Forchheim

Forchheimer Hausmeister bewirft seine Frau mit Gegenständen

Das Amtsgericht verurteilt den Mann zu einer Geldstrafe. Seine Frau lebt inzwischen getrennt von ihm.
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Symbolbild Foto: Hoch
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Mit anspielungsreichen Worten hat Christine Leuker, die Vertreterin der Nebenklage, die Angelegenheit die Angelegenheit vor dem Forchheimer Amtsgericht zusammengefasst: "Wir sehen hier die Szenen einer Ehe." Sie meinte damit aber nicht etwa das Werk von Ingmar Bergman und vielleicht hätte sie auch besser von den "Scherben einer Ehe" sprechen sollen.
Dabei erweckte die Anklageschrift zunächst den Eindruck, dass es sich bei der gefährlichen Körperverletzung eher um einen einmaligen Ausrutscher handelt, der eigentlich noch reparierbar sein könnte. Doch spätestens mit dem Auftritt der geschundenen Ehefrau wurde klar, dass sie einen langen Leidensweg hinter sich hatte.
Natürlich sympathisierten die Prozessbeobachter sofort mit der Frau. Allerdings werden sich manche nicht des Eindrucks erwehrt haben können, dass zu einem handfesten Streit eben doch immer zwei gehören.
Männer neigen wohl öfters zu physischer Gewalt - eine Frau hingegen zu verbalen Provokationen, die ebenso verletzen können wie ein Faustschlag.
Die Ehe zwischen dem 53-jährigen Hausmeister aus Forchheim und seiner nach 23 Ehejahren inzwischen von ihm getrennt lebenden Ehefrau war jedenfalls schon länger voller Angst, Sorgen und gegenseitigen Vorhaltungen.

Ständiger Streit ums Geld

Nach einem Kuraufenthalt sei die Frau wie ausgewechselt gewesen, berichtete der Mann. Und so gab es ab etwa 2005 ständig Zoff - und "es ging immer nur ums Geld", sagte die Frau. Waren die Nerven beider überreizt, war die Angst zu groß, es finanziell nicht mehr schaffen zu können?
Verschärft wurde die Krise dadurch, dass der Mann nach einer längeren Krankheit nur noch Krankengeld bezog, also zum Familieneinkommen nichts mehr beisteuern konnte. "Ich muss mit 42 Euro im Monat auskommen", klagte der Mann. Die Lage eskalierte dann, als vor etwa einem Jahr eine Reparatur des Familienautos fällig wurde und der Mann von der Frau wollte, dass sie als momentan "wirtschaftlich stärkerer Teil" den Betrag vorstrecke.
Denn er habe ja "nur noch zwölf Euro zum Leben übrig". Stattdessen kaufte sich die Frau aber ein Fahrrad, um aus eigener Kraft an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.
Diese Entscheidung ließ den alten Streit erneut aufflammen. Von einer geworfenen Kerze sprach die Anklageschrift, dann von einer Cremedose. Dann war es ein Glastisch, den der Angeklagte nach seiner Frau werfen wollte.
Allerdings erwies sich der Tisch für den invaliden Mann als zu schwer. Ein Glas, das er nach ihr warf, traf die mittlerweile wieder geschlossene Tür.

Tochter taut sich nicht mehr heim

Die Frau hatte Angst, und zwar massiv. Als der Mann am Telefon noch ihre gemeinsame Tochter bedroht hatte, war das Maß auch für die Frau voll, die bislang vor einer Anzeige zurückgescheut hatte. Die Tochter traute sich nicht mehr nach Hause, die Schwägerin, die Schwester der Frau, nahm die Sache selbst in die Hand und zeigte den Mann an.
Seit der Trennung ist nichts mehr vorgekommen, außerdem weisen die Akten den Mann als unbescholten aus. Beide gaben in ihren Aussagen zu Protokoll, dass sie nur noch der Kinder wegen die Ehe aufrecht erhalten wollten, sie aber ansonsten als gescheitert betrachteten. Ein ordnungsgemäßes Zusammenleben sei nicht mehr möglich.
Ankläger Stefan Meier ging von zwei Fällen von gefährlicher Körperverletzung sowie von mindestens einem Versuch aus. Verteidiger Helmut Streit bat für seinen gesundheitlich schwer angeschlagenen Mandanten um ein mildes Urteil.
"Wenn man ein Glas nach einem wirft, nimmt man in Kauf, dass es auch trifft", bügelte Amtsrichterin Silke Schneider sämtliche Versuche der Beschwichtigung nieder und verurteilte den rabiaten Ehemann zu einer Geldstrafe über 1800 Euro.
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