Forchheim
Militär

Forchheimer Drei-Sterne-General bekommt Großen Zapfenstreich

Er war der ranghöchste Soldat Bayerns. Nun geht der Drei-Sterne-General Norbert Finster in den Ruhestand.
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Mit vielen warmen Worten hat Verteidigungsminister de Maizière (l.) Nobert Finster verabschiedet.Foto: Dörfler
Mit vielen warmen Worten hat Verteidigungsminister de Maizière (l.) Nobert Finster verabschiedet.Foto: Dörfler
Es ist nicht unklar, ob jemals einem Forchheimer die Ehre des Großen Zapfenstreichs zuteil geworden ist. Es gibt ihn ohnehin nur zu ganz besonderen Anlässen. Dazu gehört beispielsweise die Verabschiedung von Bundespräsidenten, Bundeskanzlern oder Verteidigungsministern. Norbert Finster ist weder das eine noch das andere.

Trotzdem ist Finster, der 1971 am Forchheimer Herder-Gymnasium sein Abitur gemacht hat, jetzt in Berlin im Fackelschein mit Flöten, Pauken und Trompeten in den Ruhestand verabschiedet worden. Eine Formation von zwei Zügen unter Gewehr war aufmarschiert, das Wachbataillon hielt im Hintergrund Fakeln.
Zuvor erhielt der Sohn des Forchheimer Verkehrspolizisten Emil und der Kripobeamtin Irmine Finster nach einer Laudatio des Verteidigungsministers Thomas de Maizière (CDU) nach 42 Dienstjahren seine Entlassungsurkunde.


Zahlreiche Generäle aus dem In- und Ausland sowie Vertreter des Bundeskanzleramtes waren zum Festakt erschienen. Und weil Finster nie den Kontakt zu seinen Forchheimer Klassenkameraden hat abreisen lassen, hat er stellvertretend für seine Abiturklasse seinen Banknachbarn eingeladen. Die Verfasser des "Hoyschreck", der zensierten Abiturzeitung der Klasse 13 a aus dem Jahre 1971, ahnten wohl schon vor 42 Jahren, dass ihr Mitschüler bei der Bundeswehr Karriere machen werde.

Kommandeur mit langen Haaren

Die Fotomontage von 1971 zeigt Finster jedenfalls bereits als Kommandeur in Uniform - allerdings mit langen Haaren.

In der damals vor dem Schultor verteilten Klassenzeitung steht auch geschrieben, dass er mit seinem Banknachbarn zum Erstaunen der damaligen Musiklehrerin Behner und des gesamten Lehrerkollegiums "Fern bei Sedan, die Bayernhymne und die dritte Strophe der Nationalhymne" anstimmte, wenn die eher liberale Musiklehrerin gegen Ende der Stunde nach den Liedwünschen ihrer Schüler fragte.
"Fern bei Sedan" wurde mit der Zeit zum Song der 13 a, wo die eher links eingestellten anderen Klassen ganz andere Lieder sangen.

Der Große Zapfenstreich, der auf die Befreiungskriege von 1813 bis 1815 zurückgeht, ist gewissermaßen der einzig logische Abschluss der bemerkenswerten Karriere von Norbert Finster. Gleich nach dem Abitur trat der Neusprachler Finster als Offiziersanwärter in Fürstenfeldbruck in die Bundeswehr ein. Von 1973 bis 1975 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Bundeswehrhochschule in München.

1987 wurde Finster Dezernatsleiter für operative Grundsatzfragen bei der 2. Luftwaffendivision in Birkenfeld. Finster arbeitet sich zum Referenten im Führungsstab der Luftwaffe empor, bis er 1992 das Kommando über die FlaRakGrp 21 in Möhnsee-Echtrop übernahm.
1994 und 1995 war er dann Adjudant der Luftwaffe beim Generalinspekteur der Bundeswehr in Bonn. Von 1998 bis 2001 war Finster Leiter des Referats 222 im Bundeskanzleramt.

Bis 2003 sorgte sich Finster, nun schon Brigadegeneral, um die Ausbildung des Führungsnachwuchses der Luftwaffe an der Offiziersschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck und übernahm anschließend dort das Kommando der 1. Luftwaffendivision.

Diese Zeit in Bayern bereitete ihm wohl besonders viel Freude. Finster war jetzt ranghöchster Soldat in Bayern. Dann musste er wieder ins Verteidigungsministerium nach Bonn. Von 2005 bis 2010 bekleidete er das Amt des Chefs des Stabes im Führungsstab der Luftwaffe, ehe er von 2010 bis 2012 Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe wurde.

Im Juni 2011 betraute ihn Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit der Leitung der Einzelprojektgruppen zur Neuausrichtung der Bundeswehr. Dort musste er im Rahmen des Sanierungskonzeptes mehr als eine Handvoll Bundeswehrstandorte schließen, an denen er früher selbst Verantwortung getragen und sich wohlgefühlt hatte. Im März 2012 wurde Finster als Dreisterne-General zum Leiter Abteilung Führung Streitkräfte ernannt.

Ein selten gehörtes Lob

Elf Jahre war Finster General. Mit 63 Jahren geht er nun als Generalleutnant in den Ruhestand. Nur ein einziger Soldat der Bundeswehr hat einen Stern mehr als Norbert Finster, und zwar der Generalinspekteur.

In einer Laudatio hob de Maizière die Verdienste des Generals aus Forchheim hervor. Als Beleg für Finsters hohes fachliches Können zitierte er aus nationalen und internationalen Beurteilungen des Forchheimers. Dank seiner analytischen Fähigkeit und unaufgeregten Sachlichkeit habe er einen wesentlichen Beitrag zur Neuausrichtung der Bundeswehr an entscheidender Stelle leisten können.

Eine von Finsters auffälligsten Eigenschaften sei seine Unauffälligkeit, sagte de Maizière. "Norbert Finster ist mit einem Wort ein feiner Kerl", sagte der Verteidigungsminister. Ein Lob, das so nicht häufig fällt bei der Bundeswehr.

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