Was haben Euphrat, Nil, Jordan und Tigris mit der Regnitz zu tun? "Sehr viel" behauptet Rolf Dürschner von der Wasserradgemeinschaft Möhrendorf am heutigen Weltwassertag. Der pensionierte Ingenieur ist überzeugt, dass sich die Franken diese Bewässerungstechnik von den Mesopotamiern abgeschaut haben.
"Nachgewiesen sind Wasserräder in Franken seit 1413", informiert Rolf Dürschner. Über 250 dieser Kultur- und Technik-Denkmale soll es entlang der Regnitz gegeben haben. Laut Bayerischer Wasser-Gerichts-Ordnung von 1693, die vorschreibt, dass die Wasserräder an Walpurgis ein- und an Michaelis ausgebaut werden müssen, gab es zwischen Eltersdorf und Hausen 198 Schöpf räder. Von den 17, die sich 1967 auf Möhrendorfer Flur drehten, sind noch zehn übrig.
Den Winter über hat der Verein mit Obmann Thomas Fischer an der Spitze die Schöpfräder, die in mehr als 500 Einzelteile zerlegt werden müssen in einer Halle am Ortsrand von Möhrendorf eingelagert. Im Fluss bleibt außer dem Grundbaum, der quer zur Fließrichtung im Flussbett verankert wird, den Fluss leicht staut und zu einer Stromschnelle führt, nur die Radstatt, das massive Holzgestell, auf dem das Rad montiert wird.

Vier Meter Durchmesser


Die Schöpfräder mit einem Durchmesser von rund vier Metern bestehen komplett aus Holz. In die Nabe werden auf beiden Seiten Arme (Speichen) eingesetzt, an denen die jeweils sechs Krümmlinge befestigt werden, die das Rad ergeben. Daran werden Schaufelbretter befestigt, die das Rad antreiben. Die Bänder für die Halterung der Schaufeln werden aus Eichenästen geschnitten, gespalten, gekocht und entsprechend gebogen. Seitlich sind 24 Kübel, die Wasser aus dem Fluss schöpfen.
"Wasserräder waren wichtig, weil wir zu den niederschlags ärmsten Gegenden überhaupt gehören. Hinzu kommt der Sandboden: Ohne künstliche Bewässerung hätten die Bauern die Ernährung der Städter nicht sicherstellen können", betont Rolf Dürschner, der Edmund Stoiber und Innenminister Joachim Hermann als Fördermitglieder gewinnen konnte, damit die Zeugnisse der Agrartechnik überleben können.
Deren Schöpfleistung ist beachtlich. Das Rad dreht sich vier mal pro Minute. Jeder Schöpfeimer fördert zehn Liter. Macht rund 1000 Liter pro Minute. "Pro Tag sind das 1,6 Millionen Liter Wasser, die über ein System von Rinnen auf Wiesen und Felder verteilt werden", rechnet Dürschner vor. Trotz der zehn Räder müsse niemand Angst haben, dass die Regnitz leer geschöpft wird, beruhigt Dürschner. Messungen hätten belegt, dass der Fluss selbst im Hochsommer neun Kubikmeter Wasser pro Sekunde führt. "Da fallen die Schöpfräder nicht ins Gewicht."