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Ebersbach
Tradition

Einmaliges Schmuckstück in Ebersbach

Willi Schmitt baute einen Backofen und erfüllte sich einen Traum. Am Tag des offenen Dorfes, an Christi Himmelfahrt, ist die Feuertaufe.
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Backstube ist nach der oberpfälzerischen Variante entstanden. Willi Schmitt schaut hier gerade nach den Schäuferla.
Backstube ist nach der oberpfälzerischen Variante entstanden. Willi Schmitt schaut hier gerade nach den Schäuferla.
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Willi Schmitt öffnet die Backofentür und hält das Infrarotmessgerät hinein. 330 Grad im hinteren Bereich, 244 Grad zeigt es vorne an, und die Hitze ist auch außen zu spüren. Die 30 Schäuferla müssen noch etliche Minuten schmoren. "Heute ist die Generalprobe. Am Donnerstag, am Tag des offenen Dorfes, sind es 200 Schäuferla und Pizzas", sagt Willi Schmitt und freut sich, denn sein Backofen hat die Generalprobe bestanden. Es ist der einzige Backofen nach alter Tradition, den es in der Gemeinde Neunkirchen gibt. Die Idee dazu hatte der Ebersbacher Landwirt schon vor 15 Jahren. Doch wie es oft so ist, kam immer etwas anderes dazwischen. Und finanziell gesehen wäre ein solcher Ofen auch nicht gerade billig gewesen. Alleine 15 000 Euro würde das Gewölbe kosten, weitere 10 000 Euro das Gebäude.


Im Herbst begonnen

Dann wurde der Neunkirchner Gemeinderat sehr krank, und im Krankenhaus überlegte er, was er in seinem Leben immer verwirklichen wollte. Der Backofen, für den er sich nie Zeit genommen hatte, stand auf seiner Liste der Lebensträume, den er nun verwirklichen wollte. "Es passt zum Hof und dem Ambiente", findet Schmitt, der seinen Backofen nur nach Vorlage eines Bildes gebaut hat. Nur der Dachstuhl ist nach der oberpfälzerischen Variante entstanden, die Schmitt einfach ansprechender findet. Im vergangenen Herbst begann Schmitt mit dem Rohbau. Mit dem Gewölbe konnte er im Winter nicht anfangen, so dass er im Frühjahr begann, die 30 Schichten zu mauern. Jeden Tag nur einen Schicht, die dann aushärten musste, bis schließlich das Gewölbe, das wie ein Iglu aussieht, entstanden war.


Aus Schamottsteinen

Das Gewölbe, eine Schamotthöhle, ist aus Wolfshöher Schamottsteinen gebaut. Früher verwendete man Ziegelsteine, weiß der 59-Jährige. Sein Backofen misst 2,40 Meter Tiefe und zwei Meter in der Breite und ist für 40 Laib Brote ausgerichtet. "Der Duft des Brotes ist der Duft der Düfte", steht oberhalb der Backofentür gemalt. Dazu ein Laib Brot. Klaus Martin Grebe, ein Maler aus Tauchersreuth, der für Schmitt schon ein Bild an die Hauswand und das Logo der Ebersbacher Dorfgemeinschaft entworfen hat, schmückte den neuen Backofen nach alter Tradition. Der Ofen verteilt die Wärme gleichmäßig, regelt sich von selbst herunter. Durch Luftzufuhr kann die Temperatur ein wenig beeinflusst werden.
Vor zwei Wochen hat Willi Schmitt begonnen, den Ofen langsam an die Wärme zu gewöhnen. Schamott muss eingebrannt werden. So verbrannte er drei Tage lang früh und abends fünf Kilo Holz, dann jeden Tag ein Kilo Holz mehr und das drei Mal täglich. Fünf Kilo klingt nach sehr viel, sind aber im Prinzip nur fünf Scheite Holz. Eine Rauchentwicklung gibt es kaum. Das liegt am verwendeten Holz. Mit Buche heizt Schmitt den Ofen. Kirsche und Laubholz sind einfach am besten geeignet. Nadelholz und auch Eiche ist nicht ratsam, da es zu sehr harzt und somit Teer bildet. Seinen Traum hat er nun rechtzeitig zum Tag des offenen Dorfes umgesetzt. "Für den Tag putzt sich der ganze Ort heraus", sagt Schmitt. Jedes Haus bietet Attraktionen.
Neben bunten Musikangeboten, vielfältigen fränkischen Schmankerln, können sich die Besucher über die Landwirtschaft und regionale Produkte informieren. Oldtimer, auch Oldtimertraktoren und Maschinenausstellung stehen auf dem Programm. Für Kinder sind Schminken, Basteln, ein Streichelzoo und eine Hüpfburg ebenfalls Erlebnisse. Und natürlich der Backofen, das Schmuckstück der Region, wird an Christi Himmelfahrt seine Feuertaufe haben.
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