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Forchheim: Neues Asyl-Modell in Reichweite

Die Wohlfahrtsverbände wollen die Unterbringung der Asylbewerber nicht weiter privaten Investoren überlassen. Der Kreisverband der Caritas hat bereits einen Architekten für eine eigene Unterkunft beauftragt.
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An der Forchheimer Landkreisgrenze, in Hemhofen, kümmert sich jetzt ebenfalls ein Wohlfahrtsverband um die Unterbringung von Flüchtlingen: Der Arbeiter-Samariter-Bund nutzt dafür eine alte Tennishalle (links hinten) und Wohncontainer. Foto: Pauline Lindner
An der Forchheimer Landkreisgrenze, in Hemhofen, kümmert sich jetzt ebenfalls ein Wohlfahrtsverband um die Unterbringung von Flüchtlingen: Der Arbeiter-Samariter-Bund nutzt dafür eine alte Tennishalle (links hinten) und Wohncontainer. Foto: Pauline Lindner
Bis zum Jahresende werden es 1000 Flüchtlinge sein, die im Landkreis Asyl suchen. Mit ihrer Zahl wächst die Kritik an den privaten Betreibern von Unterkünften. Die Grünen warfen ihnen jüngst auf ihrer Kreisversammlung vor, sie würden sich "die Taschen voll schaufeln".
Das Thema müsste in die Hände der Wohlfahrtsverbände gelegt werden, meinen aber nicht nur die Grünen. Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Michael Hofmann hat gefordert, dass sich die Organisationen zusammentun (etwa in einem Verein) und sich um das Mietgeschäft für Asylbewerber kümmern. In ersten Gesprächen hätten die Vertreter der Wohlfartsverbände "aufgeschlossen reagiert", freut sich Hofmann.

Unabhängig davon, ist der Caritas-Verband im Landkreis bereits auf dem Weg zu einer eigenen Unterkunft. "Wir arbeiten an einem Entwurf für ein Heim", sagte Peter Ehmann, der Kreis-Geschäftsführer der Caritas. Ein Architekt sei beauftragt, ein Modell zu entwerfen. Das Motiv der Caritas: "Zu ortsüblicher Miete sollen die Asylbewerber eine ordentliche Unterkunft bekommen." Womit Peter Ehmann keine Kritik an den bestehenden Häusern übt: "Man muss allen Betreibern zugutehalten, die Unterkünfte sind in Ordnung." Was Ehmann aber stört: "Es fließt so viel Geld zu den Privaten - und in der Asyl-Sozialarbeit fehlt das Geld." Wenn die Caritas in das Mietgeschäft für Flüchtlinge einsteigt, kann sie also gleichzeitig die Finanzierung ihrer Asyl-Sozialarbeit verbessern. "Wir würden Mieten anbieten, in die die Asyl-Sozialarbeit mit eingerechnet ist", erklärt Peter Ehmann.
Dass Wohlfahrtsverbände das Thema meistern können, weiß AWO-Geschäftsführerin Lisa Hoffmann von ihren AWO-Kollegen im Landkreis Bamberg. "Sie betreiben 18 Unterkünfte, das ist eine große Nummer."
In der Region Forchheim setzt Lisa Hoffmann auf die Kreisarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, die in kürze tagen wird. Mit am Tisch sitzen dann auch Vertreter des Landratsamtes, der Kirchen und der Politik. "MdL Hofmann war früher selbst ein sehr engagiertes Mitglied und er kennt sich in Satzungsfragen aus", erinnert sich die AWO- Geschäftsführerin. Sie hofft, dass sich auf diesem Weg, die "Möglichkeit einer gemeinsamen Anmietung" auftut. Die Unterkünfte in privaten Händen zu lassen sei fragwürdig, meint Hoffmann. "Mir wäre es lieber, wir könnten Überschüsse generieren und sie in die Asyl-Sozialarbeit stecken, denn wir haben zu wenig soziale Betreuung."
Der Idee, auf die gebündelte Kraft der Wohlfahrtsverbände zu bauen, steht BRK-Kreisgeschäftsführerin Birgit Kastura jedoch skeptisch gegenüber. Auch sie sei von MdL Hofmann angesprochen worden. "Aber ich bin pessimistisch. Da müssten sich viele Akteure einigen. Ich weiß nicht, ob so ein Trägerverein handlungsfähig wäre, zumal es ja ein Risiko wäre, sich ein gemeinsames Haus zu kaufen."
Für Birgit Kastura ist das Thema ein "heikles Pflaster". Für die Kreisverwaltung ist es ein Pflaster, das die Behörde definitiv nicht betreten wird: "Immer wieder wird gefordert, dass wir selbst Einrichtungen betreiben sollten", sagt Holger Strehl, Pressesprecher im Landratsamt.
Das sei schon rechtlich unmöglich. Begründung: "Eine unternehmerische Betätigung des Landkreises ist nicht zulässig, wenn die Absicht besteht, Gewinne zu erzielen."
Ohne diese Absicht wäre aber das finanzielle Risiko zu hochm, betont Holger Strehl. Denn eine Unterbelegung der Unterkünfte müsste ja einkalkuliert werden. Ganz abgesehen von der Personalsituation am Landratsamt: "Die lässt eine eigene Betreuung und das Betreiben von eigenen Unterkünften nicht zu."
FW-Kreisrat Manfred Hümmer schätzt, dass der Landkreis "fünf oder sechs Leute fest einstellen müsste", um rund 40 Häuser zu betreiben, die zudem vorfinanziert werden müssten. "Das funktioniert nicht."
Hümmer glaubt nicht an eine befriedigende Lösung, solange die EU die Verteilung der Flüchtlinge nicht gerecht regele und alle Mitgliedsstaaten einbeziehe. Ohne das ehrenamtliche Engagement wäre die Thematik "von Anfang an nicht lösbar gewesen", sagt Manfred Hümmer und warnt: "Viele der ehrenamtlichen Ressourcen sind erschöpft". Auch deshalb, weil Fragen der Versicherung und Aufwandsentschädigung nicht beantwortet seien.

Rückzug der Geschäftsleute

Selbst jene, die Geld mit Flüchtlingsunterkünften verdienen, scheinen auf dem Rückzug. Das hat Holger Strehl beobachtet. Die im Landkreis gezahlten Unterkunftskosten seien "im durchschnittlichen Rahmen" und dem Markt angemessen; das habe die Regierung bestätigt, betont Pressesprecher Strehl. Jedoch habe die Kritik an privaten Betreibern dazu geführt, dass die Bereitschaft zur Vermietung zurückgehe. "Die Folgen sind Forderungen nach höheren Preisen oder der massive Rückgang an Angeboten."

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