Clown Ciko Schubert ist ein schüchterner Mann. Erst abends, wenn er das Sägemehl unter seinen Füßen spürt, lebt er auf: "Das ist meine Welt, da bin ich der Boss." Sagt er, und zupft an seiner roten Clownsjacke herum. Und wenn er sich in hundert Jahren noch einmal entscheiden würde, fügt er hinzu, er würde hundertmal wieder Clown werden.
Der Zirkus liegt ihm im Blut. Bereits im Jahr 1479 zogen die Vorfahren der Familie Schubert als Komödianten und Gaukler durch die Bayreuther Gegend. Der Marktplatz war ihre Manege. Sie spannten ein Seil von Rathaus bis zur Kirchturmspitze und warfen Pfannkuchen vom Rad aus in die Menge.

Der Held im Kostüm


25 Artisten, alles Mitglieder der Familie Schubert, und 50 Tiere gehören heute zum Zirkus Zentral. Dass sie zusammenhalten, verstehe sich von selbst. Die Familie, das ist das Wichtigste, sagt der 49-jährige Clown.
Bereits als Vierjähriger stand Ciko zum ersten Mal in der Manege. Und dabei stellte sich schnell heraus: Ciko Schubert ist ein geborener Clown: "Clown sein, das kann man nicht lernen", sagt er.
Das Publikum müsse durch den Clown locker werden, um den Alltag zu vergessen. "Wenn das nicht von Herzen kommt, geht da gar nichts."
Eingeschult wurde Ciko in Nürnberg. Genügend Freunde, die er nach der Schule auf das Zirkusgelände schleppen konnte, gab es immer für den Dreikäsehoch. Staunend stromerten die Mitschüler zwischen den Tieren herum und schnupperten Zirkusluft. Heute lebt der "eingefleischte Junggeselle" mit der Schlange Amanda, einer Boa Construktor, zusammen. Die Jugendliebe, die er mit 22 Jahren kennen gelernt hatte, wollte nicht bleiben: "Ich will mich nicht jeden Tag auslachen lassen" , sagte sie. Und war weg.
Wenn man Ciko Schubert fragt, ob er in seiner Karriere auf etwas besonders stolz ist, fällt ihm nichts ein. Er kratzt sich unsicher das graue Haar und steckt seine roten Nase unter den Tisch. Aber nein, da findet er auch nix.
Doch seine Nichte Janine Schubert, ein Zirkuskind auch sie, weiß es besser: "Im Frühjahr bei der ersten Abendvorstellung nach der Winterpause, da hing ich in der Kuppel des Zeltes und plötzlich verließen mich die Kräfte.
Vergeblich habe sie versucht, in zehn Meter Höhe den Fuß aus der Trapezschlinge zu ziehen. "Aber Ciko hat sofort reagiert", sagt sie. Er schnappte sich die Artistenleiter und hangelte sich im Clownkostüm zu seiner Nichte hoch: "Das Adrenalin schoss zehn Meter hoch" , sagt er heute. Noch am Boden schlotterten ihm minutenlang die Knie.
Was für Zirkusbesucher so leicht aussieht, ist nicht selten gefährlich für die Artisten. "In der Manege sind wir eine Familie, das ist unsere Überlebensgarantie", sagt Ciko, der Clown. Wenn das Publikum strahlend das Zelt verlässt, dann wissen die Schuberts, dass sie ihr Bestes gegeben haben: "Das ist uns die höchste Gage."
Drei Generationen leben im Zirkus Zentral zusammen. Heuer es ist nicht immer leicht für die Schuberts. Vom wirtschaftlichen Aufschwung nämlichen merken die Schuberts nichts.
Im Gegenteil: Seit der Euro -Einführung habe die Besucherzahl rapide abgenommen,. Manchmal sitzen nur 50 Leute im Publikum.


Auftritte Der Zirkus Zentral tritt heute und am Samstag, 2. Juli, jeweils um 15 und 19 Uhr auf. Am Sonntag, 3 Juli, um 11, 15 und 18 Uhr. Am Montag, 4. Juli, schließlich um 15 Uhr.

Ort Neunkirchen am Brand, Erlanger Straße auf der Wiese beim Aldi-Lebensmittelmarkt.

Extra Täglich Tierschau von 11 bis 20 Uhr.