Heiligenstadt
Tradition

Doppeltes Jubiläum wird in Heiligenstadt gefeiert

Zwei historische Ereignisse ließen die Kirchweih in Heiligenstadt zu einem besonderen Fest werden.
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Foto: Carmen Schwind
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Weltliche und geistliche Feste an einem Wochenende zu feiern, das ist in Heiligenstadt kein Problem. "Heiligenstadt, so heißt es im Volksmund, das seien zwei Lügen in einem Wort. Denn der Ort sei weder heilig, noch eine Stadt", schreibt Heide-Maria Thies in ihrer kurzen Chronik zum Kirchenjubiläum, das am vergangenen Wochenende von der katholischen Kirchengemeinde Sankt Paul gefeiert wurde.

Am 27. März 1966 war die erste Pauluskirche von Weihbischof Johannes Lenhardt geweiht worden. "Doch diese Kirche war bereits nach 20 Jahren baufällig geworden", berichtete Patronatsherr Christoph von Stauffenberg.
Deshalb wurde an gleicher Stelle die neue Kirche gebaut, die am 22. Juni 1986 von Erzbischof Elmar-Maria Kredel geweiht wurde.
"Wir feiern also 50-jährige und 30-jährige Kirchweih", erzählte der Patronatsherr.
"1693 berief Fürstbischof Marquard Sebastian von Stauffenberg Franziskaner, die in der Schlosskapelle von Greifenstein an allen hohen kirchlichen Festtagen eine Heilige Messe halten sollten", schreibt Thies. Das Patronatsrecht hatte seit 1836 die Familie von Stauffenberg inne.

Während die jetzige Kirche erbaut wurde, durften die Katholiken die evangelische Sankt-Veit-Michaelskirche nutzen. Vor ebenfalls 50 Jahren bauten Baptisten am Stüchter Berg eine Begegnungsstätte mit der weit sichtbaren Christuskirche. In Markt Heiligenstadt - auch wenn es sich nicht um eine Stadt handelt - wird Ökumene gelebt: drei Kirchen, drei unterschiedliche Konfessionen.

Neben den Jubiläen der katholischen und der freikirchlichen Kirchengemeinde feierten die Heiligenstadter auch noch ihre jährliche Sommerkirchweih unter den Linden am Platz vor dem Rathaus. Hier benötigte der zweite Bürgermeister Hans Göller (SPD) am vergangenen Freitag drei Schläge für den Bieranstich.

Festwirt Roland Aichinger organisierte das Fest in diesem Jahr alleine - ohne Hilfe von Vereinen. Die Mitglieder vom "Treff der Jugend" betrieben die Cocktailbar und verkauften heuer erstmals Pizza. "Es ist wichtig, dass sich jemand kümmert, sonst würde in der Gemeinde noch weniger stattfinden", meinte Hans Göller.

Aichingers Vater war vor fünf Jahren plötzlich verstorben, sodass der 31-Jährige das Unternehmen unerwartet übernehmen musste. "Da wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Aber jetzt nennen mich die Leute hier den Bierbaron von Heiligenstadt", lacht Aichinger. Er hatte sicherheitshalber nicht nur Bänke unter freiem Himmel, sondern auch ein Zelt aufstellen lassen. Trotz Wetterumschwung konnte in Heiligenstadt am vergangenen Wochenende deshalb viel gefeiert werden.

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