Effeltrich
Pilgern

Ein Ort für Heimatlose und Verfolgte

"Achtsam am Weg" heißt die neue, achteckige Wallfahrtskapelle in Effeltrich. Bis aus Perugia kamen die Pilger, um bei der Einweihung durch Dekan Norbert Naturski dabei zu sein.
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Dekan Naturski weiht den neuen Pilgerort in Effeltrich. Foto: Franz Galster
Dekan Naturski weiht den neuen Pilgerort in Effeltrich. Foto: Franz Galster
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Wenn der Wanderer den reizvollen Rad- und Wirtschaftsweg von Effeltrich Richtung Hetzles geht, so findet er auf der Höhe, dem "Oberen Bühl", eine ungewöhnliche, neue Flurkapelle, im Achteck erbaut. Ihre Bezeichnung "Achtsam am Weg" weist unter anderem besonders auf ihre Bedeutung für die Pilgerschaft hin. Sie liegt auf dem Weg vom Frankenheiligtum, der Bischofsstadt Bamberg zur Königstadt Forchheim und weiter zur Kaiserstadt Nürnberg, mit Fernzielen in Italien und Spanien. Jetzt wurde sie offiziell ihrer Bestimmung übergeben.
Alle Vereine Effeltrichs hatten sich von der Dorflinde mit Fahnen und Musik auf den 30-minütigen Weg gemacht. Dekan Norbert Naturski feierte mit den Gläubigen dort im Freien die Vesper zum Hochfest Mariens. Anschließend nahm er die Segnung des Gotteshauses, seines Umfeldes und der Gläubigen vor.
Die Sänger von Effeltrich, die Jagdhornbläser und die Effeltricher Musiker umrahmten das gut besuchte Fest musikalisch.
Es soll ein Ort sein für Menschen, die unterwegs sind - für Jakobspilger, für Heimatlose und Verfolgte, wie Naturski betonte.
Die Idee der Wallfahrtskapelle kommt von Markus Nägel aus Effeltrich. In einem bewegten Leben pilgerte er zehn Mal auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostella. Die 900 Kilometer von der spanischen Grenze zum Zielort legte er jeweils zu Fuß zurück. 25 Jahre nahm er an der Wallfahrt nach Habsburg teil. Er empfindet die Kirche als Teil seines Dankes. Dabei freut er sich bei der Beobachtung, wie viele Menschen jetzt schon an der Kapelle anhalten. Wanderer, Radfahrer, Leute mit dem Kinderwagen.
Er schaute in die Runde und begrüßte viele Freunde und Bekannte. "Ich begrüße alle Menschen, die guten Herzens sind, mit und ohne Amt", machte er es bei seiner Ansprache kurz. Dann erwähnte er "seine" Pilger wie die Habsberg-Wallfahrer, die Jakobusbrüder und Schwestern der Bamberger Jakobusbruderschaft und viele weitere Organisationen und Einzelpilger. Besonders freute er sich über den Besuch der Pilgerfreunde aus Perugia, die aus 1000 Kilometer zu diesem Anlass anreisten. Nägel begrüßte sie namentlich.


Fürbitten in drei Sprachen

So war es in der Vesper auch nicht so überraschend, dass die Fürbitten in Deutsch, Spanisch und Italienisch vorgetragen wurden. Nach Rom oder Compostella führen letztlich die großen Pilgerwege.
Markus Nägel war es, der 2010 die Idee der Flurkapelle in der Sankt-Jakobus-Bruderschaft 1496 einbrachte. Architektin Elisabeth Sternecker aus Hetzles setzte seinen Entwurf um. 2012 entstand der Kapellenverein "Achtsam auf dem Weg". 2013 stimmte das Landratsamt Forchheim dem Vorhaben zu.
Ausführlich ging Markus Nägel vor den Gläubigen auf das Konzept und die ungewöhnliche, sogenannte oktogonale Bauform ein. Als Vorbild diente die Kirche Santa Maria von Eunate, am Jakobsweg in Spanien gelegen.
Die Bauform ist in frühchristlichen Kirchen, auch im Heiligen Land zu finden. Das Betonfundament bezahlte Confrater-nitas aus Perugia. Das sei Symbol der Gemeinsamkeit. Die oben liegenden Fenster sollen den Schutz des Raumes vermitteln zum ungestörten Verweilen. Auf die farbigen, mundgeblasenen Lambertsgläser sei man besonders stolz. Zwischen Dachstuhl und Fenstern finden sich die vier Kardinaltugenden Tapferkeit, Gerechtigkeit, Klugheit und Mäßigkeit. Dazwischen die christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe. Zentrum bildet der Altar, ein naturbelassener Eichenstamm. Die umlaufenden Bänke, nach dem Motto "Keiner sitzt hinten oder vorne", stammen aus dem ehemaligen Kloster St. Anton in Forchheim. Das schlichte Kreuz mit der Dornenkrone symbolisiert das Leid dieser Welt. Über dem Ausgang findet sich die symbolhafte Aufschrift "Quo Vadis", wohin gehst du.


Nur durch Spenden finanziert

Das umlaufende Vordach soll Schutz vor Sonne und Regen bieten, den Pilgern ein Dach über dem Kopf. Eine Bienenweide daneben soll den Umweltgedanken fördern, eine Zisterne als Nachhaltigkeit für die Zukunft dienen, indem sie Wasser für die Anlage liefert.
Eine Infotafel informiert den Wanderer über die Verbundenheit mit dem Jakobsweg. Finanziert wurde der Bau ausschließlich über Spenden von Vereinsmitgliedern, Förderern, der lokalen Banken Sparkasse und Vereinigte Raiffeisenbank und der Confraternita di San Jacopo di Compostella. Natürlich brauchte es vieler freiwilliger Helfer und einen Initiator wie Markus Nägel, dem es gelungen ist, einen Lebenstraum zu erfüllen.
Diser Ort der Ruhe und Besinnung soll die gegenseitige Rücksichtnahme und den interreligösen Dialog fördern.
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