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Forchheim
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Forchheim nimmt Nachhilfe bei Bamberg in Stadtmarketing

Der Geschäftsführer des Bamberger Stadtmarketings, Klaus Stieringer, zeigte im Forchheimer Kulturausschuss wie Citymanagement geht. Die Stadträte staunten, zweifelten aber an einer Übertragbarkeit auf kleinstädtische Verhältnisse.
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Mit "Bamberg zaubert" verkauft sich die Domstadt bis weit über ihre Grenzen hinaus als Erlebnisstadt. Foto: Archiv Rieger Press
Mit "Bamberg zaubert" verkauft sich die Domstadt bis weit über ihre Grenzen hinaus als Erlebnisstadt. Foto: Archiv Rieger Press
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Nomen est omen: Klaus Stieringer legt sich wie ein Stier ins Geschirr, wenn's darum geht, die Stadt Bamberg vorwärts zu bewegen. Dabei stammt er noch nicht einmal aus Franken. Doch der gebürtige Hanseat ist ein Hans Dampf in allen Gassen - und füllt diese bis in den letzten Winkel der Altstadt hinein mit Leben. Unter anderem durch so bekannte Veranstaltungen wie "Bamberg zaubert" oder die weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten "Jazz & Blues Tage".

Den Forchheimer Stadträten nebst Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) und seinem Wirtschaftsförderer Viktor Naumann zeigte der Vollblutmanager, wie Stadtmarketing funktioniert: mit Professionalität vor allem!

Ehrenamtlichkeit reicht nicht
Stieringer machte gleich eingangs klar: Mit ehrenamtlichem Engagement sind diese Aufgaben nicht lösbar. Und er beantwortete auch gleich selbst die Frage nach dem Warum: "Weil man professionell arbeiten muss, um in einem professionellen Umfeld erfolgreich agieren zu können." Deshalb sei in Bamberg aus der ursprünglichen Werbegemeinschaft ein professionelles Citymanagement als Teil des Stadtmarketings entstanden.

Beim Stadtmarketing habe man 2003 mit nur 1,5 Mitarbeitern begonnen. Jetzt ist der Mitarbeiterstamm auf neun Köpfe angewachsen. Und zwar kreative Köpfe! Das Bewundernswerte dabei: Alles finanziert sich selber - zumeist über die Veranstaltungen und Sponsorengelder. Wenn die Bamberger Geschäftswelt knausert, dann scheut Stieringer nicht den Weg nach Nürnberg. Egal, ob den Bambergern Tucher schmeckt - "am Ende profitieren alle."

Kreativität ist gefragt
"Je weniger Geld im städtischen Säckel ist, desto mehr Kreativität muss ich entwickeln" , unterstrich Stieringer. Er machte den Forchheimer Kulturausschuss-Mitgliedern klar: Stadtmarketing von oben durch den Stadtrat zu beschließen, und den Bürgern und der Geschäftswelt aufzupropfen, das geht nicht. "Es muss von unten kommen, dann findet man engagierte Mitstreiter für seine Ideen und Ziele."

An Ideen mangelt es Stieringer und seinem Team nicht: So sind die "City-Schexs" zu einem Erfolgsmodell geworden. Diese Einkaufsgutscheine binden die Kaufkraft. Sie sind nur in Bamberg einlösbar - "und hindern den Kunden damit zum Beispiel in Forchheim einzukaufen", gesteht Stieringer mit einem Grinsen. Natürlich sei auch dabei anfangs viel Überzeugungsarbeit zu leisten gewesen in der Geschäftswelt, gibt Stieringer zu.

So habe man anfangs Studenten mit den Gutscheinen zum Einkaufen geschickt - und schon bald seien die "Schexs" in immer mehr Geschäften akzeptiert worden, bislang in über 400 Unternehmen. Die "Schexs" kämen so gut an, dass sie in Bamberg als eine Art "Schwarzwährung" gälten, freut sich der findige Stieringer.

Ein maßgeblicher Teil des Erfolgsrezeptes des Bamberger Stadtmarketings liegt in den Veranstaltungen, mit denen man die "Marke Bamberg" über die Grenzen der Stadt hinaus verkauft: das reicht von "Bamberg zaubert" über die "Blues & Jazz Tage" bis zu einem Mittelalter-Markt, den man neuerdings plant - interessanterweise in Kooperation mit Benedikt Graf Bentzel, der vor den Toren Forchheims den Erlebnispark Schloss Thurn betreibt!

Bei der Wahl der Veranstaltungen schaue man übrigens nicht zuerst auf das Thema, sondern auf die Zielgruppe, verrät Stieringen: So gibt es das "Blues & Jazz Festival" schlicht und ergreifend deshalb, weil die Fans dieser Musikrichtung Leute mit überdurchschnittlicher Bildung und höherem Einkommen seien.

Dieses Klientel will man für Bamberg begeistern. Es gehe nicht darum, die schnelle Mark zu machen - noch immer gelte bei Veranstaltungen der alte Spruch "saufen oder kaufen", betonte Stieringer - es gehe darum bei den Leuten, vor allem den jungen, ein Bauchgefühl zu erzeugen: "Hier in Bamberg will ich leben." Es reiche nicht nur einmal im Jahr eine Veranstaltung zu bieten. Immer wieder müssten Events stattfinden - in Bamberg im Monatstakt!

Das Wichtigste ist Mut
Die Stadt zur Bühne zu machen und als großes Kaufhaus zu inszenieren, ist für Stieringer der wirkungsvollste Weg, um die Kunden vom Interneteinkauf wegzulocken: Er will die Leute aus einer virtuellen Welt in die "Fleischwelt" bringen. Sie müssen schauen, "was macht uns als Stadt einzigartig", riet Stieringer den Forchheimer Stadträten. Das Wichtigste aber sei: "Sie müssen Mut haben."

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