Affalterthal
Fund

Die Sage von Spatzen und Jungfrauen

Ein Geotop, das in offiziellen Karten falsch verortet war, ist bei Affaltherthal lokalisiert worden. Sagen ranken sich um den geheimnisvollen Ort.
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Der Götzenstein. Hier in den Vertiefungen wurden angeblich Opfergaben dargebracht.
Der Götzenstein. Hier in den Vertiefungen wurden angeblich Opfergaben dargebracht.
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Es war viele Jahre lang ein Geheimnis, bis dato nur wenigen Geologen bekannt. Doch nun ist es endlich gelüftet. Die Rede ist von der "Bartelskirche", einer ungewöhnlichen Felsformation mit noch ungewöhnlicherer Geschichte.

Karl Körber aus Bieberbach ist zufällig darauf gestoßen und weil er von dem Thema schon immer begeistert war, hat er nachgeforscht und das Geheimnis gelüftet. Bisher vermutete man den in früheren Sagen als "uralten Druidenhain" betitelten Felsen im gleichnamigen Flurstück Bartelskirche zwischen Bieberbach und Affalterthal. Trotz jahrelanger Suche fand Körber den Stein im dortigen Waldstück nicht.

Im Zug von Vermessungsarbeiten an seinem Waldgrundstück in der Flur Altenreut, ein paar hundert Meter von der Flur Bartelskirche entfernt, fand er nun den Stein, der auf geologischen Karten falsch eingezeichnet ist.
Als Geotop wird er in amtlichen Karten geführt und steht in der Nähe des alten Kirchenwegs, der von der Schlehenmühle nach Affalterthal führt. Der rund sieben Meter hohe "Felsturm aus dolomitisierten Schwammkalken ist löchrig angewittert und zeigt horizontale Baustrukturen" schreibt das Bayerische Landesamt für Umwelt in seinem Geotopkataster. Die dort angegebenen Koordinaten sind aber nicht richtig, deshalb war der Standort des Geotops lange Zeit nicht zu finden.

Erst Körbers Suche in den Nachbargebieten brachte schließlich den Erfolg. Sein Interesse gilt dabei nicht nur der Felsformation an sich, sondern den Geschichten, die sich um den Felsen ranken.

In der Affalterthaler Pfarrchronik von 1915 fand er folgenden Eintrag von Pfarrer Johannes Bergdolt: "Der Name ,affalter' bedeutet auch ,Mistel'. Und die Mistel war für keltische Druiden heilig", woraus der damalige Chronist und Pfarrer schloss, dass es sich bei der Bartelskirche um einen Druidenhain handelt.

"Besonders auf dem fränkischen Jura hatten sie ihre Opferaltäre. Der ganze Landstreifen von Mistelgau bis Effeltrich, wo sich die Druiden vor dem Andringen des Christentums verbargen, zeugt heute noch mit seinen Ortsnamen und Flurnamen von der damaligen Zeit", schreibt der Chronist weiter zur Deutung des Ortsnamens Affalterthal.

Ein großer Felsblock neben der Bartelskirche, der flache Vertiefungen aufweist und in dem sich deshalb gern das Wasser sammelt, ist demnach ein so genannter Götzenstein gewesen. Der Überlieferung nach wurden hier in den Vertiefungen Opfer dargebracht.


Schutzstein

Der frühere Altbürgermeister von Bieberbach, Johann Ziegler, beschreibt in seiner Dorfchronik von 2006 eine ganz andere Nutzung: "Hierher haben sich die Dorfbewohner von Bieberbach bei Gefahr in Sicherheit gebracht." Das könnte sogar stimmen. Der Platz liegt knapp zwei Kilometer vom Bieberbach entfernt, mitten im Mischwald.
In der Zeit der Gegenreformation sollen laut Ziegler "bei der Bartelskirche sogar Gottesdienste stattgefunden haben". Das wäre nachvollziehbar wäre, denn es gab ständige Scharmützel zwischen den Bamberger (katholischen) Bischöfen und den (evangelischen) Dorfbesitzern derer von Egloffstein. Die Reformation samt Gegenreformation zog sich in den von Egloffsteinischen Herrschaftsbereich über 100 Jahre hin, konnte Bergdolt nachweisen.

Zur Namensdeutung findet sich eine weitere Variante im Internet (unter http:// www.boari.de/Flurnamen ), die zum Ergebnis kommt, "das Wort Bartelskirche ist lateinischen Ursprungs und bedeutet "Kleine Wiese eines Bartl oder Bartholomäus".

Von der Bartelskirche berichtet auch eine uralte Sage. Demnach haben dort drei Jungfrauen in einem kleinen Schloss gewohnt, die wegen Wassermangels ihre Wäsche jedoch drunten in der nahen Schlehenmühle wuschen. Eines Tages kam eine Herde Spatzen geflogen. Sie hockten sich auf die Wäsche und verunreinigten sie mit Kot. Erbost über diese Frechheit verwünschten die Jungfrauen die Vögel.

Bis auf den heutigen Tag sind seither keine Spatzen mehr im Schlehenmühler Tal gesichtet worden - und das stimmt. Darauf sind die Schlehenmühler heute noch stolz. Sie verweisen aber auch darauf, dass es bei ihnen eine Menge Spatzen fressender Raubvögel gibt und nennen diese prosaische Tatsache als Grund dafür, dass es keine Spatzen hier gibt.
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