LKR Forchheim
Jubiläum

Die D-Mark ist auch im Landkreis Forchheim noch gefragt

15 Jahre nach der Einführung des Euro befinden sich noch rund 13 Milliarden D-Mark im Umlauf. Drei Forchheimer erzählen, warum auch sie noch Mark aufheben.
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Auch Alexander Bieger aus Pretzfeld kann sich nicht ganz von der D-Mark trennen.  Foto: Maximilian Glas
Auch Alexander Bieger aus Pretzfeld kann sich nicht ganz von der D-Mark trennen. Foto: Maximilian Glas
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Über 90 Milliarden Euro Umsatz hat der deutsche Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft 2016 laut Prognosen des Handelsverbandes gemacht. Nicht alle Geschenke wurden dabei in Euro gezahlt - auch in Forchheim gingen andere Währungen über den Ladentisch. "In der Woche vor Weihnachten hat ein Kunde bei uns seinen Einkauf mit 70 D-Mark gezahlt", sagt Sieglinde Roth, Marktleiterin der C & A-Filiale in Forchheim.

Die Modekette akzeptiert auch heute - schlappe 15 Jahre nach der Einführung des Euros - die D-Mark noch als Zahlungsmittel. Immerhin eine halbe Million D-Mark tragen C & A-Kunden pro Jahr zu den Filialen. Ein Serviceangebot, auf das zumindest temporär auch andere deutsche Einzelhändler immer mal wieder setzen.

Kein Wunder, immerhin befinden sich nach Angaben der Deutschen Bundesbank noch knapp 13 Milliarden D-Mark im Umlauf. Besonders hoch im Kurs: der Zehn-Mark-Schein, von dem es noch 70 Millionen Stück geben soll. Dass die D-Mark auch in Forchheim längst noch nicht vergessen ist, beweist ein entsprechender Aufruf auf der Facebook-Seite des Fränkischen Tags. Einige Nutzer haben bereits nach wenigen Minuten fleißig Fotos von ihren Münzen und Scheinen präsentiert.


D-Mark-Scheine aus den 40ern

Florian Uttenreuther aus dem Landkreis Forchheim hat seine Sammlung von verschiedenen Scheinen sogar eingerahmt. Verewigt hat er dort jeweils fünf Scheine der dritten Serie (1961-1995) und der vierten Serie (1990-2001). Sogar einige ausgewählte Scheine aus der Anfangszeit der D-Mark (1948) hat er in seinem Besitz. "Die habe ich mir privat ertauscht und peu à peu gesammelt", sagt der Bankangestellte. Seine Ausbildung hat er 2001 begonnen - pünktlich zur Euro-Einführung. "Ich war die Anfangszeit im Kassenbereich, da mussten eine Menge DM-Münzen gezählt werden", sagt der 32-Jährige mit einem Grinsen.

Neugierig machte der FT-Aufruf auch Alexander Bieger aus Pretzfeld: "Nachdem ich das gelesen hatte, habe ich gleich bei zwei Banken angerufen und probiert, ob man überhaupt noch an D-Mark rankommt", erzählt der 68-jährige Rentner. "Mir wurde nett mitgeteilt, dass man die D-Mark, die man noch hat, aber nicht mehr aus den Händen gibt."

Im Gegensatz zu vielen Euro-Ländern wie Frankreich oder Italien, wo die Umtauschfrist der alten Währung bereits abgelaufen ist, kann die D-Mark noch ohne Probleme eingetauscht werden. Kunden der Forchheimer Sparkasse werden bei Umtausch-Wünschen seit 2005 an die Bundesbank-Filiale in Nürnberg (eine von 35 Stellen in Deutschland) verwiesen, erklärt Klaus Donner von der Sparkasse Forchheim und fügt an: "Die Anfragen halten sich mittlerweile aber in Grenzen. Vielleicht sechs oder sieben Kunden kommen pro Jahr. Die D-Mark ist bei uns also quasi kein Thema mehr."

Ähnlich verhält es sich bei der Volksbank Forchheim, deren Kunden bei entsprechenden Anfragen auch nach Nürnberg verwiesen werden. "Manchmal kommen vielleicht zwei Kunden im Monat mit kleinen D-Mark-Summen. Aber jemanden, der 10 000 oder 20 000 DM umtauschen möchte, habe ich die letzten Jahre nicht mehr gesehen", sagt Kassen-Mitarbeiter Winfried Lachner von der Volksbank Forchheim.


Erinnerung fürs Leben

Knapp 40 D-Mark hat Alexander Bieger noch in einer Schublade aufbewahrt. Ein Sammler sei er nicht. "Das hat sich einfach so über die Jahre ergeben. Ich habe immer wieder etwas bei speziellen DM-Aktionen ausgegeben. Das ist jetzt eben noch übrig", erzählt er. Den Hauch der Nostalgie möchte sich der Rentner auch in Zukunft bewahren. "Ich tausche mein Geld nicht mehr und warte einfach bis die D-Mark wieder kommt", sagt er lächelnd. "Vielleicht machen das die anderen Deutschen mit ihren 13 Milliarden Mark genauso."

Einen kompletten Münzsatz aus seinem Geburtsjahr 1981 hat FT-Leser Stephan Stühler aufbewahrt. "Ich habe das nicht für eine Wertsteigerung, sondern einfach nur für eine schöne Erinnerung gekauft", erzählt er. "Dass es sowas aus meinem Geburtsjahrgang gab, war ein schöner Zufall."

An seinen ersten Anknüpfungspunkte mit dem Euro kann er sich noch gut erinnern: "Ich habe damals ein paar von diesen Euro-Starterkits gekauft, diese gleich aufgerissen und mit dem Geld an Silvester gleich Karten mit Freunden gespielt. Das war lustiger als das großartig aufzuheben."
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