse entgegennehmen. Sie haben ihr Ziel entweder im Rahmen der normalen dreijährigen Ausbildung oder über BILA (Bildungsprogramm Landwirtschaft) in einer zweijährigen Abendschule erreicht. "Auch wir brauchen den Wettbewerb um die besten Köpfe, gerade im demographischen Wandel", so Vetter. Beide Wege seien gleichwertig, alle machten die gleiche Prüfung, hatten also den gleichen Gradmesser, betonte er.


Musterbeispiel aus Hetzles


Ein Musterbeispiel für die BILA ist Monika Kohlmann aus Hetzles im Landkreis Forchheim. Der FT besuchte sie im Vorfeld auf dem Anwesen. Mit viel Hingabe und Idealismus arbeitet sie in ihrer "Freizeit" auf dem Nebenerwerbshof ihres Bruders Johannes, den dieser von seinen Eltern in Pacht übernommen hat. Vieles ist ungewöhnlich bei ihr, manches doch so typisch für die Entwicklung in der heutigen Landwirtschaft.

Monika ist im Hauptberuf Bäckerei- und Konditormeisterin. Auf dem elterlichen 20-Hektar-Hof finden sich viele Sonderkulturen: Erdbeeren, Kirschen, Obstbau, Ackerbau und auch Mastviehhaltung. Das geht nur, sagt ihre Mutter Sophie, die zufällig beim Gespräch dazukommt, wenn alle zusammenhelfen. Wirklich mitarbeiten kann aber nur, wer auch die nötige Qualifikation besitzt, beispielsweise beim sensiblen Thema Einsatz von Spritzmitteln.


Grenzenloser Idealismus


Kurz entschlossen, ihre Angehörigen motivierten sie zusätzlich, absolvierte Monika in einer zweijährigen Abendschule das BILA (Bildungsprogramm Landwirtschaft) und erhält dafür jetzt den Gesellenbrief. Was motiviert dazu, wollte der Fränkische Tag bei einem Besuch auf dem Hof wissen. "Draußen zu arbeiten in der freien Natur, dazu der Umgang mit neuester Landtechnik, das können wir Frauen genauso", fügt sie selbstbewusst und ohne Zögern hinzu. Dabei wirft sie einen Blick auf ihren großen Lieblingsschlepper, mit dem sie eben geradezu spielerisch auf den von zahllosen geernteten Kürbissen malerisch umgebenen Hof fuhr.

"Ackern, Grubern, Schlepper fahren, das ist nur ein Teil. Anstrengende Handarbeit gehört auf dem Hof aber auch dazu", weiß Monika. Wenig erscheint normal in ihrem Leben. Ihr Arbeitstag im Hauptberuf erstreckt sich von 2.30 in der Früh bis 12 Uhr mittags. Danach drei bis vier Stunden Schlaf, bevor gegen 16 Uhr die Landwirtschaft an der Reihe ist. Abends dann gewöhnliches Bettgehen und wieder frühes Aufstehen. Man nimmt es ihr gerne ab, dass grenzenloser Idealismus dazu gehört, um so ein Pensum bewältigen zu können.


"Ende gut, alles gut"


Den Prüfungsbericht in Ebermannstadt erläuterte bei der Festveranstaltung Ausbildungsberater Klaus Reininger, er hatte auch die Veranstaltung des Abends organisiert. Voraussetzungen wie ordnungsgemäße Berichte oder die Neugestaltung praktischer Aufgaben waren Bedingung für die Zulassung zur Prüfung. Selbstständiges Handeln stehe im Vordergrund. Der praktische Teil beinhaltete drei Stunden Pflanzenproduktion und drei Stunden Tierhaltung und fand im Juni statt. Die Prüflinge konnten sich samstags zuvor mit dem Prüfungsbetrieb vertraut machen.

Bis zu 32 Prüfern waren auf sechs Betrieben gleichzeitig im Einsatz. Die schriftliche Prüfung fand im Juli statt. Es wurde die Durchschnittsnote von 3,13 erreicht. Reininger zeichnete die besten vier aus. Unter ihnen Marcel Müller (1,39), Grub a. Forst (CO), Christian Böhmer (1,64), Bad Staffelstein (LIF), Sebastian Hornung (1,69), Rattelsdorf (BA) und Sebastian Porzelt (1,69), Itzgrund (CO).

Studiendirektor Klaus Bock von der Berufsschule Coburg erwähnte, dass es letztmals 1981 so viele Absolventen und zwei Klassen gegeben habe. Er überreichte an Dirk Böhmer aus Grundfeld bei Staffelstein den Staatspreis für seinen hervorragenden schulischen Abschluss. Dirk Kreul aus Stockheim bei Kronach sprach für die Auszubildenden und gab dankend einen Abriss über die drei Jahre. Christian Derra, er hat das BiLa als zweiten Beruf durchlaufen, erinnerte an die unerwarteten Konflikte in einem komplizierten und vielseitigen Feld wie der Landwirtschaft. "Ende gut, alles gut" zog schließlich Rudi Steuer, Bezirksvorsitzender des Verbandes landwirtschaftlicher Ausbilder und Meister zufriedene Bilanz und überbrachte die Grüße stellvertretend für Konrad Rosenzweig.

Im Festvortrag gab BBV-Bezirkspräsident und Kreisobmann von Forchheim, Hermann Greif, den Absolventen Tipps für das neue Leben und seine Herausforderungen. Bescheidenheit, Zielstrebigkeit und gute Personalführung waren nur einige der vielen praktischen Aspekte. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse und sorgfältige Entscheidungen seien unabdingbar. Moderne Technik bis hin zum Laptop und PC seien wichtiges Handwerkszeug. "Holt Euch Rat und Unterstützung bei den Ämtern, bringt euch ein in tägliche Entscheidungen und Ehrenämter", so ein weiterer Appell. Zusammen mit Hans Vetter und Klaus Reininger überreichte er die Urkunden an die Absolventen. Nach Coburg, Bamberg und Forchheim wird nächstes Jahr der Landkreis Lichtenfels die Ausrichtung vornehmen.

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