Hausen
Prozess

Faschingsräuber muss ins Gefängnis

Am Rosenmontag überfiel ein 30-Jähriger die Volksbank-Filiale in Hausen und flüchtete ohne Beute. Jetzt stand der Hartz IV-Empfänger vor Gericht.
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Lavdim N. hält sich vor dem Landgericht Bamberg eine Hand vors Gesicht.  Foto: Peter Groscurth
Lavdim N. hält sich vor dem Landgericht Bamberg eine Hand vors Gesicht. Foto: Peter Groscurth
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Alkohol, Marihuana, Amphetamine, Crystal Meth und Zocken an Geldautomaten - fast jeder Gedanke des arbeitslosen Lavdim N. (30) drehte sich um seine Süchte. Tag für Tag gab er sein Geld dafür aus, machte Schulden. Der gebürtige Kosovare schaffte es nie, davon los zu kommen, hatte immer wieder Streit mit seiner Frau, mit der er vier Kinder hat und in Nürnberg wohnte.

Die Sucht war für den Hartz IV-Empfänger immer wichtiger. Um geliehenes Geld zu begleichen und neue Drogen kaufen zu können, fasste er einen Plan: Am Sonntag vor Rosenmontag diesen Jahres stahl er einen Ford-Kleinlaster vom Gelände einer Firma, bei der er früher einmal beschäftigt war. In der Nacht schluckte er Drogen und Psychopharmaka, morgens trank er fünf Bier sowie einen halben Liter Bacardi-Cola.

Dann fuhr er nach Hausen, um dort die Volksbank-Filiale zu überfallen. Doch alles ging schief. Leichte Beute gab's keine, der Faschings-Räuber landete nach einer Flucht nach Nürnberg schließlich in U-Haft und saß nun vor dem Vorsitzenden Richter Manfred Schmidt vor dem Landgericht Bamberg.

Die Anklage von Staatsanwältin Isabel Brzezicha lautete auf versuchte schwere räuberische Erpressung. Der Angeklagte gab sich vor Gericht kleinlaut, gestand seine Tat, meinte aber weiter, sich an keine Details mehr erinnern zu können.


Täter kam mit Totenkopf-Maske

Doch Zeugenaussagen der Bankangestellten klärten rasch auf, was an diesem Rosenmontag genau passierte: Kurz vor 9 Uhr kam der Täter in die Bank, er trug eine Totenkopf-Maske aus Plastik, forderte von einer Mitarbeiterin am Schalter: "Geld her, ich brauche Geld."

Der Räuber zückte einen silbernen Schreckschuss-Revolver. Erfolglos. Sogar der Filialleiter dachte zunächst an einen Faschingsscherz, wie er vor Gericht aussagte: "Ich klopfte dem Mann auf die Schulter. Ich duzte ihn und meinte, wenn er Geld brauche, solle er seine Kontonummer sagen." Außerdem habe er dem Maskierten Bonbons angeboten. Doch für den Täter war es kein Spaß, er feuerte mit seiner Schreckschusswaffe auf den Boden. Wollte so alle Angestellten einschüchtern.

Er hatte aber nicht mit der Reaktion des Filialchefs gerechnet. Der packte N., drückte dessen Hand, mit der der Räuber die Waffe hielt, nach unten. Es folgte ein Gerangel, bei dem N. aus der Bank geschoben wurde. Als die Tür schon geschlossen war, feuerte er nochmals in Richtung des Bank-Angestellten, rannte danach zum Wagen. Dabei wurde er aus der Filiale heraus von einer Mitarbeiterin mit dem Smartphone fotografiert.

Während seiner Flucht wurde der erfolglose Ganove zudem geblitzt - mit 64 Stundenkilometern in einer Tempo-30-Zone in Hausen. Er war wohl so geschockt, dass er das Fahrzeug, in dem sich der Blitzer befand, rammte und einen Schaden von 15 000 Euro verursachte.

N. raste weiter, konnte die Polizei, die ihn hinterher eilte, nicht abschütteln. Die Jagd auf den Bankräuber erstreckte sich bis Nürnberg.

In einem Hinterhof der Maybachstraße in der Frankenmetropole war dann gegen 11 Uhr Schluss - dort steckte der Täter fest, SEK-Beamte schossen die Reifen seines Wagen platt und verhafteten den Mann. 1,32 Promille Alkohol hatte der Täter zu diesem Zeitpunkt im Blut.

Richter Schmidt wollte vom Angeklagten wissen, warum er diese Tat begangen hat. Die Antwort: "Ich hatte Schulden." Für den Richter nicht nachvollziehbar: "Schulden haben viele Menschen. Doch Banken überfallen sehr viel weniger von ihnen."

Wenigstens entschuldigte sich der Räuber vor dem Landgericht bei allen Bankangestellten für seine Tat, stand dabei auf und legte die rechte Hand aufs Herz.

In der Verhandlung erzählte Lavdim N., wie er auf die schiefe Bahn kam, wie Drogen und Süchte sein Leben dominierten. Mit 16 Jahren habe er zum ersten Mal Alkohol getrunken und auch einen Joint geraucht, mit 19 sei er in die Abhängigkeit gerutscht. Eine Lehre hat er nach einem guten Jahr abgebrochen. Bis zum Jahr 2012 hielt sich N. mit Hilfsjobs über Wasser. Doch wegen Trunkenheit wurde er gefeuert, fand keine Arbeit mehr.
"Ich habe täglich etwa drei bis vier Gramm Marihuana konsumiert, dazu kamen zwei bis drei Gramm Crystal Meth pro Woche", zählt der Angeklagte auf. Dazu seien noch bis zu 13 Bier gekommen und ein paar Gläser Jack-Daniels-Whiskey. Seine Spielsucht kostete ihn etwa zehn Euro am Tag.


Über 40 000 Euro für die Sucht

Alles in allem brauchte N. eine Menge Geld, um all seine Süchte befriedigen zu können: hochgerechnet über 40 000 Euro im Jahr! Mit Hartz IV unmöglich zu bezahlen. Der Kosovare machte daher Schulden bei Bekannten und seine Frau schimpfte ihn. Aber N. bekam sein Leben nicht in den Griff. "Ich habe Depressionen, war in Behandlung bei einem Psychiater", so der Bankräuber. Aber keine Therapie hielt er durch, brach immer wieder vorzeitig zwischen 2014 und 2015 verschiedene Entziehungen ab.

Die Staatsanwältin sowie die beiden Verteidiger des Faschingsräubers, Jürgen Lubojanski und Maximilian Bär, hatten dreieinhalb Jahre Haft und die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung gefordert. Der Vorsitzende Richter dagegen verurteilte den Angeklagten zu fünf Jahren Gefängnis.
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