Forchheim
Stadtentwicklung

Forchheim will bauen, hat aber kaum Areale

Vor allem die CSU drängt auf die Änderung des Flächennutzungsplanes, damit in Forchheim der Wohnungsbau vorangeht. Doch es gibt kaum geeignete Areale. Mit einer großen Ausnahme - das Jahn-Gelände.
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Das Jahn-Gelände ist eines der wenigen Areale in Forchheim, wo sich die Stadt weiter entwickeln kann. Foto: Oswald
Das Jahn-Gelände ist eines der wenigen Areale in Forchheim, wo sich die Stadt weiter entwickeln kann. Foto: Oswald
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Gerhard Zedler, der Chef des Bauamtes, will rot sehen. Im Flächennutzungsplan der Stadt sind die Grüngebiete grün, die Mischgebiete grau und die Wohnbaugebiete rot eingezeichnet. "Rote Flächen sind im Flächennutzungsplan kaum noch vorhanden", bedauert Zedler und wünscht sich, dass einige Grünflächen die Farbe wechseln.

Vehement unterstützt wird dieser Wunsch des Bauamtschefs von der Forchheimer CSU. Deren Fraktionsvorsitzender Udo Schönfelder verweist auf "mutige Nachbargemeinden". Etwa Heroldsbach. Dort sei in 40 Jahren ein Wachstum von 80 Prozent zu beobachten. In den Immobilen-Abteilungen der Banken stünden die Interessenten Schlange, sagt Schönfelder und erzählt von "vielen guten Bekannten, die Forchheim verlassen haben, weil sie kein Bauland gekriegt haben".

Daher beantragt die Stadtrats-CSU eine Änderung des Flächennutzungsplans. Ziel sei es "den demografischen Wandel nicht passiv über uns ergehen lassen". Im gesamten Stadtgebiet, also auch in Buckenhofen, Burk, Kersbach und Reuth sollte "qualitatives Wachstum" durch Wohnbebauung entstehen. "Besser 33 000 als 27 000 Einwohner in den nächsten fünf Jahren", nennt Schönfelder seine Vision der Bevölkerungsentwicklung.

Wenn der SPD-Rat Albert Dorn von den Bauplänen der Schwarzen hört, sagt er mit Oscar Wilde: "Die CSU kennt von allem den Preis, aber von nichts den Wert." Von kleinen Flecken abgesehen, könne Forchheim keine Baugebiete mehr ausweisen - "wir haben die großen Flächen nicht mehr". Der aktuelle Flächennutzungsplan, der in den Jahren 1990 bis 1995 entstand sei, trage der Begrenztheit der Stadt Rechnung. "Man kann Forchheim schon noch zuklatschen," kritisiert Dorn, "aber ob dann noch eine lebenswerte Stadt steht, das bezweifle ich". Daher seien die anderen Gemeinden mit ihrem "Siedlungsbrei" kein Vorbild für ihn; trotz der Gefahr für Forchheim, "dass die Leute da rausziehen und dort ihre Einkommenssteuer zahlen." Dennoch fühle er sich "den Ideen des Club of Rome und den Grenzen des Wachstums verpflichtet, das ist aktueller denn je", betont der SPD-Stadtrat.

Hang-Bebauung, ein grünes Tabu

Die Grünen wiederum fühlen sich dem Erhalt der Randlagen an den Hängen verpflichtet. Deren Bebauung "ist tabu", schreibt FGL-Fraktionsvorsitzende Annette Prechtel an Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO). Die FGL fordert, "bereits ausgewiesene Wohn- und Gewerbeflächen im Stadtrat darzustellen und transparent zu machen". Eine aktuelle Version des Flächennutzungsplans sei "sinnvoll", erklärt Prechtel. "Allerdings darf dies keinen Automatismus bedeuten, in diesem Zusammenhang neue Flächen der Bebauung preiszugeben und sie ohne Beachtung von ökologischem Wert und den Auswirkungen auf die Lebensqualität Forchheims insgesamt auf den Markt zu werfen".

Was Prechtels Stellvertreter Gerhard Meixner ärgert, ist die Haltung von "OB Stumpf und seiner CSU-Ratsmehrheit". Sie versuchten den Stadtrat immer wieder wegen des Wohnraumbedarfs "unter Druck zu setzen", moniert Meixner: "Wenn es den Bedarf wirklich so dringend gibt, warum wird die Entwicklung in Kersbach dann nicht vorangetrieben?" Dort stünden mit den längst im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Wohngebieten Point und Stampfäcker über 25 Hektar Bauland zur Verfügung. "Ich vermisse den politischen Willen, diese Gebiete endlich anzugehen", sagt Gerhard Meixner.

Obwohl die CSU neun Baugebiete ins Gespräch bringt, sagt Gerhard Zedler: "Der Antrag der CSU zeigt im Grunde nichts Neues. Der Auerberg zum Beispiel funktioniert vom Lärmschutz nicht". Als Parade-Beispiel für eine "wünschenswerte Entwicklung" nennt Zedler "das Jahn-Gelände und südlich davon".

Wie berichtet, werden die Pläne für die Wohnbebauung am Donnerstag im Stadtrat präsentiert. Die Hamburger Firma "Dignus Immobilien" möchte an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße das sogenannte "Philosophen-Viertel" hochziehen. Förderfähiger Geschosswohnungsbau ist auf dem 30 000 Quadratmeter großen Areal vor allem geplant; aber auch ein Hotel samt "attraktiven Handels- und nicht störenden Gewerbeflächen", wie es in der Projektbeschreibung der Firma Dignus heißt. Insgesamt sind auf dem Jahn-Gelände 215 Wohnungen und 125 Appartements vorgesehen.
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