LKR Forchheim
Dürre

Die Natur im Landkreis schreit nach Wasser

Mit wachsender Verzweiflung warten die Landwirte des Landkreises Forchheim auf Regen. Und auch Waldbesitzer macht die anhaltende Trockenheit inzwischen nervös.
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Bei Pretzfeld hatten die Feuerwehren im August 2010 einen Flächenbrand zu löschen.  Foto: smü/Archiv
Bei Pretzfeld hatten die Feuerwehren im August 2010 einen Flächenbrand zu löschen. Foto: smü/Archiv
Der kritische Punkt ist in der Landwirtschaft inzwischen erreicht. Die Landwirte, aber auch die bayerischen Staatsforsten warten dringend auf Regen. Der ist für Freitag angekündigt. Erst für Freitag, werden jetzt einige sagen.

Denn zuvor erreicht die Waldbrandgefahr am heutigen Dienstag laut dem Deutschen Wetterdienst die Stufe 4 und damit die zweithöchste Gefahrenstufe überhaupt: "Eine Gießkanne für den Wald gibt es noch nicht", sagt Stephan Keilholz. Er ist Geschäftsführer der Bayerischen Staatsforsten Forchheim.
Hermann Greif, der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands, ist ebenfalls besorgt über die anhaltende Trockenheit: "Zehn bis 15 Liter würden schon genügen, um den Boden mit dem Notwendigsten zu versorgen."

Keilholz appelliert unter den gegebenen Bedingungen vor allem auch an die Menschen, sich in der Natur verantwortungsvoll zu bewegen. Das gelte vor allem für Raucher: Sie sollten ihre Zigaretten bloß nicht in den Wald oder in Wiesen werfen. Auf der anderen Seite sollten auch Waldbesitzer unbedingt davon absehen, Schnittgut zu verbrennen. Das sei derzeit schlichtweg zu gefährlich. Ab Mittwoch allerdings sinkt laut dem Wetterdienst die Waldbrandgefahr immerhin schon wieder auf Stufe 3.

Die Speicher sind leer
Die Situation ist also kritisch, für Panik gibt es dennoch keinen Anlass: "Die allgemeine Lage ist nicht mehr so dramatisch wie früher", informiert Keilholz. Besonders anfällig sei die Kiefer, doch durch das Zwischenpflanzen der Buchen - der Boden wird nach Austreiben der Blätter beschattet - sei die Waldbrandgefahr gesunken.
Aber:"Wir haben viele Tannen eingebracht. Diese brauchen dringend Feuchtigkeit", sagt der Geschäftsführer der Bayerischen Staatsforsten. Der Boden verfüge zwar noch über eine gewisse Restfeuchte, aber die Speicher seien leer.

Dringend nach Wasser schreien die sandigeren Böden, wie Greif betont. "Mairegen bringt Segen" laute ein Sprichwort, doch so lange könne man heuer nicht mehr warten. Ideal seien die beiden regnerischen Tage vor ungefähr vier Wochen gewesen. 40 Liter bis 45 Liter Wasser regnete es herab, bei wolkenbedecktem Himmel- perfekt für die kurz zuvor ausgebrachte Saat und Düngung.

Nun warten Sommergerste oder Zuckerrüben wieder dringend auf das Nass von oben. Auch bei den Wiesen gehe nichts so richtig vorwärts. Sie sind grün, das war es aber auch schon. Trockenschäden gibt es noch keine, aber Wärme und Nässe fehlen dort für den ersten Schub. Wer einen Garten mit einem leichteren, teils sandigen Boden hat, erkennt selbst, wie notwendig der Regen ist. Der Gartenbesitzer behilft sich mit dem Gartenschlauch, um seine Sträucher und Pflanzen mit dem kostbaren Wasser zu versorgen. Aber Bewässern ist in der Landwirtschaft ein Ding der Unmöglichkeit.

"Die wenigsten können bewässern", sagt Hermann Greif. Nicht an jedem Acker sei eine Anschlussmöglichkeit gegeben. Und woher das Wasser nehmen? Aus den Flüssen ist das nicht erlaubt. Und Pflanzen wie Mais oder Raps zu bewässern, lohne sich finanziell kaum. Vor allem finanziell gesehen.

Sandige Böden
So bleibt auch Greif nicht viel anderes möglich, auf Regen zu hoffen. Bleibe der Regen weiterhin aus, drohten mickrige Erträge. Im Obstanbau sei der fehlende Regen hingegen noch nicht das große Problem. "Die Obstbäume wurzeln tiefer", begründet dies Greif.

Entwarnung kann der Landwirt Reinhard Friedrich aus Wolmuthshüll für die höheren Juralagen in der Eber
mannstadter Gegend geben. "Es ist noch kein Wassermangel erkennbar", meint Friedrich. Der Grund dafür sind die eher schweren Böden, die im Gegensatz zu den wasserdurchlässigen sandigen Böden schon noch Speicher aufweisen. In zwei bis drei Tagen könne der Mais gesät werden. Dann werden die Landwirte zum Himmel blicken - und auf Regen hoffen.
 
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