Weißenohe
Natur

Ein roter Punkt auf dem Stamm ist des Baumes Tod

Sollte es auf der Erde wärmer werden, hätte dies auch unmittelbare Folgen für den heimischen Wald. Aus diesem Grund tauschen Förster wie der Weißenoher Stefan Ludwig die Bäume jetzt schon aus. Das Ziel ist, den Wald resistent gegenüber dem Klimawandel zu machen.
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Förster Stefan Ludwig weiht einen Baum dem Untergang.  Foto: Malbrich
Förster Stefan Ludwig weiht einen Baum dem Untergang. Foto: Malbrich
Förster Stefan Ludwig bindet einen weißen Verband um den Stamm einer meterhohen Esche. Wenn alles gut geht, wird Ludwig ihr damit das Leben retten. Der leuchtendrote Punkt am Stamm des Nachbarbaums ist dagegen dessen Todesurteil. Er muss gefällt werden, um der Esche Platz zu geben.

Die Esche wird seit 2010 aktiv gesetzt. Sie ist eine der wichtigsten Mischbaumarten und dennoch in ihrem Bestand. Schuld daran ist ein kleiner Pilz namens Stengelbecherchen. Der Pilz hat es aus Polen kommend über die Grenze geschafft und befällt nun immer häufiger die heimischen Eschen.

Das ist für Ludwig vor allem Besorgnis erregend, weil "die Esche zu den wichtigsten Stabilisierungselementen im heimischen Wald gehört. Sie samt von selbst aus, wächst schnell und erzielt gute Hartholzerlöse."
Der Weißenoher Förster klopft mit einem Schlaghammer einen Eisenstab in den Boden und dreht diesen in die Erde hinein.
"Man merkt schon beim Drehen, dass hier schwerer Ton ist", kommentiert er seine Bodenanalyse. "Schwerer Ton kann von allen Wurzeln nur schlecht durchdrungen werden.

Die Fichte schafft es nicht, sie würde geworfen", fährt er fort. Er meint damit, dass sie einem Sturm nicht standhalten würde.

Das Gebiet mit schwerem Tonboden wird deshalb zum sogenannten Eichenzwangsstandort eingeengt. Das bedeutet, dass in diesem Gebiet vorrangig Eichen gepflanzt werden müssen.

Möglicherweise schlimme Folgen

Aber die Fichte steht ohnehin auf dem "Abschussplan", wenn man nach den Anpflanzplänen unter Berücksichtigung der Prognosen hinsichtlich des Klimawandels handelt.

Und unter diesen Gesichtspunkten handeln müssen die Bediensteten der Forstwirtschaft. Gerade die Fichte ist hier im Landkreis in hoher Prozentzahl in den Wäldern zu finden. Auch reine Nadelwälder mit diesem Baum bereichern die Landschaft.

Das passte bisher, weil für die meisten Bodenarten die Fichte bestens geeignet ist. Der Feind dieses Baumes ist der Fichtenborkenkäfer, der 2003 auf der Bildfläche erschien und seitdem die Fichten schädigt. "2003 gab es eine extreme Trockenheit. Und da kamen die Käfer", berichtet Ludwig.

Wenn es auf der Erde tatsächlich um zwei Grad oder mehr wärmer werden würde, hätte dies auch für die Fichten im Landkreis schlimme Folgen.

Der Wald wird deshalb schon jetzt umgebaut. Das ist die primäre Aufgabe des Försters Stefan Ludwig. Mehr als 100 000 Hektar Fläche müssen in Bayern umgebaut werden, wo noch immer die Fichte dominiert.

Hilfe für Privatbesitzer

Stefan Ludwigs Aufgabengebiet umfasst die Gemeinden Weißenohe, Igensdorf, Gräfenberg, Hiltpoltstein, Obertrubach und Egloffstein. Dort kümmert er sich nicht nur um die Gemeindewälder, sondern er unterstützt auch Privatwaldbesitzer.

Das beginnt bei Bodenproben und geht weiter mit Anträgen für Fördermittel oder Vorschlägen für Neupflanzungen unter Berücksichtigung des Klimawandels.
"Der Wald ist multifunktional. Er bietet Erholungsfunktion, ist Lebensraum, hat Schutzfunktion und bietet natürlich auch Holzertrag", betont der 52-Jährige die Bedeutung des Walds.
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