Was haben Berufsmusiker mit iPads zu tun? Im ersten Moment vielleicht nicht so viel, doch der Saxophonist Bastus Trump zeigt mit seinem Orphion deutlich, wie man neue Klangwelten erschaffen kann: Das Orphion - so hat er seine Erfindung genannt - bildet kleine Kreise auf dem Display des iPad ab, die man wie Trommeln spielt. Zudem kann man diese "Notenkreise" auch wie eine Gitarre spielen, indem man den Touchscreen des iPad "zupft" und die Töne zum Schwingen bringt.

Doch alles auf Anfang: Bastus (so sein Künstlername, eigentlich heißt er Sebastian) studierte an der Musikhochschule in Nürnberg Saxophon "Ich konnte glücklicherweise Jazzsaxophon im Hauptfach und klassisches Saxophon im Nebenfach studieren", sagt er über diese seltene Kombination.

Damals hatte Bastus sämtliche Freunde und Bekannte überrascht mit seiner Entscheidung, Musik studieren zu wollen. Schließlich interessierte er sich immer für den technischen Bereich und schien da auch großes Talent zu haben. "Es war mir klar, dass ich in dieser Richtung auch etwas machen wollte, wusste aber damals noch nicht wie das genau aussehen wird", erzählt der 27-jährige. Schließlich ist er an die Universität der Künste nach Berlin gewechselt, um dort den Master-Studiengang "Sound Studies" zu belegen.

Der Studiengang ist noch sehr neu und europaweit einzigartig. Als Bastus 2004 in Nürnberg anfing, gab es den Studiengang in Berlin noch gar nicht. "Ich kam dazu, weil ich bei einigen Filmvertonungen mitgearbeitet habe, dabei hat mich gar nicht so sehr die Filmmusik interessiert, sondern viel mehr die Geräuschebene", erinnert sich der gebürtige Schwabacher.

Einfach selbst gemacht


Und genau darum geht es in diesem außergewöhnlichen Studiengang: Klänge, Geräusche und Musik in jeder vorstellbaren Hinsicht. In Berlin begann er dann auch das Orphion zu entwickeln - hier konnten seine technischen Fähigkeiten und seine Musikalität zusammenfließen.

"Als ich dann entschieden habe, das Orphion als richtige App herauszubringen, habe ich sehr lange gesucht, um jemanden zu finden, der mir die App programmiert. Irgendwann entschied ich mich dann, es einfach selbst zu machen", sagt Trump.

Nach dem Studium begann er damit, nachmittags ganz klassisch Musikunterricht zu geben. Seine Vormittage nutzte er derweil dafür, um das Orphion zu entwickeln. Das Orphion ist ein in dieser Form noch nie dagewesenes Klanginstrument, welches man sich als App auf das iPad runterladen kann.

4000 Mal heruntergeladen


"Während des Studiums habe ich das Konzept für das Instrument entwickelt und dachte mir während der Arbeit daran, es wäre toll, daraus eine richtige App zu machen, damit auch andere Menschen damit Musik machen können. Aber dass es jetzt so schnell ein so großer Erfolg wird, hätte ich nicht gedacht", berichtet Trump. Tatsächlich hat das Orphion bisher schon über 30 000 Klicks und wurde bereits in wenigen Wochen 4000 Mal runtergeladen.

Nur privat musste Bastus eine kleine Schlappe einstecken: Ursprünglich wollte er in diesem Jahr nach Baiersdorf ziehen: "Um so nah wie möglich bei meiner fränkischen Lieblingsstadt Forchheim zu wohnen."

Jetzt ist er aber erst einmal in Uttenreuth gelandet. Doch wie sich sein Leben mit dem Erfolg des Orphions noch entwickelt, ist momentan sowieso noch nicht abzusehen.