Igensdorf
Hilfe

Ein Aufkleber, der Leben retten kann

Die Erfahrung lehrt, dass sich Kinder im Brandfall meist in ihrem Zimmer verstecken.
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Stefan Langenhan unterrichtet die Kindergartenkinder zum Thema Sicherheit.  Fotos: Petra Malbrich
Stefan Langenhan unterrichtet die Kindergartenkinder zum Thema Sicherheit. Fotos: Petra Malbrich
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Igensdorf 500 postkartengroße Aufkleber sind auf einem Tisch im Feuerwehrhaus in Igensdorf aufeinandergestapelt. "Kinderfinder" steht in weißer Schrift auf dem blauen Untergrund. Daneben ein roter Pfeil, der in ein gelbes Dreieck zeigt. Dort sind ein Kind, ein Teddy, eine Leiter und eine große Feuerflamme schwarz aufgedruckt.
"Was macht ihr, wenn es brennt?", fragt Zweiter Kommandant Stefan Langenhan die zehn Kindergartenkinder aus dem Igensdorfer Kindergarten, die aufmerksam den Erklärungen lauschen. "Dann gehen wir aus dem Fenster raus", ruft ein Junge.


Ein Geräusch wie in "Star Wars"

Jugendwart Sascha Ameis kleidet sich in der Zwischenzeit um, schlüpft in die Spezialhose und die Spezialjacke, bindet die Flaschen mit Atemluft auf den Rücken, setzt die Maske auf und verbindet den Schlauch von den Atemluftflaschen mit der Maske. Ein schnorchelndes Atemgeräusch entsteht. Wie bei der "Star-Wars-Figur Darth Vader etwa. Den kennen die Kinder. Diese seltsamen Atemgeräusche kann Kindern Angst machen. Gerade im Ernstfall, wenn es dunkel ist, wenn die Angst vorm Feuer die Kinder ohnehin schon packt und lähmt.

"Die Kinder verstecken sich aus Angst vor dem Feuer und der Hitze unter dem Bett oder im Schrank", weiß Langenhan aus Erfahrung. Sie suchen dann einen Raum auf, in dem sie sich sicher fühlen. In der Regel ist das das Kinderzimmer.


In geduckter Haltung

Der Atemschutztrupp und der Sicherheitstruppen suchen dann im Brandfall das ganze Haus ab, um das vermisste Kind zu finden. Wo sich welche Räume in einem fremden Haus befinden, wissen die freiwilligen Helfer aber in der Regel nicht.

"Den Kinderfinder klebt ihr an eure Zimmertür. Dann wissen die Atemschutzträger, wo sie zuerst suchen müssen", erklärt Langenhan den aufmerksam lauschenden Kindergartenindern. Das ist die Idee, die hinter dem Aufkleber steht.

Ins untere Drittel soll der Aufkleber außen an der Tür angebracht werden. Denn der Rauch steigt nach oben und die Atemschutzträger durchsuchen deshalb in Kriechstellung das Haus. Da der Kinderfinder aus einer phosphoreszierenden Folie besteht, leuchtet der Aufkleber im Dunklen.
Der Feuerwehrhelfer weiß dann sofort, wo er primär suchen muss. . Durch Zufall ist Langenhan, der Jugendwart war und eine vierjährige Tochter im Kindergarten hat, auf den Kinderfinder gestoßen. Den gibt es nämlich bislang nur in einigen Bundesländern. In Niedersachsen beispielsweise. Der Zweite Kommandant, der diese Aktion in Igensdorf starten wollte, hatte große Schwierigkeiten, den Kinderfinder zu organisieren.


Viel gelernt

Schließlich kümmerte sich das Versicherungsbüro Martin Riedel darum und sponserte 500 dieser Aufkleber. Hätte Langenhan sie drucken lassen, wäre es ein teures Projekt geworden. Ein Aufkleber kostet 3,08 Euro ohne Mehrwertsteuer.

Wenn mit der Aktion ein Kind gerettet wird, war es die Aktion wert, lautete der Kommentar des Sponsors, der aber nicht im Feuerwehrhaus dabei war, als die Kinder über die Rettungsschere, den Sprungretter und die vielen anderen interessanten Geräte in dem Feuerwehrauto staunten. Für den Ernstfall haben die vier Gruppen des Igensdorfer St.-Georgs-Kindergarten auf alle Fälle schon einiges gelernt.
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