Pretzfeld
Weihnachtszeit

Die wilden Krippen von Georg Haas

Georg Haas hat ein großes Hobby: Der 73-Jährige aus Pretzfeld ließ in sechs Jahren eine außergewöhnliche Krippenanlage entstehen. Sie kann besichtigt werden.
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Georg Haas zeigt gern seine Krippe, zu der auch bunte Gebäude gehören. Fotos: Roppelt
Georg Haas zeigt gern seine Krippe, zu der auch bunte Gebäude gehören. Fotos: Roppelt
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Schon beim ersten Anblick hält der Betrachter inne und lässt das Gesamtkunstwerk auf sich wirken, bevor er in der Lage ist, mit dem Erbauer des Krippen-Arrangements darüber zu diskutieren.
In einer sechsjährigen Bauzeit entstand eine Krippe der besonderen Art, die der Seniorchef der gleichnamigen Pretzfelder Edelbrennerei, Georg Haas, entstehen ließ. Dass er mit Destillaten umgehen kann, ist weit über die Ortsgrenzen bekannt, aber kaum einer wusste von seiner künstlerischen Ader, die er jährlich in jeweils dreiwöchigen Kursen in der Bamberger Krippenbauschule von erfahrenen Handwerksmeistern in praktischer Sicht vervollständigte. Haas erinnerte sich an die Zeit gegen Ende des Krieges zurück, in einer Zeit in der es für Kinder kaum Spielzeug gab.
"Daher war für mich als damals Sechsjähriger ebenso wie für alle Kinder Weihnachten trotz der spärlichen Geschenke ein Hochfest und ganz besonders freuten wir uns auf die Krippen mit ihren geschichtsträchtigen Figuren, wie sie in den meisten Bauernhäusern aufgestellt waren. Die Weihnachtsgeschichte war allen bekannt, aber irgendwie faszinierte sie jährlich auf's Neue." Das alles hat sich bei dem Hobby-Künstler so stark eingeprägt, dass er sich in alten Büchern so gut wie möglich über die verschiedenen Baustile, Formen und Farben informierte, mit dem Ziel, die Erinnerung an früher zumindest im Modell Wirklichkeit werden zu lassen.

Orientalischer Baustil

Obgleich der Pretzfelder ein Urfranke ist, hat er dennoch dem orientalischen Baustil gegenüber dem fränkischen den Vorzug gegeben. Und so machte er sich daran, die Geburtsstätte Jesu in Bethlehem möglichst so zu gestalten, wie es alte Überlieferungen weitergeben. "Baupläne gibt es nicht und so kann jeder Krippenbauer seine Phantasiewelt und damit sein eigenes ich in die Gestaltung einbringen", sagt Haas.
Baumaterial wie Felsenimitationen lieferte ganz in der Nähe der aus dem Wald kommende "weiße Bach" (bei Wannbach), in dem noch immer Sinter-Steine (stark verkalkte unterschiedliche Gehölze) zu finden sind, die sich bestens für eine Höhlenkulisse eignen, denn schließlich mag es jedem selbst überlassen bleiben, so Haas, ob das Jesuskind in einem Stall oder einer Art Höhle geboren wurde. Und da die Geburtsstätte zum gesamten Krippenarrangement passen soll, wurde aus drei unterschiedlichen Modellen die Steinvariante eingepasst.

Liebe zum Detail

Nur eines durfte in dem etwa fünf Meter breiten Gesamtkomplex nicht fehlen: das sind das Stadttor von Bethlehem sowie das Haus Nazareth, in jenem Haus, in dem der Erzengel Gabriel zu Maria kommt und ihr die Geburt ihres Sohnes Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes ankündigt.
Das Stadttor von Bethlehem ist das Tor, durch das Maria und Josef wieder nach Bethlehem zurückgekehrt sind. Auch bei den eingefügten Restbauten ist die Liebe zum Detail unverkennbar. So wird das oft übliche Sahara-Beige der Gebäude von rot- oder blau schattierten Hauswänden, der Erbauer-Phantasie entstammend, jäh unterbrochen, und dennoch stimmt die Symbiose der Gesamtanlage, bei der lediglich die Krippenfiguren im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte durch Zukauf gesammelt wurden.
"Der Phantasie so weit wie möglich freien Lauf zu lassen, das ist für mich die Faszination am Krippenbau", so der Hobby-Künstler, und damit wird die Krippe zur Individualität. Endgültig fertig wird die Krippenanlage, um die am Heiligen Abend nach der Christmette die gesamte Großfamilie Haas zusammen sitzen wird, in voraussichtlich zwei Jahren. Bis dahin werden neben einem Wasserfall noch weitere Details eingebaut. Eigentlich ist es für den 73-jährigen Haas eine Lebensaufgabe, denn der Krippenkomplex ließe es zu, ständig mit irgendwelchen schönen Natur-Modellen erweitert zu werden. Viele seiner Kunden erledigen gerade in der Weihnachtszeit den Einkauf der Destillate, damit auch den Kindern abseits des Computers gerade durch die Krippe christliche Werte interessant veranschaulicht werden.
Interessierte können die Krippenanlage während der üblichen Geschäftszeiten besichtigen.
An den Haupttagen (3. und 4. Adventssamstag) wird neben Erläuterungen des Krippenerbauers der Juniorchef, Johannes Haas, seine Probierstube von 9 bis 14 Uhr öffnen und seinen Gästen zur Einstimmung auf die Vorweihnachtszeit.

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