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Forchheim
Gesundheit

Forchheimer Begegnungsstätte: Die eigene Krankheit kennenlernen

Die Insel Begegnungsstätte bietet ein niederschwelliges Angebot für psychisch Kranke an. Die Räume in der Bamberger Straße in Forchheim bewohnt das Team seit April 2014 und bietet dort viele Angebote an.
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Alexander Rödl und Anke Daneschwar in der Insel Begegnungsstätte  Foto: Jennifer Hauser
Alexander Rödl und Anke Daneschwar in der Insel Begegnungsstätte Foto: Jennifer Hauser
Die großen Fenster sind milchig, man sieht nicht, was dahinter vor sich geht. Nur ein kleiner Streifen ist sichtbar, dort ist das Schaufenster weihnachtlich dekoriert. Hinter den Fenstern befindet sich die Insel Begegnungsstätte vom SKF Bamberg e.V.. Die Begegnungsstätte bietet drei Säulen: Freizeitgestaltung, Tagesstruktur geben und therapeutische Angebote.

Zur Freizeitgestaltung gehören zum Beispiel kreative Angebote wie basteln oder stricken. Tagesstruktur sollen gemeinsames Kochen oder offene Treffen geben. Ein wichtiger Teil des therapeutischen Angebots ist die Psychoedukation.


Zurechtfinden ist wichtiger Punkt

"Das ist ein Angebot für psychisch Kranke und Menschen mit seelischen Problemen", erzählt Ergotherapeutin Anke Daneschwar, die gemeinsam mit Diplom-Pädagoge Alexander Rödl den Psychoedukationskurs leitet.
"Der Kurs hat das Ziel die Krankheit verstehen zu lernen", sagt sie. Dazu gehört auch das Zurechtfinden in der aktuellen Situation und zu lernen sich selbst zu schützen.

Die Teilnehmer sind psychisch-kranke Menschen mit unterschiedlichen Diagnosen wie Depression, bipolare Störungen oder Schizophrenie, auch Persönlichkeitsstörungen. "Wir ermutigen sie, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen", sagt Daneschwar.

Das Ziel sei, der Erkrankung nicht ausgeliefert zu sein. Suchtkranke (wie zum Beispiel Magersüchtige) sind nicht in dem Kurs. Die meisten Teilnehmer des Kurses sind wegen ihrer Erkrankung sowohl in psychiatrischer Behandlung als auch in der Beratung, viele in der "Insel" Beratungsstelle. Die Psychoedukation ist eine zusätzliche Möglichkeit "Experte der eigenen Krankheit" zu werden, erklärt Daneschwar.

Auch eine Psychiaterin ist bei zwei der Sitzungen dabei und beantwortet zum Beispiel Fragen rund um die Medikamente. Insgesamt besteht ein Kurs aus sechs Sitzungen und einer Reflexionsstunde nach ein paar Wochen. "Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Austausch", erklärt Daneschwar, "die Arbeit findet aber nach einem vorgegebenen Manual statt."


Sitzungen im selben Schema

Eine Sitzung beginnt mit einer Befindlichkeitsrunde, in der die Teilnehmer über ihren aktuellen (Gefühls-)Status sprechen. Jede Sitzung hat ein eigenes Thema und die Teilnehmer bekommen Begleitmaterial. Zum Schluss gibt es immer eine Entspannungsübung. Die Themen der sechs Sitzungen sind Diagnosen und Störungsbilder, Modelle zur Entstehung der psychischen Erkankung und Bewältigungsstrategien, Frühwarnzeichen und Symptome erkennen sowie Medikamenteninformaitonen, Bewältigungsstrategien, ein Krisenplan sowie Informationen zu Behandlungsangeboten.

Maximal acht Teilnehmer sind in einem Kurs. "Damit der Austausch noch möglich ist", erklärt Daneschwar, "wenn es mehr Menschen sind, wird dem Einzelnen nicht mehr genug Platz eingeräumt."

Der große Raum der Begegnungsstätte ist hell und gemütlich. Auf den Tischen stehen Kaffeetassen, Kerzen und Plätzchen. Es soll ein Raum zum Wohlfühlen sein, damit die Besucher sich öffnen können. "Wir bieten ein niederschwelliges Angebot an", betont Anke Daneschwar, "keiner muss etwas preisgeben, das er nicht möchte."


Interview mit einer Teilnehmerin

Monika S. (Name geändert) besuchte den Kurs in der Begegnungsstätte. Sie spricht über die Erfahrungen im Kurs und über die Erfolge.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, an diesem Kurs teilzunehmen? Wer hat Sie darauf aufmerksam gemacht?
Monika S.: Ich habe durch einen Flyer bei der Insel von dem Kurs erfahren.

Was genau machen Sie da?
Ich habe Informationen darüber erhalten wie psychische Krisen entstehen können und wie man sie frühzeitig erkennen kann. Es wurde auch über Hilfsangebote gesprochen wie zum Beispiel Erstellung eines auf sich persönlich eingestellten Krisenplans oder Notfallkoffers. Am Ende jeder Sitzung gab es dann noch eine entspannte Reise durch den Körper.

Kennen Sie die anderen Teilnehmer? Gibt es auch einen privaten Austausch?
Ich kenne andere Teilnehmer und der Austausch fand hauptsächlich im Kurs statt.

Weiß Ihr privates Umfeld davon?
Es wissen nur die Menschen davon, die mir wichtig sind.

Was haben Sie durch diesen Kurs (über sich) gelernt?
Meine psychische Erkrankung so zu akzeptieren wie sie ist.

Würden Sie den Kurs weiterempfehlen? Warum?
Klar, würde ich diesen Kurs empfehlen, weil man durch den Kurs lernt besser mit seiner Erkrankung umzugehen.


Programm in der Begegnungsstäte

Montag 9.30 - 11.30 Uhr wechselnde Angebote (siehe Aushänge), 10-11.30 Uhr Früchstücksgruppe Ebermannstadt, 14. -16 Uhr Offener Treff, 14.30 - 16 Uhr Handarbeitsgruppe

Dienstag 13.30 - 17 Uhr Offener Treff (nicht wenn Aktivgruppe), 14-17 Uhr Kochgruppe (außer jeden 2. Dienstag im Monat), 14-18 Uhr Aktivgruppe (jeden 2. Dienstag im Monat)

Mittwoch 12.30-14 Uhr Offener Treff, 18.30- 20 Uhr Abendtreff

Donnerstag 9.30-13 Uhr Offener Treff, 10-13 Uhr Bewegungsgruppe, 14-16 Uhr Offener Treff, 14.30 - 16 hr Spielestunde

Freitag 9.30- 12 Uhr Offener Treff


Weitere Informationen finden Sie hier.

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