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Tagebuch

Frank Ortloff hat nichts bei dieser WM verpasst

Fünf Wochen war Frank Ortloff in Brasilien: Vom ersten bis zum letzten Spiel der Deutschen, von Sehenswürdigkeit zu Touristenattraktion. Morgen tritt er seine Reise zurück nach Deutschland an.
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Seinen Urenkeln wird er noch von dem legendären 7:1 gegen die Brasilianer berichten können.   Foto: Ortloff
Seinen Urenkeln wird er noch von dem legendären 7:1 gegen die Brasilianer berichten können.   Foto: Ortloff
16. Juli 2014, Rio de Janeiro:
Ein letztes Mal werde ich heute aus Brasilien schreiben. Mit dem Bus ging es morgens zum Corvocado mit seiner berühmten Christusstatue. Da es gestern schon so gut mit dem Laufen funktionierte, startete ich zu per pedis vom Fuß des Berges.

Gleich zu Beginn bin ich die falsche Abzweigung entlang gelaufen, was mir aber schnell beim Anblick der kommenden Gebäude klar wurde... Danach war ich richtig, denn so viele Vans wie dort hoch und runter fuhren, konnte es nur die zielführende Straße sein.

Der Marsch war allerdings mit zwei Stunden wesentlich länger als gestern - und angekommen war ich noch lange nicht. Unterwegs kam ich immer mal wieder an gut bewachten Abzweigungen vorbei, die in die nahe gelegenen Favelas führten.

Irgendwann wurde ich von einem Wachposten aufgehalten und durfte den letzten Kilometer nicht mehr weitergehen.
Schließlich wollte man ja auch Geld verdienen. Umgerechnet zehn Euro kostete das Ticket und die Schlange - hauptsächlich aus Argentiniern - erstreckte sich schon wieder bis ins Unermessliche.

Heute beschloss ich, mich anzustellen, denn das Wahrzeichen Brasiliens sollte man schon gesehen haben. Nach exakt zwei stunden und fünfzig Minuten saß ich endlich im Van - kurz vor Sonnenuntergang. Oben angekommen drängten sich die Massen nur so um einen guten Platz.

Jeder wollte Fotos von sich und der Statue schießen. Das war aber aufgrund der Dichte so gut wie unmöglich. Ich kämpfte mich bis zum schönsten Platz durch und wurde mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Dieser Flecken Erde kann wahrhaft mit dem Panorama damals in Yangzhou (China) mithalten. Leider konnte ich den Moment nicht wirklich genießen, da von hinten immer wieder Ellenbogen im Rücken zu spüren waren.

Eigentlich würde ich sagen, dass sich sogar die drei Stunden Wartezeit gelohnt haben. Aber mit dem Andrang war es nur ein kurzes Vergnügen. Auf dem Rückweg, diesmal fuhr ich mit dem Van bis ganz nach unten, besuchte ich noch ein Restaurant und ging aber zeitnah wieder zurück in mein Apartment.

Das war er also, mein kompletter Tag. Der letzte auf meiner Brasilien-WM-Reise. Morgen in der Früh werde ich noch die Sehenswürdigkeiten der Altstadt in der Nähe meines Appartements ansehen und nachmittags - mit gemischten Gefühlen - die Rückreise antreten.

Sicherlich werden mir die Erlebnisse in Brasilien ewig in Erinnerung bleiben. Und wenn in 40 Jahren am Rentner-Stammtisch über die Weltmeistermannschaft, die mit dem vierten Stern, geschwärmt wird, kann ich mit Recht behaupten, alle Spiele - auch die Schmach Brasiliens - vor Ort im Stadion gesehen zu haben. Als Beweis packe ich dann einfach meine Narbe auf der rechten Brusthälfte aus...
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