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Forchheim
Stadtgeschichte

Forchheim: Ära Franz Stumpf endet nach 26 Jahren

Franz Stumpf verlässt das Rathaus nach 26 Jahren als Oberbürgermeister von Forchheim.
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Franz Stumpf im Jahr 1986, vier Jahre vor seiner Wahl zum Forchheimer Oberbürgermeister. Foto: Hans Grün
Franz Stumpf im Jahr 1986, vier Jahre vor seiner Wahl zum Forchheimer Oberbürgermeister. Foto: Hans Grün
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Vor 26 Jahren startete der CSU/WUO-Politiker seine Laufbahn als Oberbürgermeister von Forchheim: Am Anfang stand ein überraschender Wahl- Sieg. In den folgenden Jahren profilierte sich Franz Stumpf als Modernisierer der Stadt. Im Dezember gab der 65-Jährige krankheitsbedingt seinen Rücktritt bekannt. Weggefährten würdigen die außergewöhnliche Karriere.

Gerhard Scheu, Ex-MdB (CSU): "Nachdem Franz Stumpf 1990 die OB-Wahl gegen Eduard Nöth gewonnen hatte, war es mein wesentlicher Beitrag im CSU-Ortsverband, Ausschlüsse zu verhindern. Die Emotionen zu beruhigen, ist aber nicht gelungen. Der Riss durch die CSU hielt Jahre. Erst das Wirken von Herrn Stumpf selbst hat zur Beruhigung geführt. Unterstützenswert fand ich vor allem seine Krankenhauspolitik. Beim Klinik-Bau hat er seine fachliche Stärke gezeigt. Ein Neubau ohne Schulden - das ist sein großes Verdienst."

Dieter George, Ex-Kulturbeauftragter (CSU): "Er war objektiv erfolgreich. Franz Stumpf hat die Stadt in einem Maße vorangebracht, wie es 1990 keiner für möglich gehalten hätte. In der Gesamtschau gilt: Stumpf-Jahre waren für die Stadtentwicklung große Jahre. Obwohl bei ihm erst die Wirtschaft, dann die Kultur kam, hat er auch die kulturellen Fragen entschieden vorangetrieben. Zu nennen sind die Kaiserpfalz als Kulturpfalz. Und die Stadtbibliothek - ein Leuchtturm-Projekt. Leider hat ihn seine Krankheit gezwungen, das Thema Kulturhalle in andere Hände zu legen. Auch die Gegensätze sollen nicht verschwiegen werden: Ich habe Kultur bildungsbürgerlich verstanden, während Franz Stumpf einer breiten Kultur das Wort geredet hat. Stumpf war ohne Zweifel im klassischen Sinn ein Homo Politikus, ein klassischer Konservativer, der einen defensiven Ansatz hatte. Ihm ging es auch immer darum, Schaden zu verhindern. Er war als Politiker eigentlich ein Skeptiker."

Reinhold Otzelberger (SPD-Fraktionssprecher): "Er konnte vermitteln, weil er auf Grundlage einer guten Sachpolitik gewirkt hat. Franz Stumpf ist ein ganz nüchtern denkender Politiker - ohne Traumtänzereien. Als er OB wurde, stand die Stadt sehr schlecht da. Die systematische Modernisierung Forchheims ist sein ganz großes Verdienst. Man konnte gegenteiliger Meinung mit ihm sein, aber wenn die Sachbasis da war, dann war für Franz Stumpf das CSU-Parteibuch nicht im Vordergrund. Er ist ein pragmatischer Konservativer, der das Denken in Effizienz-Kategorien beherrscht und die Stadt wie ein Unternehmen zu führen weiß.Was ich an ihm schätze, das ist seine absolute Verlässlichkeit. Er hat immer offen verhandelt. Ich bin auch Wirtschaftler, schon deshalb hatte ich einen guten Zugang zu ihm. Was ihm manchmal Schwierigkeiten bereitete, war seine Sichtweise, die sich strikt an der Sache orientierte, nicht an Stimmungen. Sie aufzugreifen, das hat er nicht gewollt. Doch seine Grundlinie für die Stadt - die hat gepasst."

Eduard Nöth (CSU-Stadtrat und Ex-MdL): "Was mich nach der Auseinandersetzung mit ihm beeindruckt hat, war, wie durchsetzungsstark er die Rolle des Oberbürgermeisters angenommen hat. Trotz der Verletzungen am Anfang seiner Karriere haben wir bald an einem Strang gezogen. Als Politiker sind wir ja nicht da, um unser Eigenleben zu pflegen. Als MdL konnte ich zur Stadtpolitik beitragen. Ich kenne Franz Stumpf von der Schule her und hatte nach 1990 bald wieder ein gutes Verhältnis. Daher trifft es mich persönlich, was ihn durch seine Krankheit ereilt hat. Er hat einen tollen Job für Forchheim gemacht und er hat Maßstäbe gesetzt, da gibt es keine Zweifel. Die Region kann dankbar sein. Franz Stumpf hat in einer goldenen Zeit gewirkt und er hat dank seiner Durchsetzungsstärke die Türen, die sich geöffnet haben, auch betreten - das war entscheidend."

Franz Streit (CSU-Bürgermeister und Jugendfreund): "Zwischen uns gibt es ein absolutes Verständnis rüber und nüber. Wir sind zwei Forchheimer Buben und kennen uns seit der Volksschule. In der Politik sind wir voll zusammengekommen - im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man so gleich denkt und tickt wie wir beide, dann braucht man keine großen Absprachen. Ich erinnere mich: Einmal habe ich zu ihm geredet, mich falsch ausgedrückt und das Gegenteil von dem gesagt, was ich wollte. Hinterher wusste er trotzdem, was ich will. Zwischen Franz Stumpf und mir, das ist ein blindes Verständnis. Neben seinen Leistungen für Forchheim bewundere ich seine Gabe, den Partner dort abzuholen, wo er ist. Wenn Meinungen aufeinander prallen, verarbeitet Franz Stumpf das blitzschnell und lässt die Leute nicht im Regen stehen. Bewundernswert fand ich immer auch seine Gerechtigkeit: Natürlich konnte er es nicht jedem recht machen, aber seine Fairness ist bemerkenswert. Dabei war das Ziel von Franz Stumpf immer, dass es mit Forchheim vorwärts und aufwärts geht. Das hat er auch voll auf die Reihe gekriegt."