Forchheim
Historie

Die Forchheimer Stadtgeschichte beleidigt die Nase manchmal ganz schön

Das Forchheimer "Endres-Haus" ist vielleicht keine Schönheit und riecht auch etwas streng. Es spiegelt allerdings realistisch den Alltag und das Geschäftsleben im Laufe der Jahrhunderte.
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Derart unordentlich präsentiert sich gegenwärtig das Forchheimer "Endres-Haus" in seinem Inneren. Fotos: privat
Derart unordentlich präsentiert sich gegenwärtig das Forchheimer "Endres-Haus" in seinem Inneren. Fotos: privat
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Dass sich auch Wissenschaftler bei ihrer Arbeit im Wortsinn die Hände schmutzig machen, hat jetzt wohl auch dem Letzten der Vortrag von Ingrid Winklmann gezeigt. Und auch ihre Nasen müssen sich die Forscher im Dienste der Wissenschaft schon einmal zuhalten.
Die Forchheimer Arbeitsgemeinschaft "Junge Altstadtfreunde" hatte die Kunsthistorikerin und Restauratorin als Referentin eingeladen, über das als "Endres-Haus" bekannte Gerberei-Anwesen zu berichten.

"Es war schon heftig"

Zu Beginn zeigte Winkelmann dem Publikum eine Spruchtafel mit dem berühmten Satz "Humor ist, wenn man trotzdem lacht". Die Tafel hat sie gefunden, als sie das "Endres-Haus" einmal genauer inspizierte. Unter all dem Gerümpel fand sie dann das Schild, dessen Spruch gar nicht besser zur Situation passen konnte: "Gut, dass es keine Geruchsfotos gibt. Es war schon heftig", sagte Winkelmann.

Aber wie kann das auch anders sein? Immerhin war das "Endres-Haus" früher eine Gerberei. Das bedeutet, dass dort unzählige Felle hängen. Außerdem hantierten die Beschäftigten darin mit einer Eichenrindenbrühe. Diese wurde verwendet, um das Leder zu gerben.

Weil die Eigentümerfamilie Korneli plant, das Gebäude instand zu setzen, haben einige Wissenschaftler im März und April den Gebäude-Komplex am Marktplatz 14 genauer unter die Lupe genommen. Unter anderem prüften sie mithilfe sogenannter dendrochronologischer Verfahren, wie alt das im "Endres-Haus" verwendete Holz ist.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Anwesen im Jahr 1592. Es setzt sich zusammen aus einer Fachwerkscheune, einem aus zwei Teilen bestehenden Wohnhaus, einer sogenannten Lohtrockenhalle und einem weiteren jüngeren Zweckbau seitlich der Zufahrt zur Scheune.
Besonders interessant ist der fünfeckige, nur sehr aufwendig zu verwertende Grundriss der Scheune. Der lässt sich wohl dadurch erklären, dass die mit der Jahreszahl 1600 gekennzeichnete und tatsächlich auch so datierte Scheune in einen ursprünglich viel kleineren Freiraum eingefügt werden musste. Dafür hat sich wahrscheinlich das Fünfeck angeboten.

Hinweise auf erste Besitzer

Ein Steinrelief, das heute an der Südostecke des Wohnhauses zu sehen ist, ist mit Bretzen und Brötla versehen. Dieser Umstand weist darauf hin, dass zuerst Bäcker in dem Anwesen wohnten. Noch heute lassen sich die Namen "Merz" und "Feuerer" entziffern.

Ein gewisser "Büttner" dagegen, der gleich um die Ecke an der Hauptstraße wohnte (heute: Bäckerei Fuchs), ließ nach einer Inschrift und einer Fass-Darstellung zu urteilen, die Scheune erbauen. 1649, und damit unmittelbar nach dem 30-jährigen Krieg, wurde das heutige Wohnhaus von der Familie Feuerer neu errichtet. Die Scheune hatte sie bereits 1644 erworben. Erst seit etwa 1690 beherbergte das Anwesen die Gerberei. Für das alte Forchheim ist das noch relativ jung.
Allerdings: Das "Endres-Haus" ist weder besonders gut erhalten noch besitzt es eine besonders wertvolle Ausstattung. Insofern spiegelt das Anwesen auf sehr realistische Weise den Alltag im Laufe der Jahrhunderte.

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