Bärnfels
Kultur

Die Burgruine Bärnfels wird zum Geisterhaus

Der Fränkische Theatersommer und Solodarsteller Markus Veith hatten mit "Einst um eine Mittnacht" von Edgar Allen Poe das perfekte Gruselstück für eine geisterhafte Nacht in Bärnfels ausgewählt. Schreie, Donnern, gespenstischer Luftzug, vieles untermalt die gespenstische Stimmung in der Burgruine.
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Markus Veith als Rabe vor der Kulisse mit dem mächtigen Felsbogen Foto: Franz Galster
Markus Veith als Rabe vor der Kulisse mit dem mächtigen Felsbogen Foto: Franz Galster
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Der Ort hätte kaum besser gewählt sein können für die Theatersommer-Veranstaltung "Einst um eine Mittnacht": Die Burgruine Bärnfels bot eine ideale Kulisse für die Open-Air-Aufführung. Das Wetter zeigte sich zu später Stunde, angepasst an die gruselige Darstellung, wechselhaft im Zwielicht.

Die zahlreichen Besucher schauten, ebenso wie der Solodarsteller Markus Veith, zwischendurch sorgenvoll gen Himmel, der bei kühler werdender Witterung ab und zu ein paar Regentropfen herabsandte. Eingeladen hatte der Fränkische-Schweiz-Verein Bärnfels, in deren Namen die Vorsitzende Christine Berner die Gäste begrüßte und viel Vergnügen bei einer Komödie zum Gruseln und Lachen mit viel Gänsehaut wünschte.

Dem FSV sei es wichtig, nach der Felsfreilegung die Burgruine wieder stärker ins Blickfeld zu rücken.
Das Theaterstück war dafür ideal geeignet; es stammt von Edgar Allan Poe. "Wo liegt Elenor, von Schicksal eingehüllt bei Mond, Nacht, düsterer Feierlichkeit?", fragte er eingangs und entführte die Zuschauer in eine andere Welt.

Die Schauerstimmung war von Anfang gegeben: alte, graue Gemäuer, stürmische, geisterhafte Nächte, dröhnender Herzschlag unter den knarrenden Fußbodendielen. Und der düstere Rabe, der das Publikum auf humorvoll-gruselige Art in beklemmende Sphären entführt.

Dazu kommt die schwarze Katze. Markus Veith unterscheidet zwischen der schwarzen Katze, die nur ein Idol hat, sich selbst, dem geselligen Hund und dem Menschen mit Fellmangel, Allergien und erhöhtem Blutdruck. Und als Veith als Rabe krächzt und aus der Natur Antwort erhält, gibt es den ersten Lacher. "Es ist nicht schwer ein Genie zu sein", meint er an anderer Stelle, "die anderen sehen es nur nicht ein."

Gespenstischer Luftzug

"Die Sonne hat Angst vor dem Dunkel, deshalb verschwindet sie vorher", findet er. Schreie, Toben, ein Geisterhaus, Donnern, gespenstischer Luftzug, vieles untermalt eine gespenstische Umgebung. Sein Freund Rodrig taucht auf, sie gehen die Ahnentafel durch mit allen Eigenarten der Gestorbenen. Man steigt in die Gruft hinab und bewegt Särge.

Veith wirft gegen Ende einen Blick in die Welt der heute "Abgehobenen" und ihr Verhalten, die auf "die da unten" schauen. Dort sitzt unter anderen ein Herr Bauernfang in der Regierung. "Die Qualität einer Bilanzfälschung entscheidet, ob man zum Opernball oder vor Gericht geladen wird", gibt er eine andere Erkenntnis von sich.
Besucherin Petra Faber aus Weilersbach ist von der Aufführung angetan. Sie findet, die von Veith aufbereitete und gespielte deutsche Version besser als die englische, die sie auch kennt. Sie sei aufgelockert, nicht so trocken. Dazu, so meint sie, trage auch der Schauspieler in seiner lockeren, natürlichen Art bei.

Seit 2010 schreibt und spielt der in Essen geborene und wohnende 43-jährige Schauspieler und Schriftsteller für den Fränkischen Theatersommer. Wilhelm Busch war sein erstes Markenzeichen in der Solorolle. Jetzt entstand das neue Solostück "Einst um eine Mittnacht".

Für Veith bestand die Herausforderung, Poes schaurige Texte. die meist Prosa und zum Teil extrem düster sind, in Reimform umzuwandeln, zudem einen Witz zu vermitteln, der die Originale nicht der Kraft beraubt. Veith hat es sich nicht leicht gemacht. Es ist das erste Gruselstück, das beim Fränkischen Theatersommer aufgeführt wird. In Bärnfels war es dazu die erste Freiluft-Aufführung. Eine Zitterpartie, meinte Veith im Nachhinein.

Die Kulisse mit dem mächtigen Felsbogen erforderten räumliche Improvisationen. Veith gelang es, die Besucher mit trockenem, oft hintergründigem Witz und Humor zwei Stunden anspruchsvoll zu unterhalten. Überzeugend schlüpfte er dabei in verschiedene Rollen.

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