Gräfenberg
Sprengungen

Die Erschütterung bleibt aus

Als Reaktion auf die vielen Beschwerden der Bürger setzt Geschäftsführer Werner Steinbrecher auf Transparenz.
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Betriebsleiter Frank Eichler zeigt den Bohrlochschrauber, der sich 26 Meter in die Tiefe bohrte. Fotos: Petra Malbrich
Betriebsleiter Frank Eichler zeigt den Bohrlochschrauber, der sich 26 Meter in die Tiefe bohrte. Fotos: Petra Malbrich
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Beschwerden über verschmutzte Straßen durch den Lkw-Verkehr des Gräfenberger Steinbruchs Bärnreuther-Deuerlein - vor allem seit dem ICE-Ausbau - waren Anlass für den Steinbruchbesitzer Werner Steinbrecher, den Stadtrat zu einer Betriebsbesichtigung mit einer Sprengung einzuladen. "Man muss miteinander kommunizieren", sagt Steinbrecher, und dass er von den Sorgen der Bürger nach so mancher Steinbruchsprengung wisse.
"Das ist hier kein Hokuspokus. Immer wenn es kracht, ist es auf dem Protokoll drauf", sagt Steinbrecher, der mit seinem Betriebsleiter Frank Eichler mehrfach betont, dass die Sprengungen sogar unter den erlaubten Werten liegen. "Wenn es in den Häusern zittert, ist es den Leuten egal, ob ihr euch an die Werte haltet", wirft Stadtrat Matthias Striebich ein. Und Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla erläutert, dass die Bürger, die die Erschütterung wahrnehmen, schnell den Vorwurf erheben, die Risse im Haus kämen davon.

Doch Steinbrecher beteuert, dass dann weder eine Bahn noch eine Straßenbahn in der Stadt fahren dürften, da diese höhere Erschütterungen verursachten als eine Sprengung im Steinbruch hier. Das mag nicht jeder der Anwesenden glauben.


26 Meter tief wird gebohrt

Inzwischen bereitet Bernhard Wurm, einer der 13 Sprengmeister, das vierte Sprengloch am anderen Ende des 30 Hektar großen Steinbruchs vor. 26 Meter tief ist jedes der vier Sprenglöcher, die im Abstand von jeweils vier Metern gebohrt werden. Zwei Zeitstufen werden in jedem Bohrloch mit dem Sprengstoff eingebracht, pro Zeitstufe die Hälfte an Sprengstoff gezündet.

Man habe Kontakt zu sämtlichen Sprengsachverständigen Europas aufgenommen, "um das Minimale weiter zu minimieren. Doch mehr ist physikalisch nicht machbar", erklärt Steinbrecher, warum man mit dieser Art der Sprengung weit unter den Grenzwerten bleibe. "Wenn hier so gesprengt würde, wie es die Leute empfinden, würde Gräfenberg nicht mehr stehen", sagt Steinbrecher.

Seit 60 Jahren wird in Gräfenberg gesprengt. Ein Messgerät ist in der Kasberger Straße angebracht und zeichnet jede Sprengung auf.

Sprengmeister Wurm schließt einen Zeitverzögerer an die mit Sprengstoff gefüllte Schlagpatrone, die er in das Bohrloch einläßt, schneidet dann die Säcke mit dem losen Sprengstoff auf, eine Ammoniumnitratverbindung, wie Betriebsleiter Eichler erläutert, und lässt das wie Kunstdünger aussehende hochexplosive Material in das Bohrloch rieseln.


160 Kilo Sprengstoff pro Zündung

160 Kilo Sprengstoff sind in einem Bohrloch. Aufgrund der Zeitzünder werden jeweils 80 Kilo gezündet. Dann wird ein Zwischenbesatz, Splitt aus dem Steinbruch, aufgefüllt, um dann wieder eine Schlagpatrone einzulassen. Verbunden wird das Ganze mit einem elektrischen Zünder, einem dünnen Schlauch, gefüllt mit Sprengstoff. Der Schlauch geht nicht kaputt, ihn könnte man auch in der Hand halten, erklärt der Sprengmeister.

Das tut er nicht. Er löst die Sprengung vom Traktor aus, in sicherer Entfernung. Nach den zwei Signaltönen zünden die vorbereiteten Sprengsätze im Abstand von 17 Millisekunden und 42 Millisekunden, vom oberen Teil des ersten Bohrlochs bis zum unteren Teil des zweiten Bohrlochs. "194 Millisekunden dauert die Sprengung", erklärt Eichler, der auch für das Sprengwesen verantwortlich ist. Im selben Augenblick, in dem der laute Knall ertönt, fliegen 230 Kubikmeter Steinbrocken zehn Meter hoch in die Luft.

Von der Sprengung bleibt nur der Rauch länger sichtbar. Und ab und zu bröseln weitere Steinbrocken von der Wand ab. Von einer Erschütterung war im Steinbruch selbst nichts spürbar.

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