Weingarts
Tradition

Ein langer Weg voller Entbehrungen

Zum 150. Mal pilgerten Gläubige aus Weingarts nach Marienweiher. Auf ihrem langen Weg mussten sie in diesem Jahr starkem Regen und Gewittern Stand halten.
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Die Gläubigen auf ihrem Weg nach Marienweiher. Dort streiften sie gleich festliche Kleidung über. Fotos: Galster
Die Gläubigen auf ihrem Weg nach Marienweiher. Dort streiften sie gleich festliche Kleidung über. Fotos: Galster
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Die Fußwallfahrer der Pfarrei Weingarts hatten sich dieses Mal besonders gründlich vorbereitet für ihren dreitägigen Gang nach Marienweiher. Immerhin haben sie diesen Brauch in diesem Jahr zum 150. Mal gefeiert. Ein anschauliches Wallfahrtsbüchlein, das die Weingartser zu diesem Anlass zusammengestellt haben, ruft nochmals die Umstände der Premiere in Erinnerung.
Demnach soll die Wallfahrt auf das Gelöbnis eines Bauern im Jahr 1863 zurückgehen. Ihm sollen die Pferde mit einem Wagen, schwer mit Holz beladen, durchgegangen sein. In seiner Todesangst soll er eine alljährliche Wallfahrt nach Marienweiher versprochen haben. Er wurde gerettet - und hielt sein Versprechen.

Morgens um vier ging es los

Wie bei anderen Wallfahrten auch haben die Teilnehmerzahlen in der Vergangenheit immer wieder geschwankt. Allerdings ist gerade in der jüngsten Vergangenheit ein stetig wachsender Zuspruch zu verzeichnen. So auch in diesem Jahr. 70 Gläubige marschierten mit.
So viele sind es in der Geschichte der Weingartser Wallfahrt noch nie gewesen. Dazu kamen noch Teilnehmer, die nicht mehr so gut zu Fuß sind und deshalb den Bus oder auch das Auto genommen haben. Nach einer kurzen inneren Sammlung in der romantischen Schlosskapelle von Regensberg, oberhalb von Weingarts, machten sich die Wanderer am Freitag um 4 Uhr auf den langen, beschwerlichen Weg.
Alle drei Wallfahrtsbilder, zwei davon stammen aus ferner Vergangenheit, haben die Pilger in diesem Jahr mitgenommen. Drei Tage später begleitete die Blaskapelle Weingarts mit ihrer Musik den Wallfahrtsgottesdienst in Marienweiher. Kilian Galster hatte im Vorfeld die Quartiere für die Pilger besorgt.
Er war es auch, der beim Heinrichsfest in Bamberg Erzbischof Ludwig Schick zum Jubiläum eingeladen hatte. Groß war da die Freude der Pilger, dass die Vorsprache beim obersten Kirchenherrn der Erzdiözese Bamberg nicht ungehört blieb.

Zum 40. Mal dabei

Schnell hatten die Weingartser ihre strapazierte Wanderkleidung gegen Festkleidung getauscht. Schließlich durften sie auch als Lektoren im Wallfahrts-amt und als Himmelträger bei der Prozession mitwirken.
Vor so vielen Menschen erfüllte sie das mit besonderem Stolz. Schick segnete die große Kerze, die vier Mädchen in Weingartser Tracht überreicht hatten. Hans Schmitt und Georg Blank wurden bei dieser Gelegenheit für ihre 40. Teilnahme an der Wallfahrt geehrt. Bianca Beutner, Sieglinde Schmitt und Helmut Rupprecht haben den langen Weg jeweils 25 Mal zurück gelegt. Dass auch ihr Heimatpfarrer Alfred Beißer den Weg nach Marienweiher fand, rundete das Bild ab. Bürgermeister Hermann Ulm (Demokratie) würdigte mit seiner Teilnahme an den Festlichkeiten das ganz besondere Jubiläum der Weingartser. Ein evangelischer Bürgermeister auf einer katholischen Wallfahrt?
In der Gemeinde Kunreuth, zu der Weingarts gehört, gehört derlei schon heute ein wenig zur Normalität. In der Kommune ist "Ökumene" mehr als nur ein Wort.

Betend und singend

"Für Omas und Opas laufen jetzt deren Enkel. Insgesamt ist es schon eine verschworene Gemeinschaft, aber auch ein erhebendes Gefühl", freute sich Pfarrgemeinderatsvorsitzender Konrad Ochs. Rudi Harrer führte die Wallfahrt etwa zum 20. Mal.
Ab Gößweinstein mussten die Pilger schwere Gewitterstürme und starken Regen verkraften. Nur eine kurze Rast in Haidhof und ein kurzer Stopp zum Gruppenbild an der kleinen Kapelle oberhalb von Oberehrenbach unterbrachen den Fußweg im letzten Abschnitt.

Am Ortsrand von Regensberg wurden sie am Sonntag, nach drei Tagen, gegen 20 Uhr von zahlreichen Angehörigen und Freunden erwartet. Betend und singend, unter den Klängen der Weingartser Blasmusik, zogen sie wieder durch den kleinen Ort am steilen Berghang und in die Kapelle ein. 72 Kilometer haben die Pilger aus Oberehrenbach, Regensberg und Weingarts hinter sich gebracht.
Der Weg hatte die Pilger von Regensberg über Egloffstein, Gößweinstein und Trockau nach Marienweiher geführt.
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