Forchheim
Einzelhandel

Die "Forchheimer Liste" sagt, was ins Regal darf

Die "Forchheimer Liste" soll den Innenstadt-Handel schützen - ein Vorhaben, das nicht frei von Widersprüchen ist.
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ForchheimDer innerstädtische Einzelhandel kann ohne Schutz nicht überleben. Das ist die Überzeugung der Geschäftsleute und der Politiker. Daher hat der Stadtrat 2008 ein Einzelhandelskonzept beschlossen. Die Grundidee: Waren, die den innerstädtischen Einzelhandel prägen, sollen nicht in den großen Warenhäusern auf der grünen Wiese verkauft werden.

Das Problem: Es gibt ein so genanntes "Sondergebiet" rund um die Hafen- und die Bosch-Straße, wo das Konzept nicht greift. Und auch andere Großmärkte hatten in der Vergangenheit die Idee von der Innenstadt-Relevanz immer wieder torpediert.

Daher hat die Standort & Kommune Beratungs-GmbH aus Fürth jetzt gemeinsam mit den Gewerbetreibenden das Einzelhandelskonzept überarbeitet. Die entscheidende Neuerung ist die sogenannte "Forchheimer Liste". Dank dieser Liste sei es nun möglich, "die Geschicke des Einzelhandels zu lenken", sagte René Franz, der Chef des Bauamtes, "die Liste wird im Bebauungsplan festgesetzt."

Am Dienstag stellte Thomas Schwarzmann das von der Fürther Beratungs-GmbH erarbeitete 99-seitige Gutachten dem Planungsausschuss vor. Die Räte beurteilten die Standort-Analyse des Fürther Büros wahlweise als "lobenswert" und "zu theoretisch". Udo Schönfelder (CSU) kritisierte die "künftige Zentren-Struktur". Schwarzmann hatte beispielsweise vorgerechnet, dass Kersbach unter einem enormen Versorgungsdefizit leidet und bei einem geplanten Wachstum von aktuell 2100 auf künftig über 5000 Einwohner einen Nahversorger vertragen könnte, der rechnerisch bis 3000 Quadratmeter groß sein könnte. Schönfelder warnte vor einer "Überhitzung" in Kersbach bei gleichzeitiger Vernachlässigung des Wachstums in den anderen Stadtteilen Burk, Reuth oder Buckenhofen.

Albert Dorn (SPD) rügte einige Einschätzungen des Gutachtens. Dass man in Forchheim "fränkisch originelle Gastronomie" erleben könne und dass die Medientechnik-Branche in der Innenstadt gewachsen sei, empfinde er als "weit hergeholt". In das Gutachten seien auch diese Einschätzungen der Geschäftsleute eingeflossen, rechtfertigte sich Thomas Schwarzmann. Außerdem, betonte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD), könne so eine Analyse nicht frei von Widersprüchen sein: "Die müssen wir aushalten."


"Trennschärfe" vermisst

Die Räte im Planungsausschuss billigten den Entwurf der "Forchheimer Liste" (sie wird noch im Stadtrat besprochen). Allerdings gab es auch viele Einwände: "Die Liste ist zu theoretisch, denn die Läden haben Mischangebote. Wer beispielsweise große Sportgeräte verkauft, der hat auch Sportkleidung im Sortiment", sagte Holger Lehnard (CSU). Sollte sich so ein Laden am Stadtrand ansiedeln dürfen? Denn Sport-Bekleidung gilt als "innenstadt-relevant".

Josua Flierl (CSU) warnte davor, "aus der Liste ein Dogma zu machen". Die Ansiedlung von Geschäften müsse "verhandelbar bleiben". Uwe Kirschstein erinnerte an die Kernfunktion der "Forchheimer Liste": "Wenn wir uns fragen, mit welchen Waren im Außenbereich wir der Innenstadt schaden, dann brauchen wir klare Regeln."
Doch Manfred Hümmer (FW) vermisste die "Trennschärfe": Zu sagen, dass ein Händler dennoch fünf Prozent innenstadt-relevante Ware im Sortiment führen dürfe, das sei eine "wachsweiche Regel". Weil es den Zwiespalt zwischen Marktentwicklung und Verbindlichkeit gebe, müsse die Liste regelmäßig nachgebessert werden, forderte Hümmer.

Das beschlossen die Räte auch: Spätestens alle fünf Jahre werde die Liste neu betrachtet. Diplom-Geograph Schwarzmann fasste die Möglichkeiten der Liste so zusammen: "Sie ist eine Leitlinie, kein Dogma. Im Einzelfall muss immer praxisnah entschieden werden."

Der Wirtschaftsförderer Viktor Naumann begrüßte die "Forchheimer Liste" im Anschluss an die Debatte als "Leitplanke". Er gab ein Beispiel für ihre Nützlichkeit: Wenn sich beispielsweise eine Drogerie neben dem Medical-Valley-Center ansiedeln wolle, sei dies dank der Liste nicht möglich. Naumann: "Das gibt uns Planungssicherheit und garantiert eine faire Behandlung."
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