Baiersdorf
Urlaubsgrüße (24)

Die schärfste Stadt auch ohne Scharfeneck

Heute wird Baiersdorf mit Meerrettich verbunden. Einst prägte ein großzügiges Schloss das Bild der Stadt, bis es während des Schwedenkrieges zerstört wurde.
Artikel drucken Artikel einbetten
Stich von Baiersdorf aus dem 18. Jahrhundert: Links ist noch die Ruine des Schlosses Scharfeneck zu sehen, die in den folgenden Jahrzehnten Stück für Stück abgetragen wurde. Archiv: Reinhard Löwisch
Stich von Baiersdorf aus dem 18. Jahrhundert: Links ist noch die Ruine des Schlosses Scharfeneck zu sehen, die in den folgenden Jahrzehnten Stück für Stück abgetragen wurde. Archiv: Reinhard Löwisch
+1 Bild
Die 650 Jahre alte Stadt Baiersdorf, 1062 erstmals erwähnt, galt schon immer als ein wichtiger Halt an der Verkehrsader von Nürnberg nach Bamberg. Damals wie heute. Wirtschaftlich sieht sich der Ort mittlerweile auch als "schärfste Stadt" Bayerns, weil die beiden führenden Meerrettich-Hersteller ihren Sitz hier haben.

Das erste Dokument

"Wir, Karl von Gottes Gnaden römischer König, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches und König zu Böhmen, bekennen und tun öffentlich kund mit diesem Brief allen denen, die ihn sehen oder lesen hören, dass wir angesehen und geachtet haben die getreuen nutzbaren Dienste, die uns und im seligen Angedenken allen Durchlauchtigen römischen Kaisern und Königen, unseren Vorfahren und dem heiligen Reiche die Edlen Johann und Albrecht Burggrafen zu Nürnberg unser und desselben Reiches liebe Getreue bis hier her getan haben und weiterhin
tun mögen und sollen." So lautet der Text der Stadtgründungsurkunde von 1353, ausgestellt von Kaiser Karl IV.

Damit wurde der wirtschaftliche Grundstein für die Entwicklung des Dorfes gelegt und seither hat sich Baiersdorf sehr gut entwickelt. "Die Wirtschaft hat bei uns eine klare Perspektive", schreibt die Stadt stolz auf ihrer Homepage und weiter: "Die bieten wir auch Existenzgründern und jungen Unternehmen mit unserem Gewerbehof. Die wirtschaftliche Stärke zeigt sich in den kommunalen Finanzen. Seit Jahren reduziert die Stadt konsequent ihre Schulden und ist finanziell leistungsfähig und für die Zukunft gut gerüstet."

Immer mehr Einwohner

Die wirtschaftlich gesunde Situation spiegelt sich auch in der Bevölkerungsentwicklung wider. Baiersdorf hatte 1939 rund 2000 Einwohner. Mit den Eingemeindungen zählte die Stadt 1978 schon 5631 Einwohner und nach eigenen Angaben Anfang 2015 bereits 7722 Einwohner (mit Nebenwohnsitz).

In Baiersdorf gibt es für Gäste einiges zu entdecken. Ganz oben steht natürlich das Meerrettichmuseum, eine Initiative des örtlichen Heimatvereins und der Familie Schamel. Es wurde anlässlich des 150. Firmenjubiläums eingerichtet und am 11. April 1997 eröffnet. In dem kleinen Wohnhaus sind sehr viele Exponate zu finden, die sich mit der Geschichte des Krenanbaus befasst, der 1788 erstmals in einem Reiseführer erwähnt wurde. Hauptattraktion ist die lebensgroße Nachbildung eines "Krenweibes" in fränkischer Tracht und mit "Huckelkorb", in dem sie die Krenstangen in den Dörfer und Städten ringsum verkauften.

Es regiert Königin Isabella I.

Damit steigerten sie den Bekanntheitsgrad des gesunden Gemüses, was Baierdorf heute zu Deutschlands "Krenhauptstadt" werden ließ. Seit dem Jahr 2003 sorgt die "Bayerische Meerrettichkönigin", derzeit Isabella I., als Produktkönigin für die weitere Verbreitung des "Kren", wie der Meerrettich in Franken genannt wird.

Sehenswert sind auch die drei Kirchen in der Stadt, die teilweise schon seit 1130 nachgewiesen sind, und auch der Judenfriedhof, mitten in der Stadt gelegen, ist einen Besuch wert. Die ältesten Grabsteine stammen wahrscheinlich noch aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts und liegen im Südteil, während der nördliche Teil Grabsteine neueren Datums enthält, der jüngste stammt aus dem Jahre 1937. Bemerkenswert ist die Tatsache, wie Baiersdorf ans Wasser kam. So schreibt die Stadt auf ihrer Homepage: "Wahrscheinlich haben die Kreuzritter die Wasserräder im Orient kennengelernt und diese Bewässerungsmethode hier eingeführt." Schriftlich wurden sie erstmals 1413 erwähnt.

In Deutschland sind noch wenige Wasserschöpfräder erhalten und zwar nur hier an der Regnitz. Vor 75 Jahren gab es in der Gemarkung noch 18 Wasserräder. Eichmeister und Wassergrafen überwachten noch Mitte des 17. Jahrhunderts alle Aktivitäten rund um die Wasserräder, die als Doppelrad ausgeführt 480 Liter Wasser pro Umdrehung "schöpfen" konnten.

In diesem Zusammenhang muss der Jungfernbrunnen genannt werden. Das Quellwasser wurde im Mittelalter mit Holzrohren über eine Entfernung von mehr als einen Kilometer nach Baiersdorf transportiert, wo es an die 50 Brunnen speiste und so den Einwohnern kurze Wege zum Wasser holen bescherte.

Gedenkstein erinnert an Schloss

In der Nähe des Jungfernbrunnens, der vor einigen Jahren neu gefasst worden ist, stand früher das Schloss Scharfeneck, ein riesiges, fast im Quadrat angeordnetes Gebäude, welches 1553 zum ersten Mal und 1632 während des Schwedenkrieges ein zweites Mal zerstört wurde. Bis 1829 wurden dann alle Reste der stolzen Wohnanlage und ehemalige Residenz des Burggrafen von Nürnberg restlos abgetragen. Heut erinnert eine kleine Anlage mit Gedenkstein an diese Zeit.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren