Forchheim
Umwelt

Familie aus dem Kreis Forchheim verärgert über Gelben Sack

Familie Burger klagt über die Handhabung des Recycling-Beutels. Die Idee sei gut, die Umsetzung nicht.
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Matthias Burger trägt seinen Sohn auf dem Arm. Den Gelben Sack nimmt er aber nicht so auf die leichte Schulter.  Foto: Jennifer Hauser
Matthias Burger trägt seinen Sohn auf dem Arm. Den Gelben Sack nimmt er aber nicht so auf die leichte Schulter. Foto: Jennifer Hauser
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Matthias Burger aus Burggaillenreuth ist verärgert über den gelben Sack. In einem Brief an den FT schreibt er: "Immer wieder habe ich das Gefühl, dass die Produktdesigner des Gelben Sacks Sadisten sind oder keine Ahnung von Hausarbeit haben."

Der 40-Jährige erzählt, dass er sich schon lange über den Gelben Sack aufregt. "Wenn ich dann durch das Tal der Befüllungshölle geschritten bin und es wider Erwarten geschafft habe, einen völlig intakten Sack zu füllen und ihn für die Abholung bereit zu stellen, ist das Spiel noch lange nicht vorbei", schreibt Burger weiter. Vergangene Woche sei dann das Fass übergelaufen. "Und da sehe ich die Männer, die die unschuldigen Säcke an ihren Hälsen packen und in einer Theaterdarbietung kunstvoll in den Schlund des Müllfressers schmeißen", witzelt er. Als der Sack das Ziel nicht erreicht hat, sondern auf dem Boden aufkam und platze, riss auch der Geduldsfaden der Burgers.


Reißfestigkeit ist genormt

"Ich musste dann alles einsammeln", sagt Alexandra Burger, "und als ich es in den nächsten Sack geworfen habe, ist der direkt wieder gerissen." Die Reißfestigkeit der Säcke ist allerdings vorgeschrieben, erklärt Harald Rausch von der Firma Friedrich Hofmann, die die Säcke im Landkreis austeilt und wieder einsammelt. "Das ist deutschlandweit die selbe Vorschrift", sagt Rausch, "die Säcke bestehen aus HDPE-Folien." Seit den 90er Jahren wird das dünne Material verwendet. "Sie sind seither dünner, aber trotzdem reißfester", beteuert er.

Auch wenn die Säcke weniger anfällig für Risse sein sollen - im Alltag seien sie nicht zu gebrauchen, findet die Familie Burger. "Sie sind einfach auch benutzerunfreundlich", sagt Matthias Burger, "man muss extra etwas kaufen, um den Müllsack aufzustellen." Dazu komme, dass man die vollen Müllsäcke auch aufbewahren müsse. Die Säcke werden nur alle vier Wochen abgeholt. Da sammelt sich bei Familie Burger einiges an: Meistens haben sie fünf volle Gelbe Säcke.


Aufbewahrung als Problem

"Als der Gelbe Sack eingeführt wurde, war das Totschlagargument gegen die Tonne der Platz", erklärt Matthias Burger, "dabei nimmt eine Tonne weniger Platz weg, als die gestapelten Säcke." Die Säcke müssen im Haus gelagert werden - Sollte es in der Nacht vor der Abholung sehr windig sein, könnten die Säcke erst kurz vor der Abholung rausgebracht werden, da sie sonst wegwehen.

Er sei kein Gegner von Recycling, betont Burger, allerdings müsse man auch sehen, dass nur ein Bruchteil der von der Bevölkerung recycelten Materialen wirklich auch wiederverwertet werden. Außerdem nerve es ihn, dass Wasser verschwendet werde, weil man die Verpackungen ausspülen muss. "Eigentlich reicht es, wenn die Plastikbehälter ,löffelrein' sind", erklärt seine Frau, "aber dann fängt es nach kürzester Zeit an zu stinken."

Familie Burger zog vor fünf Jahren nach Burggaillenreuth. "Wir haben uns damals bewusst für Ebermannstadt entschieden, weil es dort schon probeweise den Gelben Sack gab", erklärt Frau Burger, "zuvor haben wir in Wimmelbach gewohnt und mussten alles zum Wertstoffhof bringen. Da musste man fast einen Doktor in Müllkunde haben, um alles richtig zu trennen."

Der Gelbe Sack sei ein Fortschritt gegenüber dem damaligen System. Seit 2010 gibt es den Gelben Sack im ganzen Landkreis. Die genannten Nachteile stören die Burgers. "Ich finde die Wertstofftonne wäre die beste Lösung", erklärt Matthias Burger, "ich kenne die Vor- und Nachteile, denn ich habe mich lange in das Thema eingelesen. Aber wertstofffremde Teile landen bei manchen Bürgern auch jetzt im Gelben Sack. Dass die Tonne als zweiter Restmüll missbraucht werden könnte, ist für mich kein Argument."

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