Forchheim
Berge

Eine Schachtel namens Forchheim

Wie kommt Forchheim zu einer Hütte in den Alpen? Bergsportler erzählen die Geschichte der "Forchheimer Hütte".
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Alpenvereins-Vorsitzender Ulrich Schürr beim Verlassen der Forchheimer Hütte. Foto: DAV-Sektion Forchheim
Alpenvereins-Vorsitzender Ulrich Schürr beim Verlassen der Forchheimer Hütte. Foto: DAV-Sektion Forchheim
Einen "Weg zwischen Himmel und Erde" nennt ihn Hansotto Neubauer, der Ehrenvorsitzende der Sektion Forchheim des Deutschen Alpenvereins (DAV). Klingt sehr poetisch - und kommt der Wahrheit sehr nahe: Denn der Forchheimer Weg führt den Wanderer fortwährend über Bergkämme und gibt ihm das Gefühl, dem Himmel sehr nahe zu sein.

Zehn Stunden reine Gehzeit beträgt die Tour zwischen der Forchheimer Partnerstadt Roppen im Inntal (50 Kilometer westlich von Innsbruck) bis zur Erlanger Hütte auf dem Ötztaler Hauptkamm in 2971 Meter Höhe. Nach sieben Stunden erreicht der Wanderer auf 2443 Meter Höhe jenes glänzende Teil, das "Biwakschachtel" genannt wird.

Wie kommt es, dass mitten in den Alpen hunderte von Unterkünften liegen, die Hamburger, Bamberger, Dresdner, Erlanger, Kieler, Bayreuther oder eben Forchheimer Hütte heißen? Also Namen von Städten tragen, die den Alpen so fern sind?

Die Erklärung liefert Hansotto Neubauer mit einem kleinen Exkurs in das 19. Jahrhundert: Damals galten nicht nur den Engländern die Alpen als "playground of europe". Eine unglaubliche Aufbruchstimmung machte sich breit, die Alpenvereine begannen die gesamten Alpen zu kartografieren. "Es war eine sportliche und eine intellektuelle Idee", sagt Neubauer. "Das Kartenmaterial, das wir bis heute nutzen, verdanken wir dem Pioniergeist jener Zeit."


Traum am Nord-Sporn

Die 1897 gegründete DAV-Sektion Forchheim ist eher ein Youngster im "playground" der Alpen. Der Forchheimer Weg entstand ab 1931. "Jahrelang haben die arbeitslosen Mauerer von Roppen den Weg gebaut. Die Forchheimer waren dabei und es sind dicke Freundschaften entstanden - bis heute", erzählt Hansotto Neubauer. Da auf dem langen Forchheimer Weg über 2000 Höhenmeter zu überwinden sind, errichtete 1963 die damalige Forchheimer Jugend am Hahnenkamm die Schutzhütte.

"Es ist ein Traum, sie liegt auf einem Nord-Sporn, man sieht die Sonne im Osten und Westen auf- und untergehen. Wenn das Tal noch ins Dunkel getaucht ist, sind die Gipfel schon erleuchtet", schwärmt Neubauer, der die Forchheimer Hütte zuletzt 2012 besuchte.

Ulrich Schürr, der aktuelle Vorsitzende der DAV-Sektion Forchheim, erinnert sich an ein Unwetter im Jahr 2005, als er die Schutzhütte aufsuchte. "Man kann sich in solchen Fällen überall wohlfühlen, auch in der Biwakschachtel", sagt Schürr.


Nur für Schwindelfreie

Der Komfort ist bescheiden in der aus Holz und Aluminium gefertigten Behausung; die Betten werden von der Wand runtergeklappt. Für sechs Wanderer reiche die Hütte, ab acht werde es "sehr eng", schildert Schürr: "Es entsteht Kondenswasser, die Biwakschachtel wird dann zu einer Art Tropfsteinhöhle - es ist ein Abenteuer von bleibender Erinnerungen."

Die zehnstündige Tour am Stück empfiehlt der Forchheimer Alpenvereins-Vorsitzende nur Wanderern mit guter Kondition. "Die technischen Anforderungen sind nicht hoch, es gibt keine Gletscher-Querung. Aber man ist einigen Passagen ausgesetzt, da sollte man schwindelfrei sein." DAV-Ehrenvorsitzender Neubauer betont, dass die Namensgebung des Weges und der Hütte "nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Verpflichtung" sei. Mit anderen Worten: Der Forchheimer Weg - betreut von der Bergwacht Roppen - ist nicht nur ein Wanderziel, sondern ein "Arbeitsgebiet".

Jede Sektion hat einen Wegewart. In Forchheim ist das Karl-Heinz Sponsel. "Er ist verantwortlich. Minimum einmal im Jahr ist er unten und kümmert sich um die Markierungen", erklärt Ulrich Schürr, der zuletzt bei Jubiläumsfahrten 2012 und 2013 die Biwakschachtel besuchte. "Sie ist immer offen, aber man sollte sie nicht per se als Übernachtungsmöglichkeit sehen, sie ist als Notunterkunft gedacht."

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