Forchheim
Marinekameradschaft

Die Erinnerung ist immer mit an Bord

Ehemalige Seefahrer plaudern aus der Backskiste. Die Forchheimer haben nicht nur Geschichten, sondern auch Geschichte parat - teils sogar Katastrophen und Krisen.
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Zum Frühschoppen der Marinekameradschaft Forchheim kamen alle zusammen, die auf dem Meer arbeiteten oder sonst eine enge Beziehung zu den Ozeanen haben.  Foto: Philipp Dohle
Zum Frühschoppen der Marinekameradschaft Forchheim kamen alle zusammen, die auf dem Meer arbeiteten oder sonst eine enge Beziehung zu den Ozeanen haben. Foto: Philipp Dohle
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von unserem Mitarbeiter Philipp Dohle

Mit lautem Glockenschlag läutete der Vorstandsvorsitzende Hans Gerhard Braun den ersten öffentlichen Frühschoppen der Marinekameradschaft Forchheim ein. Sowohl ehemalige Seefahrer als auch Wasserfreunde und Liebhaber des Maritimen schwelgten in gemeinsamer Erinnerung.

Was hier Sache ist, erkennt man bereits bei Ankunft vor dem kleinen Häuschen auf der Schleuseninsel. Tauwerk und Steuerrad schmücken die Veranda, zahlreiche Aufkleber mit Anker- oder Möwenmotiven die Eingangstür. Im Hintergrund liegen ein paar Boote. Der Vorstandsvorsitzende des Marinevereins hatte zum Plaudern über die Schifffahrt und die Zeit auf See eingeladen. Maritime Bilder, eine Galionsfigur sowie Schiffsmodelle sorgen auch im Inneren für eine authentische Atmosphäre.
13 interessierte "Seebären" tauschten sich über ihre Erfahrungen und Interessen aus, nachdem Hans Gerhard Braun alle Teilnehmer begrüßt hatte.

Nicht nur Seemannsgarn

Von Zerstörern der Bundesmarine, von taktischen Manövern und der Beschattung feindlicher Kriegsschiffe war die Rede. Viele der Anwesenden sind Zeitzeugen des Kalten Krieges und haben einiges zu erzählen. Und zwar nicht nur Seemannsgarn. Pit Fleischmann kam beispielsweise bereits mit 17 Jahren zur Marine. Eine große Abenteuerlust habe ihn aufs Meer getrieben. Als Smut, Koch in der Kombüse eines Marineschiffes, war er jahrelang auf hoher See. Aufgrund der teilweise langen Einsatzzeiten war seine Aufgabe für die Moral der Seeleute von besonderer Bedeutung. Daher berichtete er schmunzelnd: "Gut kochen können musste man dort, sonst wäre man über Bord geworfen worden!"

Gerd Bischof erzählte aus seiner Zeit als Unteroffizier. Die Sturmflut im Februar 1962 in Hamburg habe er selbst miterlebt. Generell sei es eine spannende, aber auch angespannte Lage gewesen damals rund um die Kubakrise und das Kennedy-Attentat.

Auch mit den gängigen Klischees räumte er auf: "Der Umgangston unter Seeleuten ist natürlich rau, aber meist ist es nicht böse gemeint. Zudem gilt die Regel: Solange sich die Schiffsschraube dreht, wird nichts getrunken! Beim Eintreffen im Hafen war das sogenannte Einlaufbier aber ein schönes und geselliges Ritual."
Hermann Schmidtgruber verbrachte einige Zeit an Bord des Deutschen Segelschulschiffes Gorch Fock. Seine Geschichten gab er jedoch noch nicht preis, da er am 1. März um 10 Uhr einen Vortrag darüber halten wird.

Das Boot als Lebensschule

Hans Gerhard Braun war von 1971 bis 1973 als Schnellbootfahrer unterwegs. Diese Zeit habe ihn nachhaltig geprägt, sagte er, persönlich könne man sich an Deck enorm weiterentwickeln: "An Bord eines Schiffes muss der reibungslose Ablauf stets gegeben sein. Man muss sich in das Team einordnen, mit jedem Charakter auskommen und ist auf das Miteinander angewiesen. Das ist eine wertvolle Lebensschule."

Immer wieder bezog der Geografie- und Wirtschaftslehrer auch die heutige Situation der Handels- und Marineschifffahrt mit ein. Durch die Abschaffung der Wehrpflicht herrsche ein großer Mangel an Einsatzkräften, zum Beispiel für die Fregatte Bayern. Unter einer ähnlichen Personalknappheit leide die deutsche Handelsflotte, der im Jahr 2020 voraussichtlich 10.000 Arbeitskräfte in Führungspositionen fehlen werden. "Auf der Ausbildungsmesse betreiben wir aus diesem Grund einen Stand und machen Werbung für die Schifffahrt. Für die Jugendarbeit bei uns ist Peter Schulte zuständig. Als leidenschaftlicher Segler gibt er sein Wissen regelmäßig am Untreusee bei der Marinejugend Hof weiter. Außerdem stehen Kanu-Erlebnistouren, biologische Exkursionen, sowie Kurse in Morsen oder Navigation auf dem Programm", erklärte Hans Gerhard Braun.

Interessante Einblicke

Auch für "Nicht-Seebären" bot der Frühschoppen einen interessanten Einblick in das Leben rund um das nasse Element. Eine Backskiste bezeichnet im Übrigen in der Seemannssprache eine auf Segelbooten oder kleineren Schiffen eingebaute Kiste, die zum einen als Stauraum, zum anderen als Sitzbank dient. Wieder einmal etwas gelernt.

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