Forchheim
Stadtentwicklung

Forchheimer plant paradiesische Altstadt

In Forchheims Altstadt könnte ein lebendiges Wohnquartier entstehen. Doch trotz Fördermittel sehen sich Planer und Politiker mit fast unlösbaren Aufgaben konfrontiert.
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Jahrzehnte wird es wohl dauern, bis aus dem Scheunenviertel ein modernes Wohnquartier geworden ist. Foto: Josef Hofbauer
Jahrzehnte wird es wohl dauern, bis aus dem Scheunenviertel ein modernes Wohnquartier geworden ist. Foto: Josef Hofbauer
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222 Menschen leben hier. Es scheint ein ideales Wohnviertel zu sein, diese Gegend zwischen Wiesent- und Vogelstraße, zwischen Egloffsteinstraße und Hornschuchallee. Doch trotz der "hohen Identifikation der Bewohner mit ihren Häusern", die Architektin Michaela Mesmer registriert hat, steckt das Viertel voller Probleme.
Es gibt ein "Parkraum-Defizit" - und vor allem gibt es eine "Nicht-Freude am Sanieren", sagt die Architektin aus Emskirchen. Die fehlende Aufbruchsstimmung hänge wohl bei vielen Grundstücksbesitzern damit zusammen, dass sie "etwas klamm" seien.

Das ist ein schlechte Ausgangslage, um etwa die kostspielige Verwandlung einer Scheune in ein Wohnhaus zu wagen. Geht es nach den Vorstellungen der Stadtplaner, soll das Potenzial des Scheunenviertels genutzt werden, um ein lebendiges Wohnquartier entstehen zu lassen. Ermöglicht würde das durch Fördermittel aus dem Programm "Soziale Stadt".

Doch die vorbereitenden Untersuchungen, die Michaela Mesmer am Dienstag im Planungsausschuss präsentierte, stießen auf viel Skepsis. "Sehr theoretisch" nannte etwa Manfred Mauser (FBF) den Vorschlag der Architektin, in der Wiesentstraße 24 das "Konglomerat an Baukörpern zu entfernen" und durch einen "einfachen Satteldach-Baukörper mit Carport" zu ersetzen. Um das zu verwirklichen, müsste man verschiedene Grundstücksbesitzer davon überzeugen, ihr Eigentum zu verkaufen. Dass solche Zusammenlegungen von Flächen funktionieren werden, das bezweifelte Manfred Mauser.

Die Planung sei zu stark abhängig von Good-will-Aktionen der Besitzer, meinte auch Manfred Hümmer (FW). Der Wille zu investieren, sei im Scheunenviertel "sehr unterschiedlich ausgeprägt". Daher müssten wohl "Jahrzehnte der Planung" vergehen, bis die "paradiesischen Aussichten" der Planerin verwirklicht werden könnten, kritisierte der FW-Stadtrat.

Die Grünen betonten dagegen ihre Freude an der "Vision" der Architektin: Man müsse "einfach anfangen, egal, wie lange es dauert", sagte Edith Fießer. Und ihre FGL-Mitstreiterin Sabine Dittrich bezeichnete sich als "Fan" dieser von Michaela Mesmer aufgezeigten Entwicklungsmöglichkeit.

Als "Signal für Investoren" wertete Reinhold Otzelberger (SPD) die Planungen. Er warnte davor, jetzt schon einen Bebauungsplan aufzustellen, der "zu viel festschreiben und behindern würde". Für die CSU entdeckte Holger Lehnard zwar den "Traum", der in der Planung des Scheunenviertels steckt; doch er sah zugleich die "unheimlichen Probleme" und forderte intensive Bedenkzeit.

Auch Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) sprach von einer "Riesenaufgabe"; zumal die Überlegungen der Architektin davon ausgingen, dass die Kinder der Eigentümer in diesem Viertel leben wollen: "Doch mit dieser Idee kommen Sie 20 Jahre zu spät, die meisten haben schon wo anders gebaut", bedauerte Stumpf.
Ein Manko entdeckte Josua Flierl (CSU) darin, dass die Scheunen-Besitzer zwar mit Fördermitteln gelockt würden; doch Gespräche mit Eigentümern hätten ihm verdeutlicht, sagte Flierl, dass niemand verlässliche und konkrete Fördersummen kenne. Außerdem, ergänzte Sebastian Körber (FDP), fehle völlig die Antwort auf entscheidende Fragen: "Wer will hier wohnen? Lohnt sich das?"

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