Kirchehrenbach

Ehrenbach: schmales Gewässer, großes Risiko

Wie ein Trichter nimmt der Ehrenbach eine Vielzahl kleinerer Bäche ins sich auf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Ehrenbach führt in regelmäßigen Abständen Hochwasser, wie zuletzt die Gemeinde Kirchehrenbach schmerzlich erfahren musste. Foto: Pauline Lindner
Der Ehrenbach führt in regelmäßigen Abständen Hochwasser, wie zuletzt die Gemeinde Kirchehrenbach schmerzlich erfahren musste. Foto: Pauline Lindner
Haidgraben, Seebach, Mittelehrenbacher Talwiesengraben, Oberer und Unterer Moritzbach, Leitenweggraben, Meiselgutgraben, Eschenbach, Hellerichbach: Noch nie gehört, diese Namen?
So heißen die Bäche, die in den Ehrenbach münden. Knapp 30 Kilometer Fließgewässer sind es, die den Talgrund von Oberehrenbach bis Kirchehrenbach entwässern.

Wie ein Trichter fängt der Ehrenbach sie alle auf und entlässt sie dann nördlich von Kirchehrenbach wieder in die Wiesent. Diese schmale Form des Tales birgt Hochwassergefahren. Insbesondere Kirchehrenbach musste das in den vergangenen Jahren schmerzlich erfahren. Deshalb haben sich die Gemeinden Kirchehrenbach und Leutenbach zusammengetan, um ein Gewässerentwicklungskonzept erarbeiten zu lassen. Max Wehner vom Fachplanungsbüro Team 4 Landschafts- und Ortsplanung stellte es den beiden Gemeinderäten in einer gemeinsamen Sitzung vor.
Die Entscheidung, ob auf Basis dieses Konzepts weitergemacht werden soll, treffen die Gremien in ihren nächsten Sitzungen.

Ziel des Entwicklungskonzepts ist eine Wiederherstellung des ursprünglichen Gewässerflusses mit Räumen, in denen sich Wassermassen ausbreiten können. Damit sollen die Spitzen von Hochwassersituationen entschärft werden.

Einig waren sich die Kirchehrenbacher Räte, dass ein Schutz vor einem HQ 100 - einem Regenfall, wie er in dieser Intensität nur einmal in 100 Jahren vorkommt - für Kirchehrenbach nur durch einem über zehn Meter hohen Damm erreichbar ist. Aber schon weitaus geringere Wassermengen lassen den Ehrenbach vor allem in seinem bebauten Unterlauf und in Mittelehrenbach über die Ufer treten.


Kaum Spielraum

In den Oberläufen der Gewässer, die dort ein Gefälle von sechs bis acht Prozent haben, sind nur wenige Maßnahmen nötig, denn sie sind in einem naturnahen Zustand. Aber Rückhalte lassen sich dort nicht in sinnvollen Größen schaffen.

Aus diesem Grund konzentrierte sich Wehner im Wesentlichen auf den Hauptgewässerlauf. Hier spielen Faktoren wie die Umwandlung von Wiesen in Äcker und Verrohrungen sowie Uferverbauungen eine große Rolle.
"Der Zustand des Ehrenbachs hat sich in den letzten 100 Jahren durch Einbauten verschlechtert", bestätigte auch der Sitzungsleiter, Leutenbachs Bürgermeister Florian Kraft (FW). "Bebauung bis Knirsch" nannte Wehner die Situation in etlichen der Ortschaften am Bach. Hier könne wenig eingegriffen werden. Dafür sollten die vorhandenen Lücken so renaturiert werden, dass zumindest streckenweise der Bach durch ein weiteres Bett langsamer fließe und zum Beispiel auch Sand und Geschiebe ablagern könne. Besonders in Mittelehrenbach gibt es eine wenig veränderbare Engstelle.

Hier riet Wehner zu einem weiträumigen Bypass nach Westen zu, den der Ehrenbach bei hohem Wasserstand nehmen könne. In den Strecken zwischen den Orten sieht er die Chance, dass der Bach sich seinen gewundenen Lauf selbst schafft, wenn man Steine als Uferbebauung entfernt und die Bäume als regulierendes Mittel belässt.
In kanalartigen Strecken sollten Störsteine eingebracht werden, um andere Fließverhältnisse zu schaffen. Das kommt der Natur und zuletzt auch den Menschen in den abwärts gelegenen Siedlungen zugute.

"Alles, was im Oberlauf versiegelt wird, kriegen die Kirchehrenbacher ab", wies Wehner nochmals auf das untrennbare Bachgefüge hin. Aus den Beiträgen der Kirchehrenbacher Ratsmitglieder ließ sich hier ein Unterton des Zweifels heraushören, die höhergelegenen Leutenbacher gingen das zeitaufwendige Entwicklungskonzept nicht mit der nötigen Energie an. "Es muss ein Wille dahinterstehen", kritisierte Georg Maltenberger (FW Kirchehrenbach) die vorgebrachten vergeblichen Versuche des Grunderwerbs für Bach- und Hochwassermaßnahmen im Leutenbacher Gemeindegebiet.


Söders Füllhorn

Möglich sind selbst kleinere Maßnahmen nur, wenn die Kommunen Geländestreifen beiderseits des heutigen Bachlaufs erwerben können, vor allem dort, wo sich das Gelände für Flutmulden eignet. "Schlagen Sie zu, solange das Füllhorn von Markus Söder noch voll ist", riet Wehner, denn das vom Heimatminister aufgelegte Förderprogramm unterstützt auch den Grunderwerb und die Vermessungskosten bis zu 75 Prozent.
Gleichwohl weiß Wehner, dass der Grunderwerb eine Arbeit von Jahren ist. Er riet dazu, angebotene landwirtschaftliche Flächen zu erwerben, um sie als Tauschflächen für die Uferstreifen den Grundeignern anzubieten. "Alles, was irgendwie zurückhält, ist immer gut", bilanzierte Wehner.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren