Was die Zahl von Menschen mit problematischen Lebenssituationen betrifft ist die Stadt Forchheim alles andere als eine Insel der Seligen. Hier gibt es im Vergleich zu anderen Landkreisgemeinden die meisten Hartz-IV-Empfänger, die meisten Alleinerziehenden, die meisten Fälle von Erziehungshilfen - und in Forchheim verzeichnet das Jugendamt die meisten Überprüfungen von Kindesgefährdungen. Dies geht aus der Sozialraum-Analyse 2011 hervor, die Jugendhilfeplaner Martin Hempfing dem Jugendhilfeausschuss vorlegte.
In der Gesamtschau der sozialen Belastungen zeige sich erneut die exponierte Stellung der Stadt Forchheim, wird in der Expertise festgestellt. Aber damit steht die Große Kreisstadt mit ihren knapp über 30 000 Einwohnern nicht alleine. Auch Ebermannstadt und Weißenohe erreichen als einzige Gemeinden einen Wert in der höchsten Kategorie der Skala sozialer Belastungen. Aus dieser Sozialraum-Analyse zieht die Jugendhilfe ihre Schlüsse für ihren Handlungsbedarf. Martin Hempfling weist allerdings auch darauf hin, dass der Jugendhilfebedarf nicht unbedingt im Landkreis selbst entstehe. Ein Beispiel ist Weißenohe, wo durch den Zuzug aus Nürnberg relativ viele Menschen mit belastetem Familienhintergrund in einem Sozialbau Unterkunft gefunden haben.

Verdoppelung der Beratungen


Mit einem Plus von 102 Prozent hat sich die Anzahl der beratenen Familien beim allgemeinen Sozialdienst von 1999 bis 2010 mehr als verdoppelt. Am meisten sind Beratungen in Anspruch genommen worden von Menschen aus Forchheim, Ebermannstadt und Unterleinleiter.
Die Erziehungsberatung ist auf einem hohen Niveau stabil geblieben. Diese konzentriert sich nicht alleine auf die Stadt Forchheim, sondern auch auf kleinere Gemeinden, wie Effeltrich und Kunreuth.

Zunahme von Familienkrisen


Bei den ambulanten Erziehungshilfen ist ein weiterer Zuwachs zu verzeichnen, was laut der Analyse auf die Zunahme von familiären Krisen zurückzuführen sei: "Auffallend ist die hohe relative Nachfrage in den kleinen Gemeinden Unterleinleiter und Kunreuth." Die Anzahl der Inobhutnahmen ist in den letzten drei Jahren wieder angestiegen. Auch hier weisen kleine Gemeinden, wie Wiesenthau und Kunreuth, eine relativ hohe Inanspruchnahme auf. Bei der Jugendgerichtshilfe liegt die Stadt Forchheim erneut an der Spitze, gefolgt vom Markt Pretzfeld. Als Folgerung daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer ausreichen personellen Ausstattung des allgemeinen Sozialdienstes, der Erhalt und Ausbau von hauptamtlichen Stellen für die Jugendarbeit in den Gemeinden und sozialpädagogisches Personal für die Jugendsozialarbeit an den Schulen. Jugendamtsleiterin Dagmar May betonte, dass die Jugendhilfe "das Barometer der gesellschaftlichen Entwicklung" sei.Mit Blick auf den Haushalt erklärte sie, dass eine genau Hochrechnung des Bedarfs 2012 im Sozialbereich nicht möglich sei,da die Fallzahlen jährlich schwanken. Tatsache sei auch, dass verstärkt Schulen von den Jugendämtern Unterstützungsangebote wünschten. Denn die Zahl massiv verhaltensauffälliger Schüler nehme stetig zu. Die Jugendhilfe dürfe aber nicht Ausfallbürge für das Schulsystem werden, warnt Dagmar May.