Egloffstein
Energieversorung

Egloffstein will die Kraft des Wassers nutzen

Egloffstein und Obertrubach wollen die Energiewende. Ein Anfang ist gemacht. Die Mühlen im Trubachtal sind eine echte Chance.
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Das Egloffsteiner Wasserrad als Vorbild: 2007 von einer "Wassergemeinschaft" mit 100.000 Euro finanziert und aufgestellt, liefert es bis zum heutigen Tag unermüdlich Strom. Foto: Reinhard Löwisch
Das Egloffsteiner Wasserrad als Vorbild: 2007 von einer "Wassergemeinschaft" mit 100.000 Euro finanziert und aufgestellt, liefert es bis zum heutigen Tag unermüdlich Strom. Foto: Reinhard Löwisch
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Mit einem Energiekonzept für das obere Trubachtal wollen die Gemeinden Egloffstein und Obertrubach den Ausstieg aus der Nutzung der Kernkraft zur Energiegewinnung meistern. Mit "Auftaktveranstaltungen" wie dieser im Gasthaus Schäfer für die Gemeinden Egloffstein soll die Bevölkerung zur Mitarbeit motiviert werden.

Stefan Tralau vom Institut für Nachhaltigkeit in Schnaittach, den die beiden Gemeinden mit der Erstellung eines Konzepts beauftragt hatten, legte in einem Vortrag seine Vorstellungen und Überlegungen dar. Die Arbeit beginnt demnach schon bald mit einer Fragebogenaktion, die jetzt im November starten soll und bei der die Bürger aufgefordert werden, ihre Vorstellungen zur Energieversorgung darzulegen und die eigene Energieversorgung aufzuzeigen, damit ein Ist-Zustand erreicht wird. Aus den daraus gewonnenen Informationen soll ein noch zu gründender "Arbeitskreis Energie" ein Konzept erarbeiten, das auch die schon vorhandenen Kapazitäten einbezieht. Und da sieht es schon sehr gut aus.

Zum einen gibt es ein kleines, mit Hackschnitzeln betriebenes Blockheizkraftwerk, das derzeit die Schule mit Heizenergie versorgt. Dieses könnte erweitert werden, um Strom zu erzeugen.

Mit der Abwärme könnte man mittels einer Ringleitung neben der Schule auch das Freibad, den Kindergarten und andere Großabnehmer wie das Hotel Post mit heißem Wasser für die Heizung versorgen.
Der Strom könnte in das gemeindeeigene Netz eingespeist und ebenfalls an Großabnehmer wie die Bäckerei Wirth oder Handwerksbetriebe preiswert weiter verkauft werden.

Sollte sich das alles rechnen, könnte man sogar das obere Dorf in Egloffstein mit einer weiteren Warmwasserringleitung anschließen. "Interessenten wären jetzt schon da" meinte Tralau optimistisch.

Kommunalbetrieb notwendig

Zum anderen sieht Tralau noch Erweiterungsmöglichkeiten mit der Stromgewinnung durch Wasserkraft. 17 Standorte ehemaliger Mühlen hat er im Trubachtal ausgemacht, "die man reaktivieren könnte": mit dem Einbau von Wasserrädern, mit Turbinen oder Wasserkraftschnecken. "Der große Vorteil der Wasserkraft ist die ständige Verfügbarkeit und damit die höhere Auslastung im Vergleich beispielsweise zur Windkraft", sagte Tralau.

Um diese Ziele zu erreichen, so Tralau weiter, sollte sich eine Genossenschaft gründen, die das Energiekonzept vorantreibt. Außerdem müsste die Gemeinde einen Eigenbetrieb errichten, dem dann das Stromnetz, das Freibad und die Wasserversorgung gehört, riet der Fachmann. Mit der Konstellation könne kostengünstig gearbeitet, Gewinne könnten mit Verlusten (zum Beispiel im Freibad) gegengerechnet werden. Tralau: "So agieren auch Großstädte wie Nürnberg oder auch Ebermannstadt."

Ein Vertreter des Amts für ländliche Entwicklung in Bamberg meinte, dass bis zum Frühjahr das Konzept stehen sollte. Mit 75 Prozent bezuschusse seine Behörde das Energiekonzept, nicht aber die Umsetzung. Die müsse aus anderen Töpfen finanziert werden, beispielsweise durch Einlagen von Bürgern oder staatliche Zuschüssen.

Geld und Wertschöpfung bleiben im Ort

Tralau berichtete von einem Dorf mit 1800 Einwohnern, das vier Millionen Euro bei den Bürgern einsammelte, um damit das Energiekonzept umzusetzen. Von ähnlichen Erfolgen berichtete Georg Hofrichter, der von Amts wegen als Energieberater dabei mithalf, in Breitenbrunn im Altmühltal eine Hackschnitzelheizung zu installieren, die das ganze Dorf mit Energie versorgt. Vier Jahre hat er gedauert, "der Traum von der energetischen Selbstversorgung", seit Dezember 2012 ist er umgesetzt. Und das Beste daran, so Hofrichter, weiter: "Das Geld und damit die Wertschöpfung bleibt im Dorf, und alle können daran partizipieren."

Alfred Ledig von der Egloffsteiner "Bürger-Werkstatt" sicherte die Mithilfe seines Bürgerforums bei allen Projekten zu. Dazu gehört auch die Sanierung des Marktplatzes. Diese habe aber nichts mit dem Energiekonzept zu tun, versicherte Tralau. Man will trotzdem versuchen, die maroden Bauwerke einer neuen Nutzung zuzuführen und das drohende Ausbluten des Ortskerns zu verhindern.

Bürgermeister Stefan Förtsch(CSU) meinte: "Egloffstein ist seit Jahrzehnten ein Mekka der Wasserkraftnutzung. Das Potenzial ist jedoch bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Hier soll zukünftig eine stärkere Nutzung erfolgen. Der Markt Egloffstein geht diese Herausforderungen aktiv an".

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