Wimmelbach

Die Wimmelbacher haben die Nase voll

Rund 30 Wimmelbacher wollen sich gegen den starken Durchgangsverkehr wehren.
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In Wimmelbach geht es hoch her. Foto: Erlwein
In Wimmelbach geht es hoch her. Foto: Erlwein
Als Richard Geiger vor 53 Jahren mit seinen Eltern nach Wimmelbach zog, war die B470 noch eine Schotterstraße. Der 60-Jährige erinnert sich noch genau an diese Zeit. Das Haus seiner Familie in der Burker Straße liegt direkt an der Trasse, die heute den Anwohnern große Sorgen bereitet, weil der Durchgangsverkehr stark angestiegen ist.

Vor allem der Schwerlastverkehr hat seit der Öffnung der Forchheimer Südumgehung vor rund einem Jahr enorm zugenommen. Für Geiger und viele Wimmelbacher ist dieser Zustand nicht mehr tragbar. Sie fühlen sich durch den Verkehr zunehmend belästigt, haben Sorge besonders um die Schulkinder. Viele Verkehrsteilnehmer fahren viel zu schnell durch die Ortschaft. Und Radarkontrollen finden nur ganz selten statt, berichten Anwohner.
Aus diesem Grund haben sich betroffene Bürger aus Wimmelbach an diesem Wochenende in der Sportgaststätte getroffen. Im Amtsblatt waren alle eingeladen, die sich vom gewachsenen Durchgangsverkehr durch den Ort belästigt fühlen. Rund 30 Wimmelbacher sind der Einladung gefolgt und haben diskutiert, wie man sich denn gegen diese Situation wehren kann. Die Initiatoren des Treffens, Roland Kraus und Ottilie Kupfer, fordern eine "harte Protestaktion". Denn während andernorts nach der Fertigstellung der Südumgehung über den Verlauf einer Ortsumgehung (Ostspange) diskutiert wird, sehen sich die Betroffenen an der B470 mit ihren Problemen von der Politik im Stich gelassen.


Es tut sich was in Wimmelbach

"Wir haben das auch an der Bürgerversammlung im letzten Herbst angesprochen, doch es tut sich nichts, wir müssen jetzt selbst das Heft in die Hand nehmen", begründet Ottilie Kupfer ihr Engagement. "Wir sollten handeln, bevor es den ersten Toten gibt", sagt Karola Pöhlmann.

"Im Bundesverkehrswegeplan ist für 2015 doch eine Umgehung drin", ist sich Helmut Sommer sicher. Doch ob und wann eine Umgehungsstraße tatsächlich kommt - darauf verlässt sich in Wimmelbach niemand mehr. "Wir haben Kinder, auch an deren Zukunft müssen wir denken", findet Herbert Stilkerich und fordert gleichzeitig: "Wir sollten ein Gremium bilden, damit wir besser organisiert sind."

Bei der Einladung im Amtsblatt seine die Initiatoren des Bürgerdiskussion namentlich nicht genannt gewesen. Sonst wären bestimmt noch viel mehr gekommen, ist sich Stilkerich sicher. Nach kurzer Debatte haben die Wimmelbacher ein Leitungsteam gegründet: Ottilie Kupfer, Jonas Kraus, Roland Wolf, Sebastian Kiehfaber, Peter Wandam, Richard Geiger und Ewald Kraus sind die Mitglieder.


Laster am laufenden Band

Die Wimmelbacher Bürgerinitiative will kurzfristig eine Verkehrsberuhigung in der Ortschaft erreichen. Langfristig soll freilich eine Umgehungsstraße gebaut werden, sagt Stilkerich. Besonders der ungebremste Lkw-Verkehr ist den Bürgern in Wimmelbach ein Dorn im Auge. "Jede Minute rollt während der Hauptverkehrszeit ein Laster durch", hat Gregor Zenk im Sommer auf seiner Terrasse beobachtet.


Kreative Protest-Aktionen

Um die Politik auf die "untragbaren Zustände im Ort" aufmerksam zu machen, können sich Bürger auch Protestaktionen vorstellen: "Wir könnten die Autos auf der Straße parken, um den Verkehrsfluss zu behindern", war eine der Ideen. "Mit Traktoren immer langsam durch den Ort fahren, dann kann keiner mehr durchrasen" eine andere. "Es muss jetzt einfach endlich etwas passieren", sagt Richard Geiger. Er sei es ein für allemal leid, nur noch weiter im abseits zuzusehen.

"In den 38 Häusern entlang der Burker Straße wohnen fast nur noch ältere Bürger", erzählt Geiger. Der Altersdurchschnitt liege bei über 60 Jahren "Die Jüngeren ziehen in ruhigere Wohngebiete. Die Straße stirbt langsam aus", sagt Geiger.

Auch Rudolf Zeidler ärgert sich über den vielen Verkehr in Wimmelbach. Der 82-Jährige engagiert sich lange Jahre im Gemeinderat und war sogar Dritter Bürgermeister der Gemeinde Hausen. "Schon bei der Einge-meindung 1971 war eigentlich eine Umgehungsstraße für Wimmelbach und Oesdorf geplant", erinnert sich Zeidler. Die Straße sei allerdings nie realisiert worden, erzählt er weiter. "Dann hat man 20 Jahre nichts mehr davon gehört. Das Zeckerner Kreuz wurde gebaut. Und mehr Verkehr für die kleine Ortschaft war die Folge. Durch die Forchheimer Südumgehung komme jetzt zum "normalen Verkehr" der Schwerlastver-kehr hinzu. "Das geht die ganze Nacht hindurch", ärgert sich Zeidler, der bei der Versammlung nicht dabei war.

Die Einladung im Amtsblatt sei für ihn verwirrend gewesen, sagt Zeidler. Doch wenn sich jetzt eine neue Bürgerinitiative ernsthaft engagieren wolle, wolle er den Protest gerne unterstützen. "Der ganze Ort leidet unter dem starken Verkehr. Ich habe schon viele Gespräche geführt, zuletzt vor einem Jahr mit Abgeordneten und dem Landrat", sagt Zeidler. Daran könne man anknüpfen.
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