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Kunreuth
Musik

Die Sänger verwöhnen ihr Publikum in Kunreuth

Maria Kintopp wurde auf die Bühne geholt und geradezu verehrt. Aber auch die übrigen Gäste kamen bei der zehnten A-Cappella-Nacht in Kunreuth auf ihre Kosten. Am Schluss gab es jedoch traurige Gesichter: Im nächsten Jahr wird die Veranstaltung nicht stattfinden.
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"TroubaDur" himmeln stellvertretend für das gesamt Publikum die Besucherin Maria Kintopp an. Fotos: Franz Galster
"TroubaDur" himmeln stellvertretend für das gesamt Publikum die Besucherin Maria Kintopp an. Fotos: Franz Galster
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"Heute geht es weiter mit dem KUSS, in Kunreuth werden die Sänger gruß", sang TroubaDur zusammen mit allen Besuchern und gab damit das Thema des Abends vor: KUnreuth Sucht den Supersänger (KUSS). So begann die zehnte A-Cappella-Nacht im Rathaussaal von Kunreuth, der absolute Höhepunkt des örtlichen Kulturlebens.

Ausrichter ist das Vokalensemble TroubaDur unter Leitung von Reinhard Potzner, der weitere Gruppen aus Waischenfeld, Kunreuth und Poxdorf in das Programm integriert hat. Nur wer schnell war, schaffte es in diesem Jahr, eine Karte für die Veranstaltung zu ergattern. Längst ist sie zu einem überregionalen Publikumsmagnet geworden, zu dem auch Gäste aus dem Raum München kommen. Zudem feierte TroubaDur sein 20-jähriges Bestehen.

Ernst Strian erklärte bei seiner Begrüßung für TroubaDur, man habe auch zwei Ärzte im Team, falls sich jemand trotz zweier Pausen wund sitze.
Vier Stunden tolles Programm waren in der Tat eine Herausforderung für die Veranstalter, für die Zuhörer war es sehr kurzweilig.

Ein weiter musikalischer Bogen

TroubaDur stellte seine Aufführung unter das Motto "Tanz der WampBiere". Das Repertoire spannte einen viel weiteren Bogen über alle Lebenslagen. Das Fränkische und seine Mundart dominierte, ein Blick weit über Deutschland hinaus fehlte aber auch nicht.

Zunächst ließ TroubaDur einen veränderten Elvis wieder aufleben und himmelte mit "Love me tender" die Besucherin Maria Kintopp wie einen Star an. Die Darbietungen führten unter anderem nach Australien oder auch in die Dom-Rep. TroubaDur sang "Volksmusik" aus der Volksrepublik und zeigte, was richtige Royals bevorzugen. Mit drei Ärzten im Chor musste die Volksgesundheit eine Rolle spielen mit "Entschuldigen Sie die Frage, es geht mir ja nichts an..." Auch "O Donna Klara" gehörte ebenso zum breiten Repertoire wie das bodenständige "Schäufala mit Kloß".

Im KUSS-Finale waltete eine attraktive, aber strenge Jury mit Brucilla (Katrin), Sylvie (Carolin) und Dieta (Silke) ihres Amtes. Ihr Urteil zu TroubaDur war hart: Mit 51 Jahren seien sie im Schnitt zu alt, mit 90 kg fielen sie aus der Wertung und außerdem gebe es hier einen Landratsbonus, das gehe schon gar nicht.

Die Jury erhält Verstärkung

"Was für ein musikalisches Feuerwerk", meinte die Jury hingegen zum Auftritt der Gruppe Sing Tonic. Mit Stücken wie "Short People" zeigte diese Gruppe ein vielseitiges musikalisches Repertoire und zwischenmenschliche Tonlagen gewürzt mit Leidenschaft und Spaß am Singen. Die Jury wollte sich mit einem weiteren Richter aus dem Publikum verstärken. Die Wahl fiel (natürlich zufällig!) auf Hermann Ulm. Brucilla fand heraus, dies sei ein Mann mit "viele Land und viel Rat". "Der spricht ja die Sprache der Einheimischen", war selbst Dieta überrascht, als Ulm typisch fränkisch "Bassd scho" oder "Hod bassd" urteilte.

Starken Beifall erhielt Sing Tonic, großes Aufsehen genoss anschließend die Gruppe "Vier-Zylinder-sticht". Es war das Comeback eines Familien-Quartetts mit Wurzeln in Poxdorf, das aus zwei Lehrerinnen und zwei Ärzten besteht. Beginnend "Mein kleiner grüner Kaktus" und "Wochenend und Sonnenschein" brannte die Gruppe ein Feuerwerk von Ideen ab, mit Liedern der Comedian Harmonists gepaart mit kleinen schauspielerischen Einlagen. Der Beifall für ihren Auftritt wollte kein Ende nehmen.

Lebhaft ging es auch zu beim Auftritt der "Chippendales aus der Fränkischen Schweiz", der Gruppe Belacanto Vocale aus Waischenfeld. Witz und Humor zeigten sie bei "A Wampn hamma und a Bier hamma", dazu präsentierten sie einen echten "VamBier". Peter Dahl leitete jeweils zwischen den Stücken über. Ein Witz und viel Lachen gehörten einfach dazu.

Letztlich vergab die Jury an alle Chöre die Bestnote und einen kleinen Pokal. TroubaDur wurde nachträglich disqualifiziert, weil das Mitwirken des Landrates bei TroubaDur und gleichzeitig in der Jury nicht akzeptiert wurde. Zum Schluss dirigierte Reinhard Potzner alle Gruppen im Gesamtchor mit dem Lied "Kunreuth is a wonderful place".

Die vorerst letzte Nacht?

Heinz Hofmann, Vorsitzender von TroubaDur, stellte fest, dass es viele Auszeichnungen in der Unterhaltungsbranche gebe. Es gebe aber keine allumfassende Ehrung für Chor, Leiter, Interpreten, Sänger und so weiter in einem. Deshalb habe TroubaDur eine solche Auszeichnung mit "Trambi" (aus TroubaDur und Bambi) geschaffen. Nur diese decke das Leistungsspektrum von Reinhard Potzner ab, der zehn Jahre lang die A-Cappella-Nacht mit großem Einsatz gestaltet und geleitet hat.

Zehn Jahre A-Cappella-Nacht bedeuten offenbar in Kunreuth eine Zäsur. Mit sichtlichem Bedauern vernahm das Publikum von Potzner, dass vorerst mit keiner weiteren Aufführung zu rechnen ist. Zumindest nicht 2015. Die stille Hoffnung bleibt, dass es danach irgendwie wieder weitergeht. Dafür verfügt TroubaDur schließlich über ein erhebliches Potenzial.

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